Begrüßung von Frau Dr. Huttner am Salonabend mit Zsuzsa Bánk:

Liebe Gäste,
Herzlich willkommen zu unserem heutigen Abend mit Zsusza Bánk und ihrem Roman “Schlafen werden wir später” zu Gast bei uns in Haidhausen.

“Wir brüllten: wir sind erwachsen, wir sind erwachsen, viele Male hintereinander, als könnten wir es sonst nicht glauben”, heißt es an Aja’s 18.Geburtstag in den “hellen Tagen”.

Die fast 30 Jahre älteren Freundinnen im neuen Roman, Johanna und Marta, die seit Kindertagen dieselbe Vertrautheit verbindet, stellen sich in Emails die Frage, wie auslotbar die Grenzen der biographischen Möglichkeiten sind, in einem Alter, in dem sich Zufälliges längst in unabänderliche Gesetze verwandelt hat und ein Schwanken zwischen verschiedenen Lebens- und Selbstentwürfen nicht mehr verhandelbar ist. Was prägt uns und wie sind die Kindersommer der Seele gegen die Zumutungen der Realität zu verteidigen, wie schaffen wir es, in der Mitte des Lebens das Innere gegen das Äußere zu behaupten. Wie fragil ist das alles, was wir für einen gelungenen oder zumindest plausiblen Lebensentwurf halten?

Zsusza Bánk schreibt über Momente des Abschieds, der Trauer, Momente des Unheils und der Angst , über Menschen, die ihrem Schicksal ausgeliefert sind, mit der einzigen Möglichkeit es zu ertragen. Aber auch über die Selbstheilungskräfte freundschaftlich verbundener Seelen. Sie lädt uns ein zu einer Innenbetrachtung durch den Spiegel einer Freundschaft, in der die Empfindsamkeit nicht der Lächerlichkeit preisgegeben wird. Durch die Welt zu wandeln und sie mit einer Zärtlichkeit zu berühren, die aus dem Wissen um die flüchtige Schönheit der Dinge rührt, ist eine Kunst, die mich beim Lesen ihrer Bücher immer wieder beseelt.

Kann das eigene Leben die Antworten auf die grundlegenden Fragen nach der Freundschaft, der Treue, dem Sinn des Lebens geben? Am Ende der Lektüre habe ich begriffen, dass das eigene Leben tatsächlich  die Antwort ist, aber erst, nachdem es den Fragen entsprechend gelebt worden ist.