Und das auch noch in einer Zeit, in der wir ein Drittel der Nahrungsmittelernte gleich gar nicht einbringen, beim Transport oder der
Aufbewahrung vergammeln lassen oder wegwerfen?

Der Dokumentarfilmer Valentin Thun war bei uns zu Gast, am 28.01.2018 um halb zwei. Sehr ungewöhnlich, diese Zeit. Die Dame des Hauses hatte orsorglich bereits einige Flaschen Wein entkorkt (Das macht sie immer so, das wirke gastlich). Ein einziges Glas ist dann tatsächlich getrunken worden — von mir. Halb zwei ist keine Rotweinzeit.

Aber erst einmal galt es zu lauschen: Der Referent berichtete über seinen neuen Film und führte uns dabei ziemlich in der Welt herum: Nach Indien, in den Klon der Wiesenhof-Fabrik, und nach Japan, wo man Salat in Hochhäusern unter künstlichem Licht anbaut. Man brauche ihn noch nicht einmal zu waschen, weil er von vorherein ganz sauber sei — Erfolgsmodell für China, dessen Pekinger Smog der weltberühmten Londoner “pea soup” längst den Rang abgelaufen hat. Auch nach Afrika nahm er uns mit.

Ausschöpfen kann man das Thema “Landwirtschaft” in einem Vortrag nicht, noch nicht einmal das Teilsegment “moderne Landwirtschaft”. Man kann allenfalls einzelne Aspekte beleuchten, entsprechend vielgestaltig waren die Häppchen, die uns Valentin Thurn bot. Die Agrarindustrie bekam ihr Fett weg, vom hohen Energieaufwand für den Kunstdünger berichtete er und
von den durchaus perfiden Geschäftsmodellen der Saatgutindustrie. Wie umweltverträglich sind demgegenüber doch die Kleinbauern! Sie wirtschaften andererseits meist nicht — so, wie sie es tun — aus Neigung oder gar Ökobewußtsein, sondern aus schlichter Notwendigkeit oder gar Not.

Etliches kannte ich bereits, aus seinen Filmen und auch von anderswo. Unterhaltsam war der Nachmittag dennoch. Der eigentliche Knackpunkt ist allerdings nicht die Landwirtschaft, sondern die Überbevölkerung und das Luxusleben der Reichen der Welt (und
dazu zählen wir Deutschen bis herunter zum Sozialhilfeempfänger). Diese Erkenntnis mag man allerdings weniger gern hören, nicht hierzulande, nicht weltweit.

Die Diskussion hinterher war rege, für mein Empfinden hätte sie noch länger dauern können. Auch hätte ich noch gern ein Gläschen Rotwein mit dem Referenten verzwickt, schließlich teilen wir den gleichen Migrationshintergrund. Aber er mußte leider weg.

Das Haus leerte sich schnell, das Büfett kaum tangiert. <<der Rest ist aber nicht verkommen! Ich habe im Laufe der folgenden beiden
Wochen all die geöffneten Weinflaschen, die aufgerissenen Gebäcktüten und die Käsewürfel nach und nach vertilgt.

Valentin Thurn würde es vermutlich mit Wohlgefallen registrieren, wenn er es denn wüßte.