Ein Mittagskonzert in Hannover: Der Flügel ist offen, ein Blüthner-Flügel aus der Mitte des 19. Jahrhunderts verspricht einen besonderen Klang, denn er ist tiefer gestimmt. Er klingt weicher, voller und hat einen anderen Anschlag. Was die beiden Pianistinnen klangvoll demonstrieren: Carlota Amado und Tonia Čuić haben sich ein anspruchsvolles Programm erarbeitet, was sie dem Publikum darbieten. Die Musikerinnen haben sich an der Musikhochschule Karlsruhe kennengelernt, beide haben bereits zahlreiche Auftritte in wechselnden Besetzungen im In- und Ausland absolviert und auch Preise eingeheimst. Sie verstehen sich blind an den Tasten, greifen in – und übereinander, wie es die Fingersätze bei diesen teils komplizierten Stücken verlangen. Die Fantasie in f-moll op.103 D 940 ist wohl die bedeutendste Komposition für mehrere Hände von Franz Schubert, die er kurz vor seinem Tod 1828 fertig gestellt hat. Virtuos spielen sich die Pianistinnen durch die vier Sätze, interpretieren einfühlsam dieses spannungsreiche Stück. Es folgen Fünf Spanische Tänze op.12 des deutschen Komponisten Moritz Moszkowski, der seinen ersten Musikunterricht in Breslau und Dresden erhielt. Eine populäre Komposition, sehr komplex und anspruchsvoll zu spielen. Die Tänze stammen aus dem Jahr 1876, seinerzeit war das vierhändige Spiel in den bürgerlichen Häusern sehr beliebt. Die Gäste im Salon hören begeistert zu und die Füße wippen im Takt. In der Pause gibt es kleine Leckereien und Getränke, Gespräche über das Gehörte und viel Interesse an diesem besonderen Flügel. 

Carlota Amado und Tonia Čuić haben dann noch ein weiteres bekanntes Werk aus der Romantik ausgewählt: Acht Stücke aus den Ungarischen Tänzen von Johannes Brahms, 1858 – 69 entstanden. Brahms war Hamburger und von den Zigeunertänzen und ungarischer Musik überhaupt fasziniert: temperamentvoll meistern die beiden Pianistinnen besonders das „Allegro“ und „Vivace“, komponiert in moll und Dur. Sie spielen mit viel Leidenschaft und halten ein zum Teil hohes erfordertes Tempo souverän. Und ihre Hände kommen sich ohne Probleme oft in die Quere!

Es gibt viel und langen Applaus, auch vom Gastgeberpaar, das sich genau diese Pianistinnen ins Haus gewünscht hat. Nach zwei Zugaben gibt es noch ein Spiel: spontan und von beiden noch nie gespielt: „Let it be“ von den Beatles. Warum? Weil genau dieses Stück an einem Blüthner-Flügel eingespielt wurde. Wunderbar.

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