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Ein gemütliches Wohnzimmer, viele Stühle und Hocker, bunt gewürfelt, stehen bereit. Und: die Haustür steht offen. Wieder ein ganz persönlicher Salon mit einem tollen Musiker, den es aus Kanada über Oldenburg nach Berlin gezogen hat: Martin Gallop ist Singer und Songwriter, und er bringt ungewöhnliche Instrumente mit. Ein kleines Klavier für die Kniee, einen Gartenschlauch, der kunstvoll gebogen direkt an einen Grammophontrichter angeschlossen ist und natürlich seine Gitarre nebst vieler Utensilien – jede Menge Kabel kringeln sich zu seinen Füßen. Launig und mit hintergründigem Humor begrüßt er die gespannten Gäste, die zahlreich gekommen sind: Die beste Therapie für ihn sei es, vor einem Publikum zu sitzen, das ihm zuhört! Martin Gallop erzählt von sich, aus seinem Leben als Musiker, wie er seine Songs schreibt. Von verpassten Zügen ist da in einem Song die Rede, oder von der Liebe, von vergossenen Tränen. Augenzwinkernd, mit einer schönen Sprechstimme, die mühelos auch seine folkigen Songs wunderbar vorträgt, begeistert Martin Gallop sein Publikum. Und das singt prompt mit, es ist gar nicht schwer: Lalala…Der Gartenschlauch verfremdet die Stimme ins “Trompetige”, wunderbare, gezogene, tragende Töne entstehen da.

Auch von Weihnachtsliedern ist die Rede, aber am Ende gibt es noch ein Schlaflied für alle und die Gastgeberin sagt nur: „Entzückend“. Entzückt sind alle von diesem ungewöhnlichen Musiker, der auch ein Romantiker ist. Vor allem aber: ein wunderbarer Solokünstler!

Die Songs von Jodymoon könnten der Soundtrack zu „America by Car“ des Fotografen Lee Friedlander sein. Man durchmisst das Land nicht mit dem Auto, sondern musikalisch, aber man kann Weite und Einsamkeit durch die Melodien spüren, an deren Steuer Digna Janssen (Gesang, Piano) und Johan Smeets (Gitarre, Dobro, Perkussion, Gesang) sitzen, begleitet von Cellistin Marie-José Didderen. Der Showroom von Farrow & Ball wird zum Lagerfeuer, das die Gäste anlockt und sie mit den Stimmen von Janssen und Smeets wärmt, harmonisch und sehnsuchtsvoll.

Jedes Stück ist eine Geschichte. Ob es die Erinnerung an minus 25 °C in Kanada („40 Days“) ist, an Freunde und Familie („Paris“), den zu früh verstorbenen Vater („Who Are You Now“) oder zwei Jungs, die von zuhause abhauen („Money In Our Pockets“), jede wird mit Worten und Tönen zu gleichen Teilen zu erzählt. So dicht, es passt perfekt in den Raum, in dem die Zuschauer zusammen mit den Musiker auf einer Bühne sitzen und schon nach kurzer Zeit zu einem Backgroundchor werden. Melancholische Melodien wechseln sich mit Uptempo-Nummern ab, dazwischen Soli von Cello und Dobro –Jodymoon verstehen sich auch auf die Dramaturgie eines ganzen Abends, unterstützt von herzlichen Gastgebern und einem Publikum, dass sich ganz auf die Musik einlässt.