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Ein alter Schultisch steht in der Ecke des Wohnzimmers, durch dessen Rundumverglasung man an diesem Januarnachmittag in den Garten blicken kann. John von Düffel nimmt an dem Möbel Platz, lächelt in die Runde und berichtet die Entstehungsgeschichte des „Klassenbuchs“. Er sollte einen Workshop in szenischem Schreiben mit Schülern durchführen und eine gemeinsame Geschichte schreiben lassen. Doch statt einer Idee erwartet ihn die Frage, „Wessen Geschichte denn? Seine? Ihre? Meine?“, und die Antwort, dass es nurmehr einzelne Biografien und individuelle Lebenswelten gibt, dass jeder in seinem eigenen Universum zuhause ist und es bestenfalls Überschneidungen gibt. Statt an der Aufgabe zu scheitern, beweist John von Düffel sein Talent zuzuhören und taucht in diese parallelen Universen ein. 
Überhaupt taucht der begeisterte Schwimmer gerne in neue Umfelder ein. Sei es in seiner Jugend, die ihn durch die Eltern in verschiedenen Ländern aufwachsen ließ, durch ein breit gefächertes Studium (Philosophie, Germanistik und Volkswirtschaftslehre) oder durch Tätigkeiten nicht nur als Schriftsteller, sondern auch als Dramaturg oder Übersetzer. Nun ist es die Welt der Pubertierenden, die ihn, Vater einer Zehnjährigen, täglich erst in ein paar Jahren erwartet. 
„Klassenbuch“ nimmt sich dieser jungen, sehr individuellen und durch digitale Medien geprägten Biografien an und stellt dem Leser – oder Zuhörer – eine nach der anderen vor. Zunächst erlebt man die Selbstwahrnehmung der einzelnen, doch diese wird Stück für Stück durch Fremdwahrnehmungen der Klassenkameraden ergänzt, die in ihren eigenen Darstellungen auch über ihre Mitschüler sprechen. So begegnet man Emily, dem Star der Klasse – klug, schön, reich – zunächst in ihrer Mail an den Schulcaterer als ebenso scharfzüngig wie analytisch denkend. Erst durch andere vervollständigt sich das Bild der bulimischen jungen Frau, die ein Verhältnis mit dem Geschäftsführer des Catering-Unternehmens unterhält. Geschichte um Geschichte, Schüler um Schüler baut sich ein Ganzes auf, bekommen die Figuren neue Facetten und die Klasse am Schluss doch eine Art Einheit. 
Von Düffel verweigert sich dabei konsequent der Diktion Sechzehnjähriger, worauf er von „Erwachsenen“, darunter den Salon-Gästen, immer wieder angesprochen wird. Die Jugendlichen nehmen dies selbstverständlich hin. Den Versuch, den Jargon des Schulhofs abzubilden, fänden sie bestenfalls peinlich. So erreicht von Düffel alle Altersklassen mit seinem Roman. An diesem Nachmittag erreichte er knapp 50 Menschen in einem Wohnzimmer, die durch die dichte Atmosphäre dieses Wintertags und die sympathische Nähe des Schriftstellers bezaubert waren. Sein Werk besticht dabei durch die fein ziselierten Charaktere, die Sprachmacht, mit der er jedem seiner Protagonisten eine zusätzliche Facette gibt, das mit Händen zu greifende Interesse des Schöpfers an den Leben, die er dort teils erfindet, teils aus Vorbildern formt und der Kunst, die großen Themen des Lebens mit den Widrigkeiten des Erwachsenwerdens zu verschmelzen.

Von wegen Aufbruch und Emanzipation: Machogeist am Bauhaus

Das Bauhaus in Weimar und Dessau: Es steht für Avantgarde, für den Aufbruch aus einer ästhetisch verkrusteten Zeit, für die Moderne und die Emanzipation aus einem zu eng empfundenen Architektur- und Kunstverständnis. Dass ausgerechnet hier alte Mechanismen und Denkweisen wüten, überrascht und stellt das Bauhaus in seiner nachträglichen Mystifizierung in ein unerwartetes Licht. Theresia Enzensberger – zu Gast im Salon in Wiesbaden – führt ihre Leser und Zuhörer in ihrem Roman “Blaupause” keineswegs auf den historischen Pfad der ästhetischen Revolutionäre Walter Gropius, Wassily Kadinsky, Paul Klee und Johannes Itten, wie man vermuten könnte. In ihrem Debüt über das Bauhaus hat sie anderes im Sinn. Der Roman erzählt die Geschichte der jungen Luise Schilling, die begeistert dem Lockruf der Bauhäusler folgt. In Weimar schreibt sie sich – wie viele andere junge Frauen ihrer Zeit – an der Kunstschule von Walter Gropius ein, im Glauben, Teil dieser modernen Bewegung zu werden. Doch das experimentelle Ausbildungsprogramm führt die weiblichen Studierenden auf direktem Weg in die Webwerkstätten und weniger in die Tischlereien und Architekturschulen. Der Ansturm der Frauen hat die männlichen Bauhäusler offenbar überfordert. Dass sich Frauen für technische Probleme interessieren und über dreidimensionales Denken verfügen, übersteigt das Vorstellungsvermögen der Lehrkräfte am Bauhaus. Trotz vieler Demütigungen, Selbstzweifel und kritischer Selbstbespiegelung gibt Luise ihren Traum so schnell nicht auf. Sie möchte dazugehören, sucht nach Anerkennung und wirft sich hinein in den Dampfkessel der widersprüchlichen Strömungen und Ideen ihrer Zeit. Alles ist zugleich möglich und denkbar: Freizügigkeit und Dogmatismus, menschliches und reaktionäres Gedankentum, zarte Anflüge von Gleichberechtigung und schlimmster Sexismus. Wie – so fragt sich Luise am Ende ihres Studiums – sollen in einem derartigen Klima widersprüchlicher Haltungen neue Formen möglich sein? Wie kann hier der neue Mensch geprägt durch die neuen Formen, die ihn umgeben, hervorgehen? „Wie soll das möglich sein, wenn diese Formen doch immer nur von den alten Menschen mit all ihren Fehlern und Mängeln geschaffen werden können?“ Eine Frage, die sich im anschließenden Gespräch an die Lesung auch die Salongäste stellen: Die gleichberechtigte, demokratische Gesellschaft – ist nicht auch sie durch die vielen Fehler und Mängel, die von den Rändern und den Widersprüchen in der Mitte der Gesellschaft ausgehen, in akuter Gefahr?

Zwei Frauen, zwei Leben, kontrastreich und lebensvoll: Zsuzsa Bánks neuer großartiger Roman gewährt Einblicke in abendliche Emails und die drängenden Gedanken, die Frau sich in der Mitte des Lebens macht.

Márta ist Schriftstellerin und lebt mit ihrem Mann Simon und drei Kindern in der Großstadt, während ihre langjährige Freundin Johanna, auch Jo genannt, als Lehrerin im Schwarzwald arbeitet und nebenbei an einer Doktorarbeit schreibt. Man sieht sich zu selten, aber abends und nachts teilen sie sich ihre Gedanken, Sorgen und Freuden mit, beschreiben ihren Alltag, ihre Leben und Wünsche. Márta und Jo sind Frau in den sogenannten besten Jahren, mit einigem an Vergangenheit und dem unbedingten Gefühl, mal nachfragen zu müssen: War das schon alles? Leben sie wirklich oder werden sie nur vorangetrieben?

Voller Faszination liest man in diesem Briefroman vom „Knistern in den Lebensjahren“, den Träumen und Hoffnungen zweier moderner Frauen, denen Zsuzsa Bánk ihre unvergleichlich satzversessene Sprache leiht: mäandernde Sätze wechseln mit Halbsätzen und sind prall gefüllt mit bildreichen, wunderschönen Adjektiven wie „nachtversenkt“ und lyrischen Bildern. Doch alle Poesie täuscht nicht hinweg über eine leise Melancholie, die unter allem den Grundton schwingt: eigentlich wollen die beiden nicht über die großen Lebensfragen sprechen – und tun es doch.

Zsuzsa Bánk: Schlafen werden wir später
Fischer   978 3 10 005224 7     24 €

Mehr Informationen und Tickets für die Lesung mit Zsuzsa Bánk am 05. Mai 2017 in den Opelvillen in Rüsselsheim erhalten Sie hier.

 

 

 

©Ulrike Groffy

Vergänglichkeit und Unsterblichkeit bilden den ewigen Widerspruch, der Leben heißt. Ein faustisches Thema, das Thea Dorn in ihrem neuen vergnüglichen wie kenntnisreichen Roman „Die Unglückseligen“ augenzwinkernd zugrunde legt.

Gleich einem literarischen Vexierspiel kommt er daher: ein burlesker Schelmenroman mit stilsicher verzierten Initialen gepaart mit wunderbarer Gelehrsamkeit à la Laurence Sterne. Und zahlreichen Anspielungen auf das Grundthema der Romantik: die gequälte Seele. Doch hier ist die Geschichte frisch erzählt und amüsant: Johanna Mawet ist Humangenetikerin und forscht an Stammzellen in einem renommierten Institut an der amerikanischen Ostküste. Ehrgeizig ist sie, schnell, hochintelligent, ausdauernd und doch ungeduldig (ein Alter ego der Autorin?), denn dass der Mensch nicht älter als 120 Jahr werden kann, ist ihr nicht genug: sie will den Weg ebnen zur Unsterblichkeit. Ausgerechnet beim Einkaufen trifft sie auf Wilhelm Ritter, einen 1776 geborenen Pfarrerssohn, der im 18. Jahrhundert der Aufklärung als Physiker tätig war und 1810 gestorben ist. Er ist es aber nicht, sondern seit 240 Jahren auf der Erde herumgeirrt, getrieben von dem Wunsch, endlich in Frieden ruhen zu dürfen. So willigt er gern ein, dass die junge besessene Wissenschaftlerin seine DNA analysiert, um dem ewigen Leben endlich auf die Sprünge zu kommen. Das geht nicht ohne Misstrauen der Kollegen im Labor, und also machen sich die beiden auf in ihre Heimat nach Deutschland, dem Land der dunklen Romantik.

Thea Dorn kennt sich aus mit Gefühlen und Empfindungen der deutschen Kulturnation, das hat sie bereits in ihrem absolut klugen Buch „Die deutsche Seele“ bewiesen. So ist ihr Roman ein überaus feinsinniges Fortspiel, ein lustvolles Umsetzen der großen Frage nach Leben und Tod, aktuell wie faszinierend – und bisweilen nicht zu erklären, wie schon Goethe merkte: „Die Natur versteht keinen Spaß, sie ist immer wahr, immer ernst, … und die Fehler und Irrtümer sind immer des Menschen.“

 

Thea Dorn spricht in der Galerie Martina Kaiser mit dem Wissenschaftsjournalist Kai Kupferschmidt.

 

www.kaikupferschmidt.de

www.galeriemartinakaiser.de/home.html

 

Es war einer seiner letzten öffentlichen Auftritte vor großem Publikum. Am 19. Mai 2015 war Klaus Harpprecht zu Gast im salonfestival, an dem Ort, der so eng mit der Entstehungsgeschichte der Bundesrepublik verknüpft ist – im Kanzlerbungalow in Bonn. „Es ist eine biedermeierliche Kleinstadt, aber Bonn hat ein bescheidenes Deutschland repräsentiert, das beste Deutschland, das es in der Geschichte gegeben hat“, sagt er in dem Gespräch mit Marko Martin. Hier hat er aufs Engste mit Willy Brandt zusammengearbeitet, hat ihn beraten und seine Reden geschrieben. Nun ist er im Alter von 89 Jahren in seiner Wahlheimat Südfrankreich gestorben. Marko Martin würdigt den „Chronist der Republik, den Liebhaber des Lebens“ in einem sehr persönlichen Nachruf. Zu lesen in seinem Artikel in der Zeitung „Die Welt“ vom 21.09.2016.

https://www.welt.de/kultur/article158290972/Chronist-der-Republik-Liebhaber-des-Lebens.html

Nur keine Zeit verlieren. 30 Minuten sollen reichen. John Wray schlägt als Treffpunkt einen Foodtruck in Manhattan vor, ganz in der Nähe der Wall Street. “Luckyim” steht da drauf, angeboten werden thailändische Gerichte. John Wray entscheidet sich ohne Bedenken für “Red Curry”, die Köchin reicht das Gericht durch die Luke, schnell kann das Gespräch auf einer Bank in der Mittagssonne beginnen, die Wolkenkratzer sind nicht weit.

Es geht um die Zeit. Denn das ist sein Thema in diesem Jahr, “Das Geheimnis der verlorenen Zeit” heißt sein Roman, der im September in deutscher Übersetzung bei Rowohlt erscheinen wird. Am 8. Oktober wird er ihn auch bei uns in einer Altbau-Wohnung in Berlin-Friedenau vorstellen.

John Wray ist 45 Jahre alt und hat die Gabe, auch beim Essen mühelos sprechen zu können. Sein Vater ist Amerikaner, die Mutter stammt aus Österreich, man könnte sich auch auf Deutsch unterhalten, aber Wray entschuldigt sich, dass er die Muttersprache erst wieder trainieren müsse, um auch über Literatur reden zu können. Im Oktober aber werde das bestimmt klappen.

Sein Roman beginnt in der Heimat seiner Mutter, in Wien, Anfang des 20. Jahrhunderts. Es geht um die wilden Zeiten der Wissenschaft, es geht bald auch um die Relativitätstheorie, Albert Einstein und die Krümmung von Raum und Zeit.
Wray gelingt es mühelos, Historisches zu schildern und dabei aktuelle Bezüge entstehen zu lassen. Der Urknall, die aktuellen Experimente von Wissenschaftlern in Schweiz kommen einem beim Lesen in den Sinn, die dunkle Materie, und wie selbstverständlich ist der Roman genau 100 Jahre, nachdem Einstein seine geniale Formel veröffentlichte, erschienen.

Manchmal sind es auch nur Randgeschichten, die aktuelle Bezüge ermöglichen. So schildert Wray, wie Ottokar, der Urgroßvater des Ich-Erzählers, von einem der ersten Automobile überfahren wird, der Sprung zum ersten Toten durch ein selbstfahrendes Auto vor einigen Monaten in den USA ist nicht weit.

Er habe viel gelesen über Geschwindigkeit, Raum und Zeit, erzählt Wray. Und das alles, weil er bei einem Spaziergang zufällig den Hinweis “Lost Time Accident” entdeckte und notierte. Arbeitsunfall, schlägt Google als Übersetzung vor, auch wenn der Zeitaspekt dabei fehlt. Wray wählte die verlorene Zeit (“lost time”) als Leitmotiv über den Toula-Silbermann-Tolliver-Clan und die Reise durch das 20. Jahrhundert mit den Irrungen und Wirrungen, politischen Desastern und genialen Momenten. Manchmal ernst, meistens  originell, immer unterhaltsam, oft auch humorvoll. Die New York Times urteilte, dass der Roman geistreich und genial geschrieben sei. “Eine ungeordnete, chaotische Geschichte über eine ungeordnete, chaotische Zeit.”

In New York scheint das im 21. Jahrhundert immer noch nicht anders zu sein mit der Ordnung und dem Chaos. Schnell sind die 30 Minuten vorbei, das schrille Martinshorn eines Polizeiwagens beendet die Zeitreise. Noch ein Foto, ein flüchtiger Abschied, dann geht`s weiter. Wohin eigentlich? Für die Frage bleibt keine Zeit mehr.

„Lesen ist denken mit fremden Gehirn“ hat Arthur Schopenhauer einmal gesagt, und wenn es  auf ein Buch zutrifft, dann ganz sicher auf das neue Buch von Udo Di Fabio, der sich sehr kluge Gedanken zur Entwicklung unseres westlichen Gesellschaftssystems macht. Sein neues Buch „Schwankender Westen“ ist Anstoß zur Diskussion und zum Nachdenken, Selberdenken. Den „Westen“ definiert Di Fabio als „Faszination eines Lebensstils, in dessen Mittelpunkt der einzelne Mensch steht.“ Wir genießen sozial funktionierende Systeme, kennen  den Fortschrittsglauben und haben entsprechende Verhaltensstrukturen längst akzeptiert. Der Westen steht als Synonym für Freiheit und Menschenwürde, Meinungsfreiheit und Marktwirtschaft. Di Fabio analysiert diese Idee des Westens kritisch und stellt  fest, dass der Westen ins Wanken gekommen ist. Die Gründe dafür sieht der Autor in der Weltwirtschaftskrise von 2008, den Terroranschlägen in der christlich-islamischen Welt und den Kriegsschauplätzen rund um Europa, aber auch in der Wanderbewegung von Süd nach Nord, die wir dieser Tage erleben. Di Fabio konstatiert ein neues verschobenes politisches Gefüge, wozu die rasante Entwicklung in der digitalen Welt und die weltweite Vernetzung beitragen. Die plurale Gesellschaft droht sich zu zerlegen und Parallelgesellschaften zu bilden – sei es aus Protest oder einfach, um eigene Werte zu etablieren. Nicht zu überhören ist Di Fabios Warnung: Wenn Institutionen wie der demokratische Rechtsstaat und die soziale Marktwirtschaft nicht gepflegt und intakt gehalten werden, droht eine Dauerkrise. Di Fabios Mahnungen sind besonnen und Ergebnis exzellenter Überlegungen aus dem Rechtsverständnis heraus: Um in gegenseitiger Achtung rechtssicher zu leben,  braucht es einen neuen Weg, der sich auf Werte besinnt und sich zugleich öffnet – ein überzeugender Denkanstoß!

Meg Wolitzer: Die Interessanten…… Manchmal hat man das Glück, dass ein Roman zum richtigen Zeitpunkt am Bücherhimmel auftaucht und die Figuren – zumindest für die Dauer des Lesens und noch einige Zeit darüber hinaus – zu vertrauteren Weggefährten werden, als die realen Freunde. So habe ich Jules Jacobson in ihren vierzig erzählten Lebensjahren begleitet, mitgelitten an ihrem nagenden Gefühl der Unterlegenheit auf die begabteren, talentierteren Freunde, die das Glück hatten, in Manhattan aufzuwachsen und nicht wie sie in einer öden New Yorker Vorstadt, in der das Leben in seiner Belanglosigkeit auf der Stelle tritt. Mit zu erleben, wie Jules an Freundschaften und Bindungen festhält, obwohl der krankhafte Neid auf das interessantere, kulturell abwechslungsreichere Luxusleben der Freunde sie immer wieder in existentielle Krisen stürzt und sie in solchen Momenten das eigene Leben als noch glanzloser empfindet, macht mir die Herkulesaufgabe dieser Lebensart klar. Aber die Freundschaften halten über zahlreiche Höhen und Tiefen hinweg, über geplatzte Träume, traumhafte Karrieren, finanziellen Erfolg und Misserfolg. Da kann man doch Mut schöpfen und versuchen, die Schönheit dieser langjährigen Freundschaften trotz vieler tragischer Momente in das eigene Leben zu übertragen. Das Betörende an Romanen ist ja, dass man als Außenstehender Einblick in die verborgene Gefühlslage aller Figuren werfen darf, was einem im echten Leben oft verwehrt ist: der Blick in die Seele. Und so plagt man sich herum, wenn Freundschaften zerbrechen, wenn Weggefährten sich abwenden und man ergeht sich in eine Dauerschleife des ewigen Rätselns und Nichtverstehens. Die Romanfiguren zeigen, was in den Herzen und Köpfen vorgeht und all das hilft – zumindest mir – die eigenen kleinen Dramen und existentiellen Krisen und das mitunter schwierige Miteinander besser zu verstehen. Die „Interessanten“ haben mir viele Antworten auf meine persönliche Herkulesaufgabe geliefert, sodass ich jetzt, nach dem Ende der Lektüre, wieder Hoffnung schöpfe, dass verlorene Vertraute doch noch einmal als echte Weggefährten zurückkehren.

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