Beiträge

Drei Hocker, drei Stimmen, drei Instrumente und ungewöhnlich berührende Songs: das sind ‚The Shells’. Am 1. Dezembertag öffnet sich die Tür eines schönen Hauses außerhalb von Hannover: die Bühne ist ein gemütliches Wohnzimmer. Und natürlich ist es rappelvoll, denn was gibt es Schöneres, als den Dezember mit einem Konzert zu beginnen? Schon der Eröffnungssong „Sweet Dreams“ begeistert das Publikum. Verstärker und diverse Instrumente kommen zum Einsatz: Gitarren, eine Rumbarassel, ein Glockenspiel und eine Ukulele, und natürlich die drei Stimmen dieser Frauencombo, die mal aus einer Laune bei einem Küchenplausch entstanden ist. Milla Kay ist Sängerin, Songschreiberin und vielseitig unterwegs. Ihre launig-witzige Moderation lässt rasch gute Stimmung aufkommen, es wird viel gelacht an diesem Abend. Aber am meisten gefällt ihre vielseitige Stimme, die oft von Birgid Jansen begleitet wird, die mit ihrer souligen Stimme dem Ganzen die richtige Würze gibt. Eigentlich ist sie leidenschaftliche E-Bass- Gitarristin, und das merkt man auch. Die dritte der Muscheltruppe ist Sandra Hempel, die in vielen Formationen als Jazz-Gitarristin unterwegs ist und an diesem Abend zeigt, was sie draufhat, nämlich schöne, kraftvolle Gitarrenriffs. Pop, Jazz Soul wechseln sich ab, es gibt viele eigene Songs (Birgid: ‚Something’/Milla ‚Leaving’) zu hören: es sind stimmungsvolle Träumereien und viel mehr. Natürlich begeistern auch die neu arrangierten Klassiker wie ‚Blackbird’ oder ‚To make you feel my love’. Auch ein Song vom Singer und Songwriter Martin Gallop (er war als Musiker zu Gast in einem Salon in Hannover) ist dabei: ‚More than you should know’. Die Musik der Shells ist sanft, mal laut, mal wehmütig und immer ganz nah. Die Köpfe im Publikum wippen und es gibt oft lauten Beifall.
Und am Ende, nach, naja, nach einigen Zugaben, hört man einen echten Hamburger Songs, eigenwillig und schön arrangiert: „In Hamburg sagt man Tschüß“. Das tut man zum Glück in Niedersachen nicht, hier heißt es „Auf Wiedersehen“ – und das wünschen sich alle Gäste auf jeden Fall. Denn die Musik der Shells gibt es bislang ausschließlich live zu erleben, wie das engagierte Gastgeberpaar am Ende betont! Beide freuen sich sehr, diese sympathischen Musikerinnen bei sich daheim zu haben und überreichen eine der schönsten Gaben aus Hannover: Kekse aus Hannovers berühmter Bäckerei!

 

Bis ein Buch in der Welt ist, vergehen oft viele Jahre. In einem selbstinszenierenden Habitus des Literaturkritikers sie dann öffentlich zu zerreißen, ist nicht Thomas Böhms Sache. Er ist die literarische Stimme Berlins, vielfach zu hören in dem Hörfunk-Magazin „Die Literaturagenten“ auf radioeins oder in den Moderationen im großen Sendesaal des rbb, wenn bei ihm die Stars der internationalen Literaturszene zu Gast sind: Orhan Pamuk, Zadie Smith, Paul Auster … Schriftstellerinnen und Schriftstellern aus aller Welt zu begegnen, ihre neuesten Werke auf großer Bühne und einem weitreichendem Publikum live zu präsentierten, mit einfühlsamen Fragen sie zum Erzählen zu bringen, kundige Einblicke in die Romane zu vermitteln, verlangt in erster Linie eines: eine nie versiegende Freude am Lesen, der Respekt vor der schriftstellerischen Leistung und intensive Vorbereitung. Denn auf nichts reagieren die Künstler empfindlicher, als auf halbherzig vorbereitete Gesprächspartner, die die Bücher nicht wirklich kennen, die sie – und seien sie noch so lang wie das jüngste Werk „Kämpfen“ von Karl Ove Knausgård mit seinen stolzen 1280 Seiten – eben doch nicht von der ersten bis zur letzten Seite gelesen haben. In dieser Hinsicht ist Thomas Böhm auf der sicheren Seite, er ist zu Hause in den Büchern, betrachtet sie als gute Freunde, die sein Leben begleiten, die Fragen und Gedanken anstoßen, die ihm ohne Bücher entgangen wären. In seinen Moderationen stellt er ausschließlich Bücher vor, die ihn begeistern, die er aus tiefstem Herzen empfehlen kann und für die er sich viele Leser wünscht.

Als Vermittler in Sachen Literatur ist er nun selbst zu Gast im Salon. In einem schwungvollen Bogen fasst er die Geschichte der großen Romanen des Jahres 2017 zusammen, erzählt von den intensiven Begegnungen mit literarischen Größen und verhehlt nicht, dass man bisweilen ein wenig pokern muss, um die Stars auch tatsächlich zu bekommen. Stets in der Hoffnung und in der Überzeugung, dass Schriftsteller bei ihm in guten Händen sind und dass sie nicht befürchten müssen, in einem belanglosen Gespräch zu versauern. Denn eines ist Thomas Böhm ganz sicher nicht: trocken oder langweilig. Seine Buchpräsentationen selbst sind Zeugnisse höchster Wortkunst, die sogleich den Wunsch entfachen, mit den Werken den Rückzug anzutreten und sich in die Lektüre zu vertiefen, um selbst die Begeisterungsschübe zu erleben, die ihn beim Lesen ereilt haben.

 

… heißt es. Aber stimmt das überhaupt? Als die Kunsthistorikern Charlotte Klonk in ihrem Vortrag über die Macht der Bilder spricht und das Foto von Osama bin Laden präsentiert, der als alter Mann mit grauem Bart, gebeugt mit einer Fernbedienung in der Hand inmitten eines kärglichen Zimmers auf einen Fernseher starrt und Aufnahmen von sich aus besseren Tagen betrachtet, da wird offenkundig, wie unterschiedlich Bilder auf Menschen tatsächlich wirken. Die Professorin der Humboldt Universität in Berlin zeigt in ihrer Studie „Terror. Wenn Bilder zu Waffen werden“, welche Rolle die Bilder des Terrors  spielen und welchen ethischen Umgang wir mit ihnen finden müssen. Die Frage ist nur, wie können wir ethische Richtlinien festlegen oder uns auf einen Moralkodex verständigen, wenn die Rezeption von Bildern so unterschiedlich ist? So war die Wirkung des Fotos, welche das Pentagon nach der Ermordung von Osama bin Laden der Welt präsentierte, bei den Salongästen bei weitem nicht einhellig. Die Einen erkannten die Demütigung des größten Feindes der USA, mit genau dieser Intention. Die Kunsthistorikerin wertete die Veröffentlichung im Nachklang als überflüssige Geste, die nur dazu führte, weitere Ressentiments und Hass zu schüren. Andere kamen zu einer ganz anderen Einschätzung: Das Foto sei eine Vermenschlichung eines gefürchteten Terroristen und würde ihn harmlos in einem häuslichen Zusammenhang zeigen. Negative oder positive Wirkung? Die Salongäste diskutierten kontrovers und sehr engagiert. Es zeigt sich, der Salon ist der passende Ort, in dem der gesellschaftliche Diskurs geführt wird. Respektvoll, meinungsstark und mit großer argumentativer Kraft von engagierten Menschen, die das gesellschaftliche Leben mitgestalten wollen.

 

 

Drei Musiker, stark, präsent, jeder für sich und alle zusammen: großartig! “Perfect Picture” heißt das 4. Album von Jessica Gall und Band und erzählt in seinen Songs Geschichten aus dem Leben, vom Hadern mit sich selbst, von der Liebe, von Bedürfnissen und auch davon, mal alles ein wenig anders zu machen. Oder von Momenten am Morgen („Misty Mornings“), die wir alle nicht mögen. Schnell wird deutlich: Jessica Gall ist nicht mehr nur die „sanfte“ Stimme, sie ist offener und intensiver mit ihren Songs, auch mit ihrem Gesang, geworden.
Charmant und witzig moderiert die Berliner Sängerin dieses besondere Wohnzimmerkonzert, dessen Gäste bereits beim ersten Song erahnen, welch große vielfältige Stimme da erklingt. Gemeinsam mit ihrem Mann Robert Matt am Flügel und Johannes Feige an der Gitarre erobern alle drei im Sturm das Publikum: alle drei virtuos, leidenschaftlich, voll dabei. Lustvolle ausdrucksstarke Einlagen an den Instrumenten: Roberts Spiel am Flügel ist beeindruckend, man spürt seinen Einfluss, gemeinsam mit Jessica komponiert und arrangiert er die Songs; Johannes Gitarrenspiel ist überwältigend, mal im Vordergrund mit schnellen Riffs, dann als leiser Taktgeber, auch als Backgroundsänger immer wunderbar dabei. Jessicas Stimme ist laut, mal leise, mal jazzig, mal soulig, mal hoch und mal tief – je nach Stimmung („Crazy, Impossible“). Lustvolle Jazzeinlagen toben durch das voll besetzte Wohnzimmer. Und es gibt viel Applaus! Ein mitreißendes Konzert, denn jeder gibt hier mal den Ton an. Nach dem zweiten Set und einer gemütlichen Pause mit viel gutem Essen werden Zugaben erklatscht: und tatsächlich stehen die drei strahlend vor den Gästen und singen, ganz unplugged, à cappella: was für ein Ständchen! Als Dreingabe gibt es noch einen Song von Reinhard Mey, selten schön arrangiert und vorgetragen, als einen ‚Gruß aus Berlin’: „Über den Wolken …muss die Freiheit wohl grenzenlos sein…“. Ein stimmungsvoller Abgang, bei dem alle mitgehen. Die Musik hat alle ‚angefasst’ – nicht nur das sichtlich begeisterte und berührte Gastgeberpaar, das sich genau diese Musik und diese wundervollen Musiker für ihren Salon ausgesucht hat.
©Ulrike Groffy

Ein Salon zum Thema „Brexit“ und passend dazu englisches Wetter in Hannover: doch die Gäste wurden belohnt, denn in der Eingangshalle prasselte der Kamin und die herzlichen Gastgeber sorgten für ein besonders „warm welcome“. Die Affinität der Gastgeber zur britischen Insel war allenthalben zu spüren. „Europa nach dem Brexit“ sollte das Thema des Abends sein. […]

In den Räumen der Waage e.V. gab Christian Pfeiffer vor vollem Haus einen
Abend über häusliche Gewalt und ihre Beziehung zu Kindererziehung, zu
Bildung, zu Religion. Durch und durch optimistisch war sein Vortrag, das
hätte ich nicht erwartet, wähnte ich mich als eifriger Zeitungsleser doch
wohlinformiert durch schlimme Meldungen. Aber mein Bild war sichtlich
verzerrt: Die Gewalt habe deutlich abgenommen in Deutschland in den
letzten 20 Jahren, die auf der Straße, die in der Schule, die in den
Familien, etwa um die Hälfte. Dem als Zahlenmann Bekannten purzelten seine
Statistiken nur so aus dem Mund, und doch verlor er sich nicht darin.

Der Schlüssel sei die Kindheit, berichtete er (und belegte es): Wer als
Kind Gewalt erlitten habe, teile sie als Erwachsener selbst aus. Das
Verbot der körperlichen Züchtigung der eigenen Kinder vor etwa 20 Jahren
habe daher den Durchbruch gebracht. Ein Zitterspiel sei es damals gewesen,
die Konservativen im Bundestag zur Zustimmung zu bewegen, schließlich sei
in dortigen Kreisen die Überzeugung nicht so ganz unverbreitet, eine
ordentliche Tracht Prügel habe noch niemandem geschadet. Eine Erkenntnis
aber habe das Umdenken gebracht: Aus einem gezüchtigten Kind wird ein
gewalttätiger Erwachsener, der aber dann nicht nur seine eigenen Kinder
schlägt, sondern auch den greisen Vater, und ihm so dessen eigene Gewalt
Jahrzehnte später zurückzahlt.

Eine liebevolle Kindererziehung ist Gewaltprävention.

Es gibt aber für viele eine zweite Chance: Was man an den eigenen Kindern
gesündigt hat, kann man an den Enkeln zumindest zum Teil wieder gut
machen.

Die Religion sei ein bedauerlicher Gewaltfaktor, mußte der so überzeugte
Protestant eingestehen. “Wer seinen Sohn liebt, der züchtigt ihn.” Das
stehe nicht im Koran, sondern in der Bibel. Aber Feuer und Wasser —
nämlich extremes Christentum und fundamentalistischer Islam — begegnen
einander gerade hier: Je religiöser, desto gewalttätiger, das gelte bei
den Christen und Moslems gleichermaßen. Gerade eben sind viele, viele
“Zuwanderer” zu uns gekommen (“Einwanderer” dürfe man sie ja nicht nennen,
denn schließlich sei Deutschland ja kein Einwanderungsland). Die meisten
zählten zu gewalttätigsten Bevölkerungsschicht: Männer zwischen 14 und 30.
Und viel zu wenige Frauen dabei, die die Gewalt dämpfen könnten.

Familiennachzug ist Gewaltprävention.

Chancen sind Gewaltprävention, die Chance, dazuzugehören zur deutschen
Gesellschaft und dieses Dazugehören durch eigenes Bemühen auch selbst
erreichen zu können.

Aber auch ein verständiges Rückkehrprogramm ist Gewaltprävention, eins,
das diejenigen, die beim besten Willen nicht bleiben können, mit Chancen
und nicht als Versager in ihre Heimatländer zurückschickt. Ein solches
aber kostet Geld, letztlich gut investiertes.

Ein Imam habe ihn eingeladen, in einer Moschee zu sprechen. Er habe
zugesagt unter der Bedingung, daß auch die Frauen dabei wären. So geschah
es. Hinterher hätten sich die Zuhörer die Köpfe heißgeredet, und der Imam
und er hätten sich darüber gefreut: Nur wenn man über die Dinge redet,
kann sich etwas zum Besseren ändern.

Das Wichtigste aber sind die Kinder: Wenn Max und Mehmet im gleichen
Sandkasten spielen und Max den Mehmet und Mehmet den Max zum Geburtstag
einlädt, dann werden sich auch der große Max und der große Mehmet als Teil
einer gemeinsamen deutschen Gesellschaft sehen.

Bildung ist Gewaltprävention.

Ein hoffnungsvoller Optimist berichtete über seine Leidenschaft: Die Welt
besser zu machen, und er konnte erfreulich viele Beispiele nennen. Viel
ist schon erreicht worden. Doch einiges bleibt noch zu tun.

Eine rege Diskussion erst im Plenum und dann bei Wein und Häppchen
vollendete einen höchst ersprießlichen und lehrreichen Abend.

Selten bin ich nach einem Vortrag so frohen Mutes nach Hause gefahren.

Martin Gerdes besuchte diesen Salon und schrieb hier!

Ungewöhnliche Spielorte, die zur Bühne werden, auch das ist die Idee des Salonfestivals! Am vergangenen Samstagnachmittag konnten viele Gäste genau das erleben: die neu eingerichtete Werkstatt Stichnoth in Hannover wurde zu einem Musiksalon. Inmitten der Arbeitstische, wo Schmuck entworfen und bearbeitet wird, luden Gastgeber Jörg Stichnoth und Ulrich Gehrke zur Musik von Julia Toaspern und Begleitung ein. Und bereits die erste Tune, eine schottische Weise, ließ alle Gäste aufhorchen. Julia Toasperns glockenklare Stimme und ihr fingerfertiges Geigenspiel begeisterte sofort! Ihre Songs nehmen die Zuhörer mit auf Reisen, die die Musikerin gern unternimmt – und selbst auch dorthin, wo sie noch nie war.

Einen Hauch vom schottischen Norden der Highlands, ein frischer kühler Wind, aber auch die Atmosphäre von schottischem Bars mit schnellem Geigenspiel wehte durch den Raum.

Julia Toaspern ist ausgebildete Sängerin, stammt aus Potsdam und lebt in Berlin, aber auch bisweilen in Schottland, wo sie zwischen Schafen und rauher Natur Inspiration für ihre Songs bekommt. Davon erzählt sie berührend und witzig und leitet stimmungsvoll ihre eigenen Lieder ein. Begleitet wird sie von zwei jungen Gitarristen: Anton Brandt an der Bassgitarre und Clemens Müller an der Gitarre, die gekonnt und scheinbar leichthin fingerfertig Ihre Gitarren beherrschen. Ein sehr schönes Zusammenspiel aller Instrumente, Julia Toaspern wechselt zwischen Geige und Gitarre, ihr Solo ist beeindruckend. Irish Folk, Jazz und lyrische Weisen: all das ist Julia Toaspern, mit einer funkelnden klaren Stimme. Ein akustisch anmutendes Konzert, lediglich von einer feinen kleinen Technik der exposive medien gruppe unterstützt. Am Ende gibt es langen Applaus und für jeden Musiker eine Kuckucksuhr aus dem Harz – made by Stichnoth. Und wer von den Gästen wollte, konnte eine Führung durch die Werkstatträume miterleben – beschwingt von den groovenden Rhythmen Julia Toasperns: „One step at a time“.

Manchmal staunt man, wenn man das eigene Verhalten vor Augen gestellt bekommt. Immer aber nimmt man etwas mit. Aus der Begegnung mit der Verhaltensbiologin Elisabeth Oberzaucher lässt sich mehr mitnehmen, als man anfänglich vielleicht ahnt.

Bei Ballwanz Immobilien im Frankfurter Westend stellt die Forscherin zunächst drei Stühle mitten in den Raum, die – selbstverständlich – leer bleiben. Man wählt seinen Platz stets mit Bedacht, schaut, wo bin ich geschützt, wo schaffe ich mir ein Territorium. Humorvoll und im Austausch mit dem Publikum reflektiert sie unser Verhalten in der Menge – in U-Bahnen, auf der Straße, auf öffentlichen Plätzen, auf unseren eigenen Freiflächen. Und lässt für den Zuhörer sichtbar werden, wie sehr wir Abgrenzung suchen. Unser Schutzraum ist der eigene Wohnraum. Hier muss man keine (oder selten) Abgrenzung suchen, kann sich also insofern entspannen. Doch ihr Plädoyer: diesen von uns selbst geschaffenen „Individualabstand“ zu verringern. Denn nur Nähe schafft Begegnung, Kommunikation und soziales Leben. Sie stellt fest: der Mensch liebt die kleineren Zusammenhänge, Räume und Raumgrößen, die er gut überblicken kann, Gruppen, die er organisieren kann.

Am Beispiel Wien zeigt Prof. Oberzaucher auf, wie sozialer Wohnungsbau, der dort mitten in den Städten integriert ist, nicht nur die Gemeinschaft bereichert, sondern sogar vielerorts zum Hot Spot des Zusammenlebens avanciert ist. Zwar können wir nicht alle Städte umbauen, aber den Städteplanern Teams zur Seite stellen, die vom Menschen aus denken und dann entwickeln. Das wäre ein Schritt. Schließen Sie einmal die Augen und stellen sich dann vor: Es gäbe keine Zäune und Mauern, nur hügelige und grüne „Niveaus“. Plätze, mit einer angenehmen Bestuhlung, Orte, mit umhegten Grünflächen. Und wir selbst können auch etwas tun, nämlich anfangen Nachbarschaften zu pflegen, uns um den uns umgebenden Raum kümmern. Wir haben es in der Hand! – Es gibt engagierte Initiativen aus Nachbarländern – Elisabeth Oberzaucher erwähnt Gehl Architekten in Dänemark (http://gehlpeople.com/).

Ich selbst war im Sommer in Kanada unterwegs. In allen Städten fanden sich quer über die Stadt verteilt bunte Stühle, auf denen man ruhen, schauen und reden konnte. Sie waren weit mehr als bunte, belebende „Kleckse“ im Stadtbild. Ballwanz Immobilien, die ja selbst gestaltend für eine lebenswerte Wohn- und Lebenswelt arbeiten, haben mit ihrem Salon Bilder in uns entstehen lassen, vielleicht einen Auslöser in uns freigesetzt. Und wieder einmal gezeigt, dass sie hervorragende Gastgeber sind, die ihre „kleine Salongruppe“ umsichtig und liebevoll umsorgen.

Übrigens wurde von der Referentin außerdem festgestellt: der Salon eignet sich bestens, die Trendwende hin zur „Nachbarschaft“ lebendig werden zu lassen – als Gastgeber wie als Gast. Deshalb sagen wir: Feel welcome!

Eine schöne Boutique in der List: die Gastgeberin Helga Bretschneider öffnet bereits zum vierten Mal ihre Türen für ein Salonfestival-Konzert in der Reihe „musik zu Gast“: Weiße Stühle stehen bereit, liebevolle zubereitete Snacks und gekühlter Wein warten auf die Gäste. Schnell wird es voll. Soul, Pop, Swing steht auf dem Programm, die Hannoveraner Band ’Cream Flow’ packt das Publikum bereits beim ersten Song. Agnes Hapsari, bekannt aus dem Musical ‚Kröpcke’, spielt das E-Piano begleitet mit ihrer fantastischen Stimme: soulig, groovig, kraftvoll und sensibel. Pit Schwaar sitzt auf einem Hocker und spielt rasant und lustvoll die Gitarre und amüsiert zwischendurch mit seiner lockeren Moderation.

Bekannte, eigens umarrangierte Popsongs, wechseln mit selbstkomponierten, gefühligen Songs und Stücken. Gegen Ende des Konzertes gibt es auch noch einen Beatles-Song: Bei „Hey Jude“ stehen alle Gäste auf und singen mit.

Lennart Schmidt am Schlagzeug sorgt während des Konzerts für den Rhythmus: überzeugend und gekonnt! Sein exzellentes Solo bekommt Extra-Applaus, genauso wie auch das von Pit Schwaar und Agnes Hapsari.

„Hooked on you“ – das ist ‚Cream Flow’. Total begeisterte Gäste und eine strahlende Gastgeberin geben lange Applaus!

Ein gemütliches Wohnzimmer, viele Stühle und Hocker, bunt gewürfelt, stehen bereit. Und: die Haustür steht offen. Wieder ein ganz persönlicher Salon mit einem tollen Musiker, den es aus Kanada über Oldenburg nach Berlin gezogen hat: Martin Gallop ist Singer und Songwriter, und er bringt ungewöhnliche Instrumente mit. Ein kleines Klavier für die Kniee, einen Gartenschlauch, der kunstvoll gebogen direkt an einen Grammophontrichter angeschlossen ist und natürlich seine Gitarre nebst vieler Utensilien – jede Menge Kabel kringeln sich zu seinen Füßen. Launig und mit hintergründigem Humor begrüßt er die gespannten Gäste, die zahlreich gekommen sind: Die beste Therapie für ihn sei es, vor einem Publikum zu sitzen, das ihm zuhört! Martin Gallop erzählt von sich, aus seinem Leben als Musiker, wie er seine Songs schreibt. Von verpassten Zügen ist da in einem Song die Rede, oder von der Liebe, von vergossenen Tränen. Augenzwinkernd, mit einer schönen Sprechstimme, die mühelos auch seine folkigen Songs wunderbar vorträgt, begeistert Martin Gallop sein Publikum. Und das singt prompt mit, es ist gar nicht schwer: Lalala…Der Gartenschlauch verfremdet die Stimme ins “Trompetige”, wunderbare, gezogene, tragende Töne entstehen da.

Auch von Weihnachtsliedern ist die Rede, aber am Ende gibt es noch ein Schlaflied für alle und die Gastgeberin sagt nur: „Entzückend“. Entzückt sind alle von diesem ungewöhnlichen Musiker, der auch ein Romantiker ist. Vor allem aber: ein wunderbarer Solokünstler!