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Ein Spätsommerabend, eine gemütliche Wohnung direkt am und hoch über dem Kanal bieten den Auftakt für die zweite Spielzeit des “salonfestivals” in Hannover in diesem Jahr. Klassik steht auf dem Programm: “Suite&Sonate” haben der Cellist Oliver Mascarenhas und der Pianist Hai´ou Zhang ihr anspruchsvolles Abendprogramm überschrieben. Konzentriert eröffnet Oliver Mascarenhas mit Johann Sebastian Bach, mit dem Präludium aus der Suite Nr.4 für Cello solo in Es-Dur. Kraftvoll streicht er den Bogen auf seinem Cello von Gaffino Castagneri aus dem 18. Jhdt. Kadenzen, aufgelöste Dreiklänge, Thriller – ein Höhepunkt der Cellomusik. Wie modern Bach anmutet, wird bei diesem Stück sehr deutlich.

Ein gezupfter Auftakt markiert die Sonate Cello solo des ungarischen Komponisten Györgi Ligeti – ein schwieriges Stück, das Oliver Mascarenhas souverän meistert. Der sonore Klang des Cellos unterstreicht den elegischen Unterton; Doppeltönigkeit und viele Sprünge (Mascarenhas fegt durch die Läufe) zeigen die vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten dieses wunderbaren Streichinstruments.

Besonders beeindrucken die wunderbar gespielten Glissandi bei diesem Stück. Erst Beethoven habe das Cello ins rechte Licht gerückt, erläutert der Cellist, was die beiden Musiker dann auch mit Ludwig van  Beethovens Sonate in A-Dur für Cello und Klavier schwungvoll im perfekten Zusammenspiel zeigen . Die erzählenden Passagen des Cellos werden wunderbar vom Spiel Zhangs aufgenommen und entwickelt. Der zweite Satz ist ungewöhnlicherweise schnell, leichthin rasant – tänzerisch gleiten Zhangs Finger über die Tasten. Hausmusik pur – Gäste und Gastgeberin sind begeistert, es gibt viel Applaus (sogar zwischen den Sätzen!).

Damit das leibliche Wohl nicht zu kurz kommt, ist eine Pause indispensabel. Auch wenn der Herbst mit kühlem Hauch schon zu ahnen ist: Der Blick über die Stadt auf der einen und über den Kanal auf der anderen Seite ist hinreißend. Gelegentlich hört man das Tuckern eines Binnenschiffes.

Die zweite Konzerthälfte eröffnet Hai´ou Zhang mit einer französischen Komposition: “En avril à Paris” von Charles Trenet in einer Bearbeitung des bulgarischen Komponisten und Pianisten Alexis Weissenberg, dessen tragische Lebensgeschichte Hai´ou Zhang kurz skizziert. Gern würde man mehr von diesem Komponisten hören. Er hat viele Jahre in Paris gelebt und gearbeitet. Es folgen drei Fantasiestücke für Cello und Klavier von Robert Schumann,
die wie Lieder klingen, was auch an der Phrasierung liegt. “Rasch mit Feuer” ist der dritte Satz überschrieben – kein Problem für die perfekte Technik der beiden Musiker, deren musikalische Empathie absolut überzeugt. Die “Pflichtzugabe” (so Mascarenhas) stehe nicht auf dem Programmzettel: die beiden letzten Variationen von Tschaikowsky über ein Rokokko-Thema.

Geheimnisvoll hatten die Musiker noch eine Überraschung versprochen, und diese erscheint nun in Form der zierlichen Koreanerin Eunseon Jang von der NDR-Radiophilharmonie, die ihren ungeheuren Kontrabaß ins Zimmer schleppt. Das nunmehrige Trio spielt dann zum Abschluß Fantasien über Themen von Rossini des weniger bekannten italienischen Komponisten Bottesini. Der war ein musikalisches Multitalent, aber in erster Linie Kontrabassist. Logisch, daß einem solchen Komponisten ein möglichst farbiger Part für den Kontrabass am Herzen liegt. Salonfestival: Immer wieder anders, immer wieder inspirierend.

erstellt zusammen mit Martin Gerdes, Gast!

 

 

Ungewöhnliche Spielorte, die zur Bühne werden, auch das ist die Idee des Salonfestivals! Am vergangenen Samstagnachmittag konnten viele Gäste genau das erleben: die neu eingerichtete Werkstatt Stichnoth in Hannover wurde zu einem Musiksalon. Inmitten der Arbeitstische, wo Schmuck entworfen und bearbeitet wird, luden Gastgeber Jörg Stichnoth und Ulrich Gehrke zur Musik von Julia Toaspern und Begleitung ein. Und bereits die erste Tune, eine schottische Weise, ließ alle Gäste aufhorchen. Julia Toasperns glockenklare Stimme und ihr fingerfertiges Geigenspiel begeisterte sofort! Ihre Songs nehmen die Zuhörer mit auf Reisen, die die Musikerin gern unternimmt – und selbst auch dorthin, wo sie noch nie war.

Einen Hauch vom schottischen Norden der Highlands, ein frischer kühler Wind, aber auch die Atmosphäre von schottischem Bars mit schnellem Geigenspiel wehte durch den Raum.

Julia Toaspern ist ausgebildete Sängerin, stammt aus Potsdam und lebt in Berlin, aber auch bisweilen in Schottland, wo sie zwischen Schafen und rauher Natur Inspiration für ihre Songs bekommt. Davon erzählt sie berührend und witzig und leitet stimmungsvoll ihre eigenen Lieder ein. Begleitet wird sie von zwei jungen Gitarristen: Anton Brandt an der Bassgitarre und Clemens Müller an der Gitarre, die gekonnt und scheinbar leichthin fingerfertig Ihre Gitarren beherrschen. Ein sehr schönes Zusammenspiel aller Instrumente, Julia Toaspern wechselt zwischen Geige und Gitarre, ihr Solo ist beeindruckend. Irish Folk, Jazz und lyrische Weisen: all das ist Julia Toaspern, mit einer funkelnden klaren Stimme. Ein akustisch anmutendes Konzert, lediglich von einer feinen kleinen Technik der exposive medien gruppe unterstützt. Am Ende gibt es langen Applaus und für jeden Musiker eine Kuckucksuhr aus dem Harz – made by Stichnoth. Und wer von den Gästen wollte, konnte eine Führung durch die Werkstatträume miterleben – beschwingt von den groovenden Rhythmen Julia Toasperns: „One step at a time“.

Eine schöne Boutique in der List: die Gastgeberin Helga Bretschneider öffnet bereits zum vierten Mal ihre Türen für ein Salonfestival-Konzert in der Reihe „musik zu Gast“: Weiße Stühle stehen bereit, liebevolle zubereitete Snacks und gekühlter Wein warten auf die Gäste. Schnell wird es voll. Soul, Pop, Swing steht auf dem Programm, die Hannoveraner Band ’Cream Flow’ packt das Publikum bereits beim ersten Song. Agnes Hapsari, bekannt aus dem Musical ‚Kröpcke’, spielt das E-Piano begleitet mit ihrer fantastischen Stimme: soulig, groovig, kraftvoll und sensibel. Pit Schwaar sitzt auf einem Hocker und spielt rasant und lustvoll die Gitarre und amüsiert zwischendurch mit seiner lockeren Moderation.

Bekannte, eigens umarrangierte Popsongs, wechseln mit selbstkomponierten, gefühligen Songs und Stücken. Gegen Ende des Konzertes gibt es auch noch einen Beatles-Song: Bei „Hey Jude“ stehen alle Gäste auf und singen mit.

Lennart Schmidt am Schlagzeug sorgt während des Konzerts für den Rhythmus: überzeugend und gekonnt! Sein exzellentes Solo bekommt Extra-Applaus, genauso wie auch das von Pit Schwaar und Agnes Hapsari.

„Hooked on you“ – das ist ‚Cream Flow’. Total begeisterte Gäste und eine strahlende Gastgeberin geben lange Applaus!

Ein gemütliches Wohnzimmer, viele Stühle und Hocker, bunt gewürfelt, stehen bereit. Und: die Haustür steht offen. Wieder ein ganz persönlicher Salon mit einem tollen Musiker, den es aus Kanada über Oldenburg nach Berlin gezogen hat: Martin Gallop ist Singer und Songwriter, und er bringt ungewöhnliche Instrumente mit. Ein kleines Klavier für die Kniee, einen Gartenschlauch, der kunstvoll gebogen direkt an einen Grammophontrichter angeschlossen ist und natürlich seine Gitarre nebst vieler Utensilien – jede Menge Kabel kringeln sich zu seinen Füßen. Launig und mit hintergründigem Humor begrüßt er die gespannten Gäste, die zahlreich gekommen sind: Die beste Therapie für ihn sei es, vor einem Publikum zu sitzen, das ihm zuhört! Martin Gallop erzählt von sich, aus seinem Leben als Musiker, wie er seine Songs schreibt. Von verpassten Zügen ist da in einem Song die Rede, oder von der Liebe, von vergossenen Tränen. Augenzwinkernd, mit einer schönen Sprechstimme, die mühelos auch seine folkigen Songs wunderbar vorträgt, begeistert Martin Gallop sein Publikum. Und das singt prompt mit, es ist gar nicht schwer: Lalala…Der Gartenschlauch verfremdet die Stimme ins “Trompetige”, wunderbare, gezogene, tragende Töne entstehen da.

Auch von Weihnachtsliedern ist die Rede, aber am Ende gibt es noch ein Schlaflied für alle und die Gastgeberin sagt nur: „Entzückend“. Entzückt sind alle von diesem ungewöhnlichen Musiker, der auch ein Romantiker ist. Vor allem aber: ein wunderbarer Solokünstler!

Der Auftakt der „klugen köpfe“ in Hannover: ein gemütliches Wohnzimmer mit vielen Büchern und noch mehr Stühlen, denn es war voll. Freunde der Gastgeber mischten sich mit Nachbarn und Gästen, die das „salonfestival“ kennenlernen wollten. Alle waren gekommen, um Professsor Hübls Ausführungen zu den ethischen Grundlagen entscheidender Fragestellungen zu hören: „Was wäre, wenn…“ ist in der Philosophie ein bekanntes Gedankenspiel. Philipp Hübl zog seine Zuhörer mit seiner frei vorgetragenen Rede gleich in den Bann, und die vielen Beispiele, die er vorführte, zeigten klar, worauf es bei diesen – auch moralischen – Überlegungen ankommt: nicht immer dem ersten Impuls folgen und eine Entscheidung fällen, sondern alle Konsequenzen weiterdenken und mögliche weitere Aspekte mit einbeziehen. Das das gar nicht so leicht ist, zeigte die lebhafte Diskussion im Anschluss an den Vortrag. Und all die Gespräche, die noch lange in Wohnzimmer und Flur beim Wein weiter geführt wurden. Gedankenspiele sind äußerst anregend, wie einige Gäste meinten, und zugleich anstrengend. Aber die direkte Begegnung mit Philosophie hat gutgetan, das fanden alle! Ein langer, intensiver Abend, der allen zu denken gab!