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Ein besonderer Literatursalon in Hannover: Bereits zum dritten Mal öffnet die LUMAS Galerie ihre Türen für das „salonfestival“. Der Blick schweift sofort: Großformatige, stimmungsvolle Bilder mit Blick auf geheimnisvolle Orte geben hier den atmosphärischen Rahmen, denn R.L. Stevensons „Schatzinsel“ steht auf dem Programm. Ein Abenteuerroman, 1883 auf Englisch, 1887 erstmals auf Deutsch erschienen. Erdacht und aufgeschrieben in den regnerischen schottischen Highlands, mit einer Schatzkarte fing alles an. Ein Weltklassiker, der seine Leser im Sturm eroberte, denn erzählt wird vom Abenteuer auf dem Meer, von fernen Welten, von einer spannenden Schatzsuche und dem Kampf um das Überleben. Der renommierte Übersetzer, Essayist und Autor Andreas Nohl hat sich bereits einiger Klassiker angenommen und sie behutsam und kundig neu übersetzt: R. Kipling, R.L. Stevenson und Mark Twain – schön gestaltete Bände, die Lust auf das Lesen machen. Eine Wiederbelebung der Weltklassiker, die lange Zeit als Jugendliteratur eingestuft wurden, wie Nohl erläutert. Und natürlich dürfen ausführliche Anmerkungen und ein anspruchsvolles Nachwort nicht fehlen, die manchen Einblick in die Problematik des Übersetzens geben und dem neugierigen Leser vieles erhellend vermitteln.

Für die „Schatzinsel“ gibt es viele Lesarten, Stevensons Meisterwerk hat nichts von seinem Zauber eingebüßt, das merkt bereits auf den ersten Seiten von Nohls einfühlsamer Art, sich werkgetreu und doch modern diesem Roman zu nähern. Jede Übersetzung hat ihre Zeit, erläutert Nohl – immerhin gibt es allein ins Deutsche zahllos Bearbeitungen, Übertragungen, mal kindgerecht, mal freier übersetzt, und natürlich auch viele Verfilmungen und Hörspielbearbeitungen. Sprache ist stets im Wandel, daher, so Nohl, wolle er stets so nah am Original bleiben wie möglich und natürlich gleichermaßen lesbar. Die FAZ wählte denn seine Übersetzung der „Schatzinsel“ 2013 zu den eindrucksvollsten literarischen Leistungen.

Vor einem sehr interessierten Publikum liest Andreas Nohl äußerst unterhaltsam aus dem ersten Kapitel des Romans und erzählt anekdotenreich vom Leben R.L. Stevensons. Stevenson hat sich von einem sehr stilbewussten Reiseschriftsteller hin zu einem Autor entwickelt, der für alle Leser gleichermaßen schreiben wollte, für Kinder und Erwachsene, und hat deshalb das Genre der „romance“ gewählt.

„Die Schatzinsel“ ist ein Weltklassiker der frühen Moderne, „ein tolles Stück Weltliteratur“, wie Nohl begeistert sagt, ein Buch für jeden Leser und jede Leserin, das an sich schon ein Schatz ist. Die Spannung liegt nicht nur in der bloßen Geschichte, im üppigen, stilistisch ziselierten Erzählen, sondern in den oft zwiespältig angelegten Figuren, die sich nicht eindeutig festlegen lassen. Auch geht es geht um mehr als Geldgier, es geht um Freiheit, Glück und Individualität. Oder, wie Nohl es aus seinem glänzenden Nachwort zitiert:“ Es geht um das nackte Überleben.“ Also ganz moderne Themen. Und um den „besseren Ort“, zu dem R.L. Stevenson die Welt mit seiner Literatur machen wollte.

Ulrike Groffy

 

 

Der Konzertauftakt für 2019 im „salonfestival“ in Hannover ist ein besonderer Abend für Liebhaber der Klaviermusik: auf dem Programm stehen die Namen Beethoven, Ravel und Liszt mit anspruchsvollen Stücken.
Die georgische Pianistin Lika Bibileishvili hat sich früh schon ins Klavier verliebt, spielte bereits mit zwölf Jahren das erste Klavierkonzert von Rachmaninow und hat bis zu ihrem mit Auszeichnung bestandenen Studienabschluss 2015 viele Meisterkurse besucht und internationale Wettbewerbe gewonnen. Beim Label FARAO ist ihre erste CD mit Werken von Prokofjew, Bartok, Ravel und Sibelius erschienen, brillant eingespielt mit unverwechselbarem pianistischem Selbstbewusstsein.
Dieser Klavierabend in einem voll besetzten Wohnzimmer beginnt mit einer herzlichen wie charmanten Begrüßung durch das Gastgeberpaar, der Steinway Flügel steht bereit, daneben und überall viele Klappstühle. In der Küche wartet ein üppiges Büffet.
Lika Bibileishvili will mit ihrem Spiel die Herzen ihrer Zuhörer berühren, wie sie sagt, und das gelingt ihr bereits mit den ersten Tönen: Beethovens Sonate No. 28 op. 101 in A-Dur eröffnet diesen Hausmusik-Abend, den die Pianistin sanft und zugleich energisch angeht. Mit ihrer klar gesetzten Akzentuierung und dem akribischen Herausarbeiten der Motive überzeugt sie rasch ihr Publikum. Es folgt ein extrem schwieriges Stück, Maurice Ravels vielleicht bedeutendstes Werk, ein Klaviertryptichon: „Gaspard de la Nuit“. Den ersten Teil, „Ondine“ überschrieben, spielt Lika Bibileishvili wunderschön, zart-träumerisch. Man hört das perlend sprudelnde Wasser, im Kopf entstehen sofort Bilder dieser Wassernixe. Auch „Le Gibet“ atmet viel Atmosphäre, in Moll, langsam, ruhig und bewusst interpretiert die Pianistin dieses unheimliche Thema, dessen mahnender Ton „b“ als stetiger Glockenschlag an die Endlichkeit des Lebens mahnt. Lika Bibileishvili gelingt ein virtuoses, klares Spiel in diesem irgendwie zerfallenden Stück. Auch im dritten Teil „Scarbo“, das dunkel und sehr schnell daherkommt und man den listigen Kobold durch die Reihen toben hört- wunderbar. Konzentriert beendet Lika den Abend mit Franz Liszt Sonate in h-moll – ein technisch sehr anspuchsvolles Werk mit komplizierten Fingersätzen, dessen drei Teile direkt ineinander spielen. Ein Stück, das viel Kraft, ungeheure Konzentration und Fingerfertigkeit erfordert – und Lika Bibileishvili großartig meistert. Nach langem intensiven Applaus kommt die Zugabe aus Georgien, die kraftvolle Ronto-Toccata des georgischen Komponisten Revaz Lagidze. Ein unvergesslicher Abend!
Und der Gastgeber zitiert noch einmal treffend Julian Barnes:“ Kunst ist das Flüstern der Geschichte, das durch den Lärm der Zeit zu hören ist.“

©Ulrike Groffy

 

„das salonfestival“ ist immer für eine Überraschung gut, in jeder Hinsicht.
Es erwartet den Besucher ein besonderer Ort, ein besonderer Künstler oder ein sehr besonderes Gastgeberehepaar. Im besten Falle treten alle drei Dinge gemeinsam auf – so geschehen zum Auftaktkonzert der Festivalreihe am 19. Januar in Hannover.
Man fährt weit hinaus nach Hannover-Anderten und findet sich in einem Haus mit äußerst sensiblen und musikalischen Gastgebern wieder. Ein heller freundlicher Raum empfängt den staunenden Gast, magnetisch zieht den Blick ein gepflegter Steinway D Flügel an, eine Begegnung, die der Hoffnung auf einen erfüllten Klavierabend gründlich Raum verleiht. Wir werden nicht enttäuscht. Ein erfreulich neugieriges Publikum findet sich zahlreich ein und trägt begeistert zu der aufs feinste ausbalancierten Atmosphäre bei. Die einfühlsamen, einführenden Worte des Gastgebers lockern den blauen Moment vor dem Konzert auf, die Pianistin erscheint in Rot.
Die richtige Farbe für Beethoven, Ravel, und Liszt mit deren Musik Lika Bibileishvili in der Folge das Publikum in ihren Bann zieht. Gekonnt spannt sie den Bogen und führt ihre Zuhörer durch ein, an Extremen überreiches Gefühlschaos. Hochvirtuos beschließt sie den spannenden und reichhaltigen Abend mit Franz Liszt, h-Moll Sonate. Ein perfektes Feuerwerk.
Mehr geht nicht.

© Andreas Liebrandt

 

Egal ob Rock, Pop, Jazz oder HipHop: bei der Hannoverschen Band (gegründet 2015) Emerson Prime kommen viele Elemente aus den unterschiedlichsten Musikrichtungen zusammen, und das ist gut so. Denn diese fünf leidenschaftlichen Musiker kommen aus verschiedensten Stilrichtungen, allen gemeinsam ist die Lust am Musizieren und Liveauftritten. Sie spielen zum ersten Mal im „salonfestival“, und das an einem ungewöhnlichen Ort: ein Autosalon, schön hergerichtet mit Bänken und Stehtischen und atmosphärischer Beleuchtung – viele Gäste gehen schon nach dem ersten Song voll mit. Erika Emerson ist die Frontfrau der Band, sie textet und komponiert und zieht mit ihrer ausdrucksstarken souligen Stimme alle sofort in den Bann: sie singt, tanzt und interagiert mit ihren Prime-Kollegen. „Wonderseed“ heißt ihre erste CD, die zweite ist in Arbeit, so kommen auch unveröffentlichte Songs zu Gehör. „Heyo“ ist natürlich der absolute Hit, alle Gäste wippen mit ebenso wie „Walking down“. Tobias Lammers an den Drums gibt den starken Rhythmus, während Markus Ottenberg an der Gitarre tolle Riffs (und Soli!) spielt, z.B. im Song „One more night“. Erika kann Rock, aber auch sanfte Lyrics („Written im my Eyes“), ihre Texte drehen sich um alles, was einem so im Leben so passieren kann, besonders in der Liebe. Simon Lorenz (ein Metal-Fan) gibt mit seinem Basslines den vollen Sound und Joschka Merhof (der aus der Klassik kommt) am Keybord sorgt für besonders harmonische Klänge und unterstützt gelegentlich als backing vocal. Erika Emerson wuchs bilingual auf, alle Songs sind auf Englisch. Es gibt kaum Cover, dafür viel Eigenes, Besonderes. Nach zwei prallvollen mitreißenden Sets gibt es begeisterten Applaus – auch für die Technik, die wieder einmal von der exposive medien gruppe bereitgestellt wurde. Emerson Prime will die Festivals stürmen – nach diesem Abend steht fest, dass sie auch „das salonfestival“ gestürmt haben. Eine absolut geerdete Band mit viel britischer Popmanier, die viel Lust auf mehr macht! Die begeisterte Gastgeberin verteilt am Ende weiße Rosen!

 

Viele Gäste in einem großzügigen Wohnzimmer erwarten diesen besonderen Klavierabend:
Auf dem Programm stehen Sonaten von Scarlatti, Bachs ‚Französische Ouvertüre’ in h-moll sowie im zweiten Teil Schuberts Sonate in B-Dur D.960. Pianistin Serra Tavsanli hat in Istanbul, Hannover und Leipzig studiert, wo sie auch ihr Konzertexamen mit Auszeichnung abschloss. Zahlreiche Auftritte hat sie bereits erlebt, auf Festspielen gespielt und solistisch ihr Publikum begeistert. Zu diesem Hauskonzert hat sie den Hannoveraner Jazzsaxophonisten Lars Störmer fürs Vorlesen mitgebracht: er eröffnet den Abend mit einem Zitat aus den „Selbstbetrachtungen“ Marc Aurels. Weich und schön, behutsam und doch stark spielt Serra Tavsanli die erste Sonate von Scarlatti und überzeugt rasch ihr Publikum.
Perfekt sitzen die schnellen Läufe, komplizierte Fingersätze – mit behänder Leichtigkeit spielt die Pianistin diese Sonaten, die eigentlich für das Cembalo komponiert waren. Und das kann man hören, sogar auf einem Steinway. Großartig entwickelt sie die Motive von Scarlattis Sonaten, die sehr modern klingen, irgendwie ihrer Zeit voraus.
Serra Tavsanli spielt gern und immer wieder den ganz großen Komponisten: Bach – seine „Französische Ouvertüre“ ist in einer besonderen Tonart gesetzt: h-moll. Ein komplexes Stück, dass in einem guten Tempo vorgetragen, nein, erzählt wird. Im ersten Teil dunkel, gedehnt, im zweiten Teil voll und intensiv, einer Fuge gleich. Übrigens eine beliebte musikalische Form im Barock. Hierzu ist der vorgetragene Text der französischen Autorin Delphine de Vigan gut gewählt, es geht um das Vorspielen, das Verändern, das Erzählen.
Schuberts B-Dur Sonate D.0960 stammt aus dem Jahr 1828 und ist eine der letzten Sonanten dieses großartigen Komponisten, in drei Sätzen (molto moderato, andante sostenuto und allegro ma no troppo) lässt Serra Tavsanli eine ganze Welt entstehen: auch hier macht Lars Störmer mit einem kurzen Zitat des syrischen Schriftstellers Kahlil Gibran die Eröffnung, die Einstimmung. Perlend, dramatisch, energisch und mit viel Pedal gelingt der Pianistin auch in diesem anspruchsvollen Stück, das Thema sauber herauszuarbeiten. Nach einem ruhigen klaren Satz, mit großer Empathie gespielt, findet dieser besondere Klavierabend auch im rasant-furiosen dritten Satz noch nicht sein Ende: ein Händelstück in einer Bearbeitung von Wilhelm Kempff folgt und – natürlich – ein wunderbarer Bach-Choral: „Ich rufe zu dir, Herr“. Ob Scarlatti und Bach einander gekannt haben, ist unsicher. Sicher ist: alle Gäste haben an diesem Abend eine exzellente Pianistin kennengelernt. Es gibt Blumen vom begeisterten Gastgeberpaar und sehr viel Applaus.

 

Nachdem wir im vergangenen Jahr erstmals Gastgeber im Rahmen des salonfestivals waren und einen tollen musikalischen, kulinarischen und geselligen Abend mit den Musikern Christian Elin und Jakob Rattinger erleben durften, hatten wir uns nach kurzem Durchatmen entschlossen, zu ‚Wiederholungstätern‘ zu werden. Aber es sollte keine echte Wiederholung, sondern beim zweiten Mal alles anders sein. Also erstmal andere Musikrichtung: Ein Klangteppich aus Jazz, HipHop und Elektro – das Roman Schuler extended Trio aus Hamburg. Das ganze war ein ‚Mitreissender Sound im Wohnzimmer‘ und ist unter gleichnamigem Blog empathisch geschildert, weshalb wir auf eigene Worte verzichten – der anhaltende Beifall sprach Bände. Da das ‚LoveItHealthy‘-Catering samt der Chefin als ‚Mundschenk‘ leider nicht mehr angeboten wird, entschieden wir uns für ein anderes Konzept: Peruanisches Fingerfood aus Eva’s Kitchen und Getränke-Selfservice aus dem Gastro-Kühlschrank fanden großen Anklang bei den Gästen und führten zu reichlich geselligem Austausch. Außerdem hatten wir die Bestuhlung zugunsten von Stehtischen und -plätzen diesmal eingeschränkt, sodass die Gäste nicht nur die lyrische Kraft des Pianos mit den Ohren genießen, sondern auch die Lebendigkeit des Groove-Sounds in eigene Bewegung umsetzen konnten. Die Musiker Alex Klauck (Schlagzeug), Konrad Herbolzheimer (E-Bass) und Roman Schuler (Tasten, Tasten, Tasten) mögen ob der Nähe zum Publikum etwas überrascht gewesen sein, ließen sich aber bereitwillig zu ihren Instrumenten befragen und waren auch in der Pause und nach dem Konzert Teil des geselligen Beisammenseins – auch dafür gilt unser Dank an sie, dieser verkörpert in einem Sixpack ‚Hannöversch‘ statt edlem Wein wie im letzten Jahr. Beim zweiten Mal war also alles anders. Wirklich alles? Nein! Denn aus einem (unbeugsamen) Winkel der Terrasse machte sich nach dem Konzert wie im letzten Jahr der Duft von gegrillten Salsiccia Mantovana (aus römischer Produktion) breit, die sofort reißenden Absatz bei Gästen und Musikern fanden. Beim zweiten Mal war also nur fast alles anders – aber ebenso schön. Unser Dank gilt Musikern und Gästen gleichermaßen und natürlich Ulrike Groffy und dem salonfestival für die Organisation. Und im nächsten Jahr ist dann ja vielleicht wieder fast alles anders… .

erstellt von Wolfgang Hoffmann, Gastgeber

 

Ein beinah leer geräumtes Wohnzimmer, einige Stühle stehen bereit, verstreut sind Stehtische aufgestellt. Vier Buchstaben, drei Musiker und ein Sound: das ist das ‚Roman Schuler Extended Trio’. Das Trio hat aufgebaut, neben der Bassgitarre und einem funkelndes Schlagzeug sieht man drei Manuale, etliche Pedale und natürlich noch mehr Kabel. Ein Moog ist auch dabei, wunderschön anzusehen wegen seiner seitlichen Holzverkleidung: ein Retrostück, das an die 60er Jahre denken lässt. Mit dem Stück „Life ist a wave“ startet dieser gut besuchte Musiksalon: Keybord, Schlagzeug und Basslines grooven rasch das Publikum.
Roman Schuler ist ein Sounderfinder, ein Soundmeister, der Elemente des Jazz, HipHop und der Elektronik neu zu einem ganz eigenen Stil mixt, ein begnadeter Pianist, der u.a. bereits den „futuresounds Jazzpreis 2012“ gewonnen hat. Roman Schuler stammt aus Karlsruhe und lebt heute in Hamburg. Er spielt im eigenen Trio mit Konrad Herbolzheimer am E-Bass zusammen, und am Schlagzeug sitzt Alex Klauck (mit Kopfhörern) und sorgt für ungewöhnlich rasante Rhythmen. Ein Wunder, wie er es schafft, sein Spiel diesem Wohnzimmer anzupassen, denn eigentlich ginge da natürlich noch viel mehr Sound!
Roman Schuler moderiert charmant diesen Musikabend, er verarbeite Eindrücke und Gefühle in seiner Musik, so auch in einem neuen Stück (eine neue CD gibt es Anfang 2019!), das eine Hommage an eine große Stadt ist: New York, Polizeisirenen, Großstadtgeräusche werden musikalisch nachempfunden – man geht durch Manhattan. Besonders lyrisch „Be good“ und „Wisehite“, und noch mehr feeling gibt es bei dem Stück „Searching for Home“ – gekonnt wechselt Roman Schuler zwischen den Manualen und tippt auch mal auf dem Laptop herum – unglaubliche Konzentration erfordert dieses Spiel mit schnellen Rhythmen und wechselnden Melodien und Motiven. Alles Gefühl! Alex Klauck ist ganz im Schlagzeugen versunken, großartig! Sein Solo bekommt viel Applaus, und ebenso Konrad Herbolzheimer, der den so gekonnt lässig E-Bass spielt, als wäre das alles so einfach. Das Trio harmoniert.
„You’re doing right“ kann man da diesen leidenschaftlichen Musiker mit ihrem eigenen Stück nur zurufen – nach begeistertem Applaus, einer Zugabe und zwei langen Sets geht dieser Musikabend noch nicht zu Ende: Die Gastgeber laden noch zur italienischen Grillwurst, und Wein sei auch noch da. Das Trio bekommt von den Gastgebern ein Sixpack Hannoversches Bier mit auf den Weg. Ein soundvoller Abend mit vielen Leckereien!

 

Still in the Woods – das ist Indie-Jazz. Und doch viel mehr! Bass, Drums, Keybord und eine sagenhafte Stimme mit viel Groove und intensiven Texten: das sind Anna Hauss, Robert Wienröder, Raphael Seidel und Jakob Hegener. Vier junge leidenschaftliche Musiker, die sich 2014 in Berlin, Leipzig und Dresden gefunden haben und seither als Band auftreten. Und perfekt harmonieren! In Hannover stellen sie ihr Album ’Rootless’ im Techniklager der exposive medien gruppe vor: auf einer technisch perfekten Bühne – seitlich stehen die Mischpulte, die natürlich vom exposive Team bedient werden – inmitten der hohen Regale mit Cases und Boxen, wozu Anna den rhythmischen Song ‚Little Boxes’ präsentiert, als wäre er eigens für diesen Abend geschrieben. Ihre Stimme ist vielfältig, wandelbar, mal fordernd, mal geschmeidig. Zum Song ‚Bubbles’ kommt ein Megaphon zum Einsatz, als analoger Stimmenverstärker quasi, ein eindrucksvoll-witzige Stimmveränderung.
Über der Band hängen kristallene Lüster und große Glühbirnen, die dem Auftritt eine besondere Atmosphäre geben und das Techniklager in einen ungewöhnlichen Salon verwandeln. Still in the Woods lässt sich musikalisch in keine Schublade pressen, alle vier Musiker sind einfach in der Musik an diesem Abend, im Flow, den alle Gäste sichtlich genießen. Manche sitzen und wippen mit dem Fuß, andere stehen an den verstreut aufgestellten Tischen und bewegen sich leise zu den zarten Balladen, wie zum Song ‚In my own arms’. ‚Rootless’ sind diese vier Musiker nicht, sondern wirklich tief in der Musik verwurzelt: Jazz, Samba, Soul, Hip-Hop und Funk und treibende Beats vermischen sich zu einem ganz eigenen Sound, unverwechselbar, lustvoll geradezu. Die eingestreuten, wie zufällig platzierten Soli an den Drums (Jakob), am perlend gespielten Keybord (Robert) und an dem treibenden sonoren Bass (Raphael) kommen locker daher und werden mit viel Applaus belohnt. Natürlich muss es Zugaben geben, und die gibt es auch. Nach noch mehr Applaus.
Mit einem leckeren Büffet und vielen Gesprächen in kleinen Runden geht dieser eindrucksvolle Musik-Salon erst spät zu Ende.

 

Vor vier Jahren hatte ich sie schon einmal im Rahmen des Salonfestivals
gehört. Damals waren sie zu viert, zwei “Engländer” und zwei “Afrikaanser”
aus Südafrika. Der Drummer hatte statt einer Bass Drum eine Cahón
mitgebracht (die sicher das kleinere Packmaß hat), die er mit einer
Fußmaschine mit viel Gestänge zum Klingen brachte. Ich erinnere mich an
das Gespräch, das ich damals mit Gerdus Oosthuizen geführt habe, der
damals wie heute aussieht wie der jüngere Bruder von Jack Sparrow,
eindrucksvoll lang, eindrucksvolle Mähne, eindrucksvoll gute Laune.

Nun waren sie wieder da, die Sons of Settlers, auf die beiden Afrikaanser
geschrumpft, im sehr geschätzten Privatquartier A+B, in dem ich schon so
manche angenehme Stunde verbracht (und manch neue Erkenntnis gewonnen)
habe. Ich komme eigentlich immer recht knapp, die guten Plätze sind dann gemeinhin bereits vergeben.
Aber hey! Der breite rote Sessel, in dem ich blickgünstig das letzte Mal
gesessen habe, scheint noch frei zu sein. Tatsächlich, er war es. Dieses
Mal war der Blick wieder unverstellt, aber direkt neben der Box ist
vielleicht doch nicht der beste Hörplatz, zumal die Gruppe wohl gewöhnlich
größere Lokalitäten zu beschallen hat. Bereits während des ersten Stücks
suchte ich das Weite in den schallärmeren Hintergrund. Auf ihrer Webseite
schreiben die Sons of Settlers, daß sie nun als Duo nicht weniger Sound
machten als vorher zu viert. Das stimmt.

Sie spielen mit einer akustischen Gitarre und einer E-Gitarre fröhliche
Straßenmusik, dazu die bereits genannte Cahón mit Fußbedienung und
Schellen am anderen Fuß. Sie nennen ihre Musik “melodiösen Folk”. Ist das
wirklich Folk? Melodiös jedenfalls ist es in jedem Fall. Gab es am Vortag im „salonfestival“ noch komplexe Harmonik, schwere Gedanken und viel Moll, so steht heute das glatte Gegenteil auf dem Programm. Viel Dur, viel Rhythmus. Die Köpfe
wiegen, die Fußspitzen wippen im Takt: Wäre mehr Platz gewesen, hätten
sicherlich einige Gäste zu schwoofen angefangen (und ich wäre vermutlich
dabei gewesen). Wir waren ja ganz unter uns, keinem der Zuhörer hätte man
erklären müssen, wer die Eagles sind oder etwa Fleetwood Mac.

Nach zweimal 45 Minuten und einer gastromisch wohlbestellten Pause
vertilgte eine inspirierte Gruppe Gäste den Rest des Weins — wäre
schließlich schade um die bereits offenen Flaschen gewesen.

Herzerwärmend.

erstellt von Martin Gerdes, Gast!

 

Lieder von gestern und heute: „Vintage“ hat die Berliner Sängerin Iris Romen (mit holländischen Wurzeln) ihr Programm überschrieben und ist gemeinsam mit dem Gitarristen Alexey Wagner nach Hannover gekommen. Der Spielort ist ungewöhnlich wie hübsch improvisiert hergerichtet: eine Bühne gibt es nicht, es genügt eine Steckdose für den Rhodes und das Keybord. Alles direkt vor einem gemütlichen Sofa, auf dem entspannt die Gäste lauschen. Nahezu unplugged ist diese Konzert, leise und charmant weht der Geist von ehemals durch die Lieder. Iris Romen sagt gleich zu Beginn geradeheraus, sie sei ein wenig altmodisch und schätze es sehr, Gefühle, Eindrücke und Lebensalltag in Lieder umzusetzen, zumeist in eigene, es gibt wenig Cover an diesem Abend. Mitunter genügt eine Impression, so kam es zum Lied mit dem ‚Elevator Boy’, in dem das Liftklingeln wunderbar nachgeahmt wird. Iris singt vom ‚Mut haben’, wie man sich fühlt bisweilen, und auch sehr schön vom ‚ein Zuhause haben’ und von der kommenden Jahreszeit. Und natürlich gibt es auch ein Liebeslied: „You stole my heart“. Ihre Stimme ist hoch, ein heller sehr klarer Sopran mit Möglichkeiten in der Tiefe, mitunter auch mit einem leichten Timbre. Ihr liegen fast alle Rhythmen: vom Walzer über Bossa Nova bis hin zum Westernsong und auch mal einem ‚Schieber’. Stets wunderbar begleitet von Alexey auf der Gitarre, der die Riffs beherrscht, mehr als das, eine sehr empathische Begleitung ist. Beim Blues allerdings dreht er so richtig auf! Ein schöner Kontrast auch zum Spiel am Keybord und besonders zum Bass, zu dem Iris mühelos überwechselt und den sie glänzend beherrscht. Ganz toll: „Born to be wild“ für Stimme und Bass! Auch ein alter Song – zu dem viele Gäste begeistert mitwippen. Besonders schön wird es, wenn Jazzanklänge zu Gehör kommen, dann wird Iris’ Stimme sanft und voll.
Iris Romen wird bald im Studio neue Lieder aufnehmen, sie sei ein langsamer Mensch, der in der Musik alles sozusagen wegarbeite, meint sie in ihrer charmanten Moderation, die durch den Abend führt. Nur unterbrochen von einer Pause, für die die Boutiquebesitzerin ein üppiges Büffet vorbereitet hat. Und natürlich vom langen Applaus!