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Von Susanne Fritz, Gastgeberin:

Am 3.September 2017 ging mein Traum in Erfüllung: EIN KONZERT IN UNSEREM GARTEN !

Dank Frau Ulrike Groffy vom „salonfestival“ klappte alles super. Zuerst ein Gespräch bei uns zu Hause, einige Mails folgten. Datum und Musiker wurden ausgewählt. Nun hieß es, den Garten auf Vordermann bringen… Dank vieler fleißiger Hände schafften wir es.

Dann das große Fragezeichen : wie wird das Wetter????

Stühle, Stehtische, Gläser, Tassen etc. Zelt aufbauen – für alle Fälle – wieder hatten wir viele Heinzelmännchen zur Hilfe.

Am Sonntag, den 3.September, schien die Sonne! Unsere Familie plus Freunde waren emsig im Einsatz.

40 charmante Gäste spazierten in den Garten und genossen offensichtlich das Ambiente und die fantastische Musik von ADD ONE. Drei sehr sympathische junge Vokalisten mit einem beeindruckenden Repertoire boten eine mitreißende Performance.

Ganz ehrlich: es war ein zauberhafter wie unvergesslicher Tag mit so toller Musik und vielen herzlichen Menschen. Wie sagte Imke, sie waren ‚geflashed’ vom Garten als ihrer Bühne – so wie wir begeistert waren von diesem besonderen Sonntag!

Herzliche Grüße vom Wietzestrand, Susanne & Joachim Fritz

 

Von wegen Aufbruch und Emanzipation: Machogeist am Bauhaus

Das Bauhaus in Weimar und Dessau: Es steht für Avantgarde, für den Aufbruch aus einer ästhetisch verkrusteten Zeit, für die Moderne und die Emanzipation aus einem zu eng empfundenen Architektur- und Kunstverständnis. Dass ausgerechnet hier alte Mechanismen und Denkweisen wüten, überrascht und stellt das Bauhaus in seiner nachträglichen Mystifizierung in ein unerwartetes Licht. Theresia Enzensberger – zu Gast im Salon in Wiesbaden – führt ihre Leser und Zuhörer in ihrem Roman “Blaupause” keineswegs auf den historischen Pfad der ästhetischen Revolutionäre Walter Gropius, Wassily Kadinsky, Paul Klee und Johannes Itten, wie man vermuten könnte. In ihrem Debüt über das Bauhaus hat sie anderes im Sinn. Der Roman erzählt die Geschichte der jungen Luise Schilling, die begeistert dem Lockruf der Bauhäusler folgt. In Weimar schreibt sie sich – wie viele andere junge Frauen ihrer Zeit – an der Kunstschule von Walter Gropius ein, im Glauben, Teil dieser modernen Bewegung zu werden. Doch das experimentelle Ausbildungsprogramm führt die weiblichen Studierenden auf direktem Weg in die Webwerkstätten und weniger in die Tischlereien und Architekturschulen. Der Ansturm der Frauen hat die männlichen Bauhäusler offenbar überfordert. Dass sich Frauen für technische Probleme interessieren und über dreidimensionales Denken verfügen, übersteigt das Vorstellungsvermögen der Lehrkräfte am Bauhaus. Trotz vieler Demütigungen, Selbstzweifel und kritischer Selbstbespiegelung gibt Luise ihren Traum so schnell nicht auf. Sie möchte dazugehören, sucht nach Anerkennung und wirft sich hinein in den Dampfkessel der widersprüchlichen Strömungen und Ideen ihrer Zeit. Alles ist zugleich möglich und denkbar: Freizügigkeit und Dogmatismus, menschliches und reaktionäres Gedankentum, zarte Anflüge von Gleichberechtigung und schlimmster Sexismus. Wie – so fragt sich Luise am Ende ihres Studiums – sollen in einem derartigen Klima widersprüchlicher Haltungen neue Formen möglich sein? Wie kann hier der neue Mensch geprägt durch die neuen Formen, die ihn umgeben, hervorgehen? „Wie soll das möglich sein, wenn diese Formen doch immer nur von den alten Menschen mit all ihren Fehlern und Mängeln geschaffen werden können?“ Eine Frage, die sich im anschließenden Gespräch an die Lesung auch die Salongäste stellen: Die gleichberechtigte, demokratische Gesellschaft – ist nicht auch sie durch die vielen Fehler und Mängel, die von den Rändern und den Widersprüchen in der Mitte der Gesellschaft ausgehen, in akuter Gefahr?

Einen ganz besonderen musikalischen Abend in Hannover gab es am vergangenen Sonntag im Salonfestival in einem Privathaus: Jessica Pilnäs, hinreißende Sängerin, und Mattias Ståhl, Vibraphonist und Pianist, waren aus Schweden angereist, um ihre Hommage an Peggy Lee – die berühmte Sängerin des amerikanischen Jazz – zu spielen. An die fünfzig Gäste waren gekommen und vom ersten Lied an gefesselt von der entwaffnenden Natürlichkeit von Jessica Pilnäs. Sie moderierte ihr Konzert auf charmante Weise: mal lässig, mal witzig („Sie tue alles für die Kunst“ – als Kommentar zu ihren ausgewöhnlich hohen schwarzen Glitzerschuhen – „die sehr unbequem seien“), mal ernst, als sie einen Song anstimmt, der sie an eine besondere Begegnung erinnerte. Mattias Ståhl begleitete abwechselnd am Vibraphon und am Flügel: konzentriert und überzeugend einfühlsam mit etlichen eigenen jazzigen Passagen. Jessicas Stimme, ihre vielfältigen Ausdrucksmöglichkeiten, und das Spiel von Mattias Ståhl harmonierten perfekt. Das Publikum lauschte hingerissen und gab begeisterten Beifall! Auch nach dem zweiten Set des Konzertes, dem noch einige Zugaben folgten. Und dann standen alle auf und klatschten – wunderbar. Der Abend war gedacht als Hommage an Peggy Lee und endete in einer Hommage an die großartige Sängerin Jessica Pilnäs und den erstklassigen Jazz-Vibraphonisten Mattias Ståhl. Songs wie „Fever“, „Is That All There is?“ und „There´ll Be Another Spring“ berührten das Publikum ebenso wie Louis Armstrongs „What a wonderful world“ – was für ein wundervoller Abend bei wundervollen Gastgebern!

© Felix Broede

 

Dirigent Omer Meir Wellber und Nikolaus Bachler, Intendant der bayerischen Staatsoper im Gespräch – moderiert von der Journalistin Inge Klöpfer

„Mozart ist für die Ewigkeit … und für den Moment“

Ein heißer Freitagabend im Juni. Am Tag vor dem Eröffnungskonzert der Münchner Opernfestspiele 2017 finden sowohl Staatsoper-Intendant Nikolaus Bachler als auch der Dirigent des Eröffnungskonzerts, der israelische Nachwuchskünstler Omer Meir Wellber, Zeit für ein Salongespräch in der Münchner Galerie Tanit. Bachler gilt als Entdecker des jungen Dirigenten aus Israel. Er schildert im Gespräch mit der Journalistin Inge Klöpfer, dass ihn besonders der Mut des Künstlers begeistert habe, Kompositionen immer wieder anders zu präsentieren. „Jedes Mal interpretiert er neu“, so Bachler.

Meir Wellber hat sein Akkordeon mitgebracht und spielt zur Einstimmung erst einmal Klänge aus seiner israelischen Heimat, fröhlich, schnell, mitreißend. Das Thema an diesem Abend ist sein Mozartbild, insbesondere am Beispiel von dessen Zusammenarbeit mit dem Librettisten Lorenzo da Ponte. Der ehemalige Schüler von Daniel Barenboim hat erst spät zu Mozart gefunden, während seiner Zeit an der Dresdner Semperoper: „Erst als in Dresden die Idee aufkam, alle drei Mozartopern mit den Libretti von da Ponte aufzuführen, platzte bei mir der Knoten.“ Seine „Momente mit Mozart“ beschreibt er in seinem neuen Buch „Die Angst, das Risiko und die Liebe“, das er gemeinsam mit der Publizistin Inge Klöpfer geschrieben hat. Klöpfer, die das Salongespräch mit den beiden Künstlern kompetent moderiert, ist insbesondere für ihre Biografien der Verlegerin Friede Springer und des Dirigenten Kent Nagano bekannt geworden.

Wenn gleich die genaue Zusammenarbeit von Mozart und da Ponte nicht dokumentiert sei, erläutert Meir Wellber, habe er ein genaues Bild davon, wie die beiden Künstler durch ihre unkonventionelle und kreative Zusammenarbeit der Oper neue Kraft gaben. Beide waren künstlerische Revolutionäre im Europa der Aufklärung, kreativ und hochbegabt – und zugleich zutiefst gesellschaftskritisch. Beide waren Freigeister, die sich über Konventionen hinwegsetzten, Spielernaturen mit einem Hang zum Risiko, sinnliche Lebemänner und äußerst selbstbewusste Kreative, die sich in der Welt zwischen Adel und Bürgertum bewegten. Die Zusammenarbeit der beiden sei überaus fruchtbar gewesen, Buchstaben und Noten wunderbar aufeinander abgestimmt, die Energien von Musik und Text beeindruckend. Und die Botschaft revolutionär. „Hören Sie selbst“: Meir Wellber holt wieder sein Akkordeon hervor und spielt Opernpassagen aus „Die Hochzeit des Figaro“, um zu verdeutlichen, wie Musik und Text sich ineinander fügen und die Musik die Botschaft des Librettos verstärkt.

Meir Wellers Fazit: Die Zusammenarbeit beider Künstler, Mozart und da Ponte, war hochkreativ und beflügelnd. Außergewöhnlich eben. In seinem aktuellen Buch ist zu lesen: „Beide, Komponist und Dichter, wären in ihrer Entwicklung nicht so weit gekommen, hätte es den intensiven Austausch nicht gegeben. Für Mozarts musikalische Entwicklung ist da Ponte ein Glücksfall, weil ihn der Dichter mit seinem umfassenden Verständnis des menschlichen Daseins und all seiner Unwägbarkeiten dazu inspiriert, die Grenzen der Möglichkeiten einer Oper weit nach vorne zu verschieben.“ Und zu da Ponte ist zu lesen: „Hätte er sich nicht auf Mozart eingelassen, wären er und seine Texte für immer in den Archiven verschwunden“. Eine starke Interpretation.

Zum Abschluss des Salongesprächs spielt Meir Wellber dann noch einmal auf seinem Akkordeon, bevor der Salonabend mit vielen Gesprächen ausklingt, mit Fragen und Anregungen rund um das Thema „Mozart ist für die Ewigkeit … und für den Moment“.

Das Buch „Die Angst, das Risiko und die Liebe – Momente mit Mozart“ von Omer Meir Wellber und Inge Klöpfer ist 2017 bei EcoWin erschienen.