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Nein, der Satz bezog sich nicht auf den Salon, gleichwohl fiel er in dessen Rahmen. Vodafone hatte eingeladen zum Thema „Künstliche Intelligenz“. Wissenschaftsjournalistin Manuela Lenzen und der KI-Experte Reinhard Karger gaben einen Überblick über den aktuellen Stand des Machbaren und einen Ausblick auf die naheliegenden Anwendungen der nächsten Dekaden.  Zunächst wurde schnell klar, dass die […]

Seine Chancen nutzen, dabei Gefahren kennen. Mit diesem Grundgedanken fand der jugendsalon#2 im E-Werk Bad Homburg statt. Die neue Salongeneration sind Gäste im jugendlichen Alter. Die Experten, Michaela Moll, Stephan Schölzel und Tense diskutierten und ermutigten das junge Puplikum sich auf das Erlebnis Internet einzulassen. Die drei Fachleute aus dem Bereich Internet und Jugendarbeit berichteten aus ihren sehr unterschiedlichen Berufsfeldern: Polizei, Sozialarbeit und youtubevideo-Produzent.
Und die Jugendlichen waren elektrisiert. Sie konnten sich über all die Themen informieren, die sie bewegen und Fragen stellen, die sie sonst in endlosen Diskussionen und mühsamen Argumentationen mit ihren Eltern durchkauen. Durchaus kritische und vorsichtige Überlegungen äusserten die gut informierten jungen Gäste. Sie wollen sich informieren, aktiv sein und mitgestalten. Eine kleine Gruppe von Jugendlichen setzte sich vor der Veranstaltung mit dem Thema Erlebnis Internet auseinander und moderierten, gut strukturiert durch den knapp 2-stündigen Salon. Am Ende kam die Aufforderung der Referenten an ihre Zuhörer, sich weiterhin für das Internet und seine Möglichkeiten zu begeistern und dabei sorgsam zu sein. Toll!

Das Puplikum besteht beim jugendsalon ganz bewusst nur aus Jugendlichen. Das bietet ihnen einen unbeobachteten Raum zur freien Meinungsäußerung unter Ähnlichaltrigen und der bedachte Umgang mit persönlichen Informationen und Daten.

Der Auftakt der „klugen köpfe“ in Hannover: ein gemütliches Wohnzimmer mit vielen Büchern und noch mehr Stühlen, denn es war voll. Freunde der Gastgeber mischten sich mit Nachbarn und Gästen, die das „salonfestival“ kennenlernen wollten. Alle waren gekommen, um Professsor Hübls Ausführungen zu den ethischen Grundlagen entscheidender Fragestellungen zu hören: „Was wäre, wenn…“ ist in der Philosophie ein bekanntes Gedankenspiel. Philipp Hübl zog seine Zuhörer mit seiner frei vorgetragenen Rede gleich in den Bann, und die vielen Beispiele, die er vorführte, zeigten klar, worauf es bei diesen – auch moralischen – Überlegungen ankommt: nicht immer dem ersten Impuls folgen und eine Entscheidung fällen, sondern alle Konsequenzen weiterdenken und mögliche weitere Aspekte mit einbeziehen. Das das gar nicht so leicht ist, zeigte die lebhafte Diskussion im Anschluss an den Vortrag. Und all die Gespräche, die noch lange in Wohnzimmer und Flur beim Wein weiter geführt wurden. Gedankenspiele sind äußerst anregend, wie einige Gäste meinten, und zugleich anstrengend. Aber die direkte Begegnung mit Philosophie hat gutgetan, das fanden alle! Ein langer, intensiver Abend, der allen zu denken gab!

 

Populismus in den USA und in Europa – wo sind Gemeinsamkeiten und Unterschiede auszumachen? Diesen Fragen geht der Politikwissenschaftler Dr. Marcel Lewandowsky nach. Er ist unser “kluger Kopf zu Gast” im Hofgut Gorgenthal am 5. Februar. Marcel Lewandowsky lehrt an der Helmut-Schmidt-Universität Hamburg und forscht seit zehn Jahren zum Thema Populismus. Prognosen für den möglichen Aufstieg der Populistenpartei der AfD in Deutschland in Hinblick auf die anstehende Bundestagswahl hält er wissenschaftlich für problematisch. Eine “Zauberformel” gegen Populisten gebe es nicht, aber durchaus Gegenstrategien, der sich Politik und Öffentlichkeit stellen müssten. Dazu mehr im Interview im “Wiesbadener Kurier” vom 26. Januar 2017.  http://www.wiesbadener-kurier.de/vermischtes/vermischtes/mobilisierung-gegen-die-da-oben_17635428.htm

Nur keine Zeit verlieren. 30 Minuten sollen reichen. John Wray schlägt als Treffpunkt einen Foodtruck in Manhattan vor, ganz in der Nähe der Wall Street. “Luckyim” steht da drauf, angeboten werden thailändische Gerichte. John Wray entscheidet sich ohne Bedenken für “Red Curry”, die Köchin reicht das Gericht durch die Luke, schnell kann das Gespräch auf einer Bank in der Mittagssonne beginnen, die Wolkenkratzer sind nicht weit.

Es geht um die Zeit. Denn das ist sein Thema in diesem Jahr, “Das Geheimnis der verlorenen Zeit” heißt sein Roman, der im September in deutscher Übersetzung bei Rowohlt erscheinen wird. Am 8. Oktober wird er ihn auch bei uns in einer Altbau-Wohnung in Berlin-Friedenau vorstellen.

John Wray ist 45 Jahre alt und hat die Gabe, auch beim Essen mühelos sprechen zu können. Sein Vater ist Amerikaner, die Mutter stammt aus Österreich, man könnte sich auch auf Deutsch unterhalten, aber Wray entschuldigt sich, dass er die Muttersprache erst wieder trainieren müsse, um auch über Literatur reden zu können. Im Oktober aber werde das bestimmt klappen.

Sein Roman beginnt in der Heimat seiner Mutter, in Wien, Anfang des 20. Jahrhunderts. Es geht um die wilden Zeiten der Wissenschaft, es geht bald auch um die Relativitätstheorie, Albert Einstein und die Krümmung von Raum und Zeit.
Wray gelingt es mühelos, Historisches zu schildern und dabei aktuelle Bezüge entstehen zu lassen. Der Urknall, die aktuellen Experimente von Wissenschaftlern in Schweiz kommen einem beim Lesen in den Sinn, die dunkle Materie, und wie selbstverständlich ist der Roman genau 100 Jahre, nachdem Einstein seine geniale Formel veröffentlichte, erschienen.

Manchmal sind es auch nur Randgeschichten, die aktuelle Bezüge ermöglichen. So schildert Wray, wie Ottokar, der Urgroßvater des Ich-Erzählers, von einem der ersten Automobile überfahren wird, der Sprung zum ersten Toten durch ein selbstfahrendes Auto vor einigen Monaten in den USA ist nicht weit.

Er habe viel gelesen über Geschwindigkeit, Raum und Zeit, erzählt Wray. Und das alles, weil er bei einem Spaziergang zufällig den Hinweis “Lost Time Accident” entdeckte und notierte. Arbeitsunfall, schlägt Google als Übersetzung vor, auch wenn der Zeitaspekt dabei fehlt. Wray wählte die verlorene Zeit (“lost time”) als Leitmotiv über den Toula-Silbermann-Tolliver-Clan und die Reise durch das 20. Jahrhundert mit den Irrungen und Wirrungen, politischen Desastern und genialen Momenten. Manchmal ernst, meistens  originell, immer unterhaltsam, oft auch humorvoll. Die New York Times urteilte, dass der Roman geistreich und genial geschrieben sei. “Eine ungeordnete, chaotische Geschichte über eine ungeordnete, chaotische Zeit.”

In New York scheint das im 21. Jahrhundert immer noch nicht anders zu sein mit der Ordnung und dem Chaos. Schnell sind die 30 Minuten vorbei, das schrille Martinshorn eines Polizeiwagens beendet die Zeitreise. Noch ein Foto, ein flüchtiger Abschied, dann geht`s weiter. Wohin eigentlich? Für die Frage bleibt keine Zeit mehr.

„Lesen ist denken mit fremden Gehirn“ hat Arthur Schopenhauer einmal gesagt, und wenn es  auf ein Buch zutrifft, dann ganz sicher auf das neue Buch von Udo Di Fabio, der sich sehr kluge Gedanken zur Entwicklung unseres westlichen Gesellschaftssystems macht. Sein neues Buch „Schwankender Westen“ ist Anstoß zur Diskussion und zum Nachdenken, Selberdenken. Den „Westen“ definiert Di Fabio als „Faszination eines Lebensstils, in dessen Mittelpunkt der einzelne Mensch steht.“ Wir genießen sozial funktionierende Systeme, kennen  den Fortschrittsglauben und haben entsprechende Verhaltensstrukturen längst akzeptiert. Der Westen steht als Synonym für Freiheit und Menschenwürde, Meinungsfreiheit und Marktwirtschaft. Di Fabio analysiert diese Idee des Westens kritisch und stellt  fest, dass der Westen ins Wanken gekommen ist. Die Gründe dafür sieht der Autor in der Weltwirtschaftskrise von 2008, den Terroranschlägen in der christlich-islamischen Welt und den Kriegsschauplätzen rund um Europa, aber auch in der Wanderbewegung von Süd nach Nord, die wir dieser Tage erleben. Di Fabio konstatiert ein neues verschobenes politisches Gefüge, wozu die rasante Entwicklung in der digitalen Welt und die weltweite Vernetzung beitragen. Die plurale Gesellschaft droht sich zu zerlegen und Parallelgesellschaften zu bilden – sei es aus Protest oder einfach, um eigene Werte zu etablieren. Nicht zu überhören ist Di Fabios Warnung: Wenn Institutionen wie der demokratische Rechtsstaat und die soziale Marktwirtschaft nicht gepflegt und intakt gehalten werden, droht eine Dauerkrise. Di Fabios Mahnungen sind besonnen und Ergebnis exzellenter Überlegungen aus dem Rechtsverständnis heraus: Um in gegenseitiger Achtung rechtssicher zu leben,  braucht es einen neuen Weg, der sich auf Werte besinnt und sich zugleich öffnet – ein überzeugender Denkanstoß!