Prof. Michael Hüther kannte ich natürlich aus Funk und Fernsehen. Ihn live zu sehen und zu hören bin ich heute hergekommen. Es ging um den freien Welthandel, über Digitalisierung und (natürlich) über „Industrie 4.0“. Diese sei letztlich ein echt hannöversches Gewächs, geboren auf seinem Messegelände, wie der Gastgeber der Messe AG stolz berichtete.

Die Politik hatte zeitgerecht geliefert: The Donald hatte gerade am gleichen Tag Strafzölle für Stahl und Aluminium verkündet, also ein Handelshindernis neu errichtet. Ach, hätte doch der bayrische Staat seinen Urgroßvater gnädig aufgenommen, als er heimwehkrank zurückkam aus Amerika! Sein Urenkel wäre der Welt erspart geblieben.

Wir Deutschen sollten uns aber keiner Illusion hingeben. Wir sehen Trumps Vorgänger Obama in deutlich milderem Licht. Zu Unrecht: Auch er aber wollte „den Staat“ schwächen, auch bei ihm gab es dieses selbstzerstörerische Zwei-Parteien-Hickhack. Aber einen Außenminister, der sein eigenes Amt am liebsten abschaffen möchte, da er es für überflüssig hält, den gab es damals nicht. Unvermeidlich wird auch die Amtszeit des Donald Trump irgendwann einmal zu Ende gehen. Daß die USA zu alter Offenheit zurückfinden werden, ist damit aber nicht gesagt.

Und doch: Der Referent ist von ansteckendem Optimismus und sticht somit heraus aus uns etwas miesepetrigen Deutschen. Er berichtete von vielen Sachverhalten, von denen ich die meisten bereits kannte, verwob sie dann aber in einer Art und Weise, die mir den Blick öffnete. Daß Frankreich aus Paris besteht und viel Provinz drumherum, das wußte ich. Professor Hüther
erläuterete das mit dem TGV, der in Straßburg losfährt und dann bis Paris kein einziges Mal hält. Wo auch?

Deutschland sei mit seiner historisch gewachsenen, kleinräumlichen Struktur etwas ganz Besonderes, gerade auch wirtschaftlich gesehen. Statt eines Überzentrums mit nichts drumherum gebe es hier an vielen Stellen Industriecluster, in denen sich die Unternehmen gegenseitig befeuern und befruchten. In unserer historischen Duodezstruktur habe der Fürst seinen Untertanen nicht ausweichen können, er sei einfach zu nahe an ihnen dran gewesen.

Der Anteil der Industrie am Bruttoinlandsprodukt sinkt in den Industrieländern seit Jahrzehnten, er ist in Deutschland aber immer noch etwa doppelt so hoch wie in Frankreich, Großbritannien oder den USA (nämlich etwa 20% gegenüber etwa 10%).

Wenn man es recht besieht, leben wir auf der Sonnenseite des Planeten. Wir sollten uns bemühen, die günstige Situation Deutschlands und Europas zu bewahren und auszubauen. Freie Weltwirtschaft helfe uns — und eigentlich allen. Auch wenn der Weg noch nicht zu Ende gegangen ist und noch manche Unwucht persistiert, hat die Armut in der Welt in den letzten Jahrzehnten erheblich abgenommen.

Die Welt hat sich immer verändert und verändert sich weiter. Die USA werden lateinamerikanischer und öffnen sich nach Asien. Augenmerk müssen wir auf China legen (das der Referent in meinem Augen etwas zu positiv sieht). China treibe die Globalisierung sehr voran, seine imperialistischen Tendenzen erwähnt er aber nur am Rande.

Wohlstand ist aber nicht nur Geld, sondern auch Zeit. Wer seinen Lebensunterhalt in kürzerer Zeit verdient, gewinnt freie Valenzen in Zeit und Geld. Was aber machen wir mit der gewonnenen Zeit?

Freiheit ist auch das Recht, mit seiner Zeit Unsinn anzustellen, meinte der Referent. Sehr sympathisch.

Eine längere lebhafte Diskussion schloß sich an, danach war fürs leibliche Wohl reichlich gesorgt (bei netten Gesprächen mit vielen netten Leuten).

Ich bin beschwingt nach Hause geradelt.

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