Viele Gäste in einem großzügigen Wohnzimmer erwarten diesen besonderen Klavierabend:
Auf dem Programm stehen Sonaten von Scarlatti, Bachs ‚Französische Ouvertüre’ in h-moll sowie im zweiten Teil Schuberts Sonate in B-Dur D.960. Pianistin Serra Tavsanli hat in Istanbul, Hannover und Leipzig studiert, wo sie auch ihr Konzertexamen mit Auszeichnung abschloss. Zahlreiche Auftritte hat sie bereits erlebt, auf Festspielen gespielt und solistisch ihr Publikum begeistert. Zu diesem Hauskonzert hat sie den Hannoveraner Jazzsaxophonisten Lars Störmer fürs Vorlesen mitgebracht: er eröffnet den Abend mit einem Zitat aus den „Selbstbetrachtungen“ Marc Aurels. Weich und schön, behutsam und doch stark spielt Serra Tavsanli die erste Sonate von Scarlatti und überzeugt rasch ihr Publikum.
Perfekt sitzen die schnellen Läufe, komplizierte Fingersätze – mit behänder Leichtigkeit spielt die Pianistin diese Sonaten, die eigentlich für das Cembalo komponiert waren. Und das kann man hören, sogar auf einem Steinway. Großartig entwickelt sie die Motive von Scarlattis Sonaten, die sehr modern klingen, irgendwie ihrer Zeit voraus.
Serra Tavsanli spielt gern und immer wieder den ganz großen Komponisten: Bach – seine „Französische Ouvertüre“ ist in einer besonderen Tonart gesetzt: h-moll. Ein komplexes Stück, dass in einem guten Tempo vorgetragen, nein, erzählt wird. Im ersten Teil dunkel, gedehnt, im zweiten Teil voll und intensiv, einer Fuge gleich. Übrigens eine beliebte musikalische Form im Barock. Hierzu ist der vorgetragene Text der französischen Autorin Delphine de Vigan gut gewählt, es geht um das Vorspielen, das Verändern, das Erzählen.
Schuberts B-Dur Sonate D.0960 stammt aus dem Jahr 1828 und ist eine der letzten Sonanten dieses großartigen Komponisten, in drei Sätzen (molto moderato, andante sostenuto und allegro ma no troppo) lässt Serra Tavsanli eine ganze Welt entstehen: auch hier macht Lars Störmer mit einem kurzen Zitat des syrischen Schriftstellers Kahlil Gibran die Eröffnung, die Einstimmung. Perlend, dramatisch, energisch und mit viel Pedal gelingt der Pianistin auch in diesem anspruchsvollen Stück, das Thema sauber herauszuarbeiten. Nach einem ruhigen klaren Satz, mit großer Empathie gespielt, findet dieser besondere Klavierabend auch im rasant-furiosen dritten Satz noch nicht sein Ende: ein Händelstück in einer Bearbeitung von Wilhelm Kempff folgt und – natürlich – ein wunderbarer Bach-Choral: „Ich rufe zu dir, Herr“. Ob Scarlatti und Bach einander gekannt haben, ist unsicher. Sicher ist: alle Gäste haben an diesem Abend eine exzellente Pianistin kennengelernt. Es gibt Blumen vom begeisterten Gastgeberpaar und sehr viel Applaus.

 

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