Mittwoch, 19.09.2018 // 19.30 
zu Gast im Privathaus // Münster

Stefan Weidner

Jenseits des Westens

Gespräch. Wir waren es gewohnt, dass Europa und Nordamerika die Welt dominieren. Nun melden andere Großmächte politische und wirtschaftliche Ansprüche an und stellen die angeblich universal gültige »westliche« Weltdeutung in Frage. Fortschritt, Säkularisierung, Liberalismus: Warum sollten diese Prinzipien, die in einer bestimmten Ecke der Welt entwickelt wurden, für den ganzen Globus gelten? Stefan Weidner ist ein Anhänger der Aufklärung. Gerade deshalb plädiert er dafür, Weltentwürfe, wie sie in Arabien, Afrika oder China entstanden sind, ernst zu nehmen. Auch dort haben sich etwa Vorstellungen von der Würde des Menschen entwickelt und wie sie durch Recht garantiert werden kann. Der »Westen« darf nicht glauben, die ganze Welt werde früher oder später seine Vorstellungen übernehmen. Die Welt braucht ein kosmopolitisches Denken, das die Vorstellung kultureller Überlegenheit überwindet.

Stefan Weidner reiste noch als Schüler auf eigene Faust nach Nordafrika. Später studierte er Islamwissenschaften, Philosophie und Germanistik in Göttingen, Damaskus, Berkeley und Bonn und begann seine Karriere als Übersetzer arabischer Lyrik und als Literaturkritiker. 2001-2016 arbeitete er als Chefredakteur bei der vom Goethe-Institut auf Englisch, Arabisch und Persisch herausgegebenen Kulturzeitschrift Art&Thought / Fikrun wa Fann. Für seine Arbeit hat er u.a. den Clemens-Brentano-Preis, den Johann-Heinrich-Voß-Preis und den Paul-Scheerbart-Preis erhalten.