Mittwoch, 21.11.2018 // 19.00 
zu Gast bei it.allions AG // Wiesbaden

Prof. Dr. Petra Schwille

Was ist Leben und unter welchen Bedingungen kann es entstehen?

Vortrag und Gespräch. Die Erkenntnis Pasteurs und seiner Zeitgenossen, dass Leben – in Form von Zellen – immer aus bereits existierenden Zellen und nicht spontan aus Fäulnis, Schlamm und einem göttlichen Funken entsteht, gilt als wichtiger Meilenstein der modernen Naturwissenschaften und beendet eine lange Phase wilder Spekulationen und Alchemie. Doch sie vermag nicht die alte Menschheitsfrage zu beantworten, wie Leben auf der Erde überhaupt jemals entstehen konnte. Um das herauszufinden, verfolgt Petra Schwille ein ambitioniertes Projekt. Sie konstruiert künstliche Zellen, die natürliche Lebensfunktionen nachahmen. Die Experimente an solchen Prototypen von Zellen eröffnen die Möglichkeit, die Frage nach dem Ursprung des Lebens völlig neu zu stellen: nämlich nicht, wie Leben tatsächlich einmal begonnen hat. Sondern was überhaupt die physikalischen und chemischen Bedingungen dafür sind. Diese Forschung nach dem Baukastenprinzip ist eine Spielart der so genannten Synthetischen Biologie, einer neuen interdisziplinären Forschungsrichtung, in der die Molekularbiologie, die Biotechnologie, die Ingenieurswissenschaften und die Informationstechnologie zusammen kommen. Es ist Grundlagenforschung, aber durchaus mit der Vision, völlig neue Anwendungen in der Medizin oder der Energiewirtschaft zu erschließen. Wer eine Expedition zur Grenze des Lebens antritt und diese vielleicht sogar verschiebt, muss sich auch ethischen, sozialen und rechtlichen Fragen stellen und die Akzeptanz der Gesellschaft finden. Auch das wird Thema des Salongesprächs sein.

Prof. Dr. Petra Schwille ist Biophysikerin und Direktorin des Max Planck Instituts für Biochemie in München. Für ihre Forschungsarbeiten und die Entwicklung von Verfahren zur Beobachtung zellulärer Mechanismen in Echtzeit wurde sie mit dem Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft ausgezeichnet.