Samstag, 16.06.2018 // 19.00 
zu Gast im Privathaus // Köln

Nina Verheyen

Die Erfindung der Leistung

Lesung und Gespräch. Wir leben in einer Leistungsgesellschaft: Im Sport gilt es neue Bestleistungen zu erzielen, in der Politik ist von Leistung und Wettbewerb die Rede, Kinder und Jugendliche müssen Leistung erbringen, um die besten Karrierechancen zu haben. Wir alle preisen die Leistung: in der Wirtschaft, der Unterhaltungsindustrie, in der Familie, in der Schule, in der Ausbildung, an den Universitäten, in der Politik und im Sport. Zugleich beklagen wir Leistung als einen Fetisch, der uns zusetzt, und beleuchten ihn sozialkritisch, weil er uns zu einer empathielosen Wettbewerbsgesellschaft hat werden lassen, in der nur der Beste zählt, in der nur diejenigen glänzen, die Leistung erbringen. Dann wird als Gegenprogramm die Muße und Entschleunigung gepredigt, um dann – Ironie der Getriebenen – noch effizienter und leistungsbereiter zu sein. Wie die Idee der Leistung in die Welt kam und was wir aus ihr machen sollten – darüber spricht Nina Verheyen. In ihrem Buch schreibt sie, wie sich das Verständnis der Leistung gewandelt hat und erzählt die Geschichte einer Idee, die unser aller Leben prägt. Sie plädiert für ein historisch informiertes und zugleich soziales Verständnis von Leistung, mit der sich überzeugend gegen Optimierungszwänge, Marktmechanismen und soziale Ungleichheit streiten lässt.

Nina Verheyen, 1975 geboren, ist Historikerin an der Universität zu Köln. Zuvor war sie u.a. am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin tätig sowie Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin. Neben Artikeln für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ und den „Merkur“ hat sie u.a. das Buch „Diskussionslust. Eine Kulturgeschichte des ‚besseren Arguments‘ in Westdeutschland“ (2010) veröffentlicht. Sie lebt in Köln und Berlin.