Freitag, 17.08.2018 // 19.30 
zu Gast im Privathaus // Wiesbaden

Prof. Dr. Andreas Rödder

Wer hat Angst vor Deutschland?

Ein Spiegelkabinett europäischer Wahrnehmungen seit 1870

Gespräch. Warum verstehen Europäer die Deutschen nicht und warum verstehen die Deutschen nicht, dass die Europäer sie nicht verstehen? Während sich die Deutschen im 21. Jahrhundert als solidarische Europäer fühlten, wurden sie in der Euro-Schuldenkrise als herzloser Hegemon kritisiert. Und als Staatssekretär von Bülow 1897 sagte, „wir verlangen auch unseren Platz an der Sonne“, da argwöhnte der britische Diplomat Eyre Crowe sogleich, Deutschland maße sich das Recht an, „den Vorrang der deutschen Ideale zu etablieren“. Was die Deutschen für ihr gutes Recht hielten, verstanden die anderen als deutsches Vormachtstreben und als Bedrohung. Der renommierte Historiker Andreas Rödder skizziert die Strukturgeschichte der deutschen Stärke in Europa vom Deutschen Kaiserreich bis zur Rolle der Bundesrepublik in der Europäischen Union nach dem Brexit. Und er fragt nach dem Spannungsverhältnis zwischen deutscher Selbstwahrnehmung und Außenwahrnehmung im Sinne einer wissenschaftlich fundierten europäischen Aufklärung.

Andreas Rödder, Professor für Neueste Geschichte an der Johannes Gutenberg Universität in Mainz, ist einer der führenden Zeithistoriker der jüngeren Generation. Er beschäftigt sich mit der Entwicklung von Werten und Wertewandel in der Moderne und Postmoderne. Für seine brillante Analyse der Gegenwart wird der Historiker von einer breiten Leserschaft geschätzt und ist somit auch vielfach zu Zeitfragen in den Medien zu hören.