Ein Klavier-und Kammermusikabend in einem Wohnzimmer in Hannover: der Steinway weit offen, die Gäste sitzen verteilt bei geöffneten Fenstern, einige auch draußen auf der Terrasse. Die Pianistin Nicole Rudi bestreitet den ersten Teil des Programms und eröffnet mit Mozarts Sonate in ES-Dur: ungewöhnlich ein langsamer Satz zu Beginn, ein schönes Adagio, wunderbar vorgetragen. Eine kontrastive Sonate, die Mozart auf seinem Hammerflügel komponierte; sie lebt vom laut und leise, wie Nicole Rudi eingangs erläutert und dann auch souverän mit festem Anschlag umsetzt. Absolut virtuos. Nicole Rudi stammt aus Wolfsburg, hat in Hannover und Wien studiert, wurde bereits mehrfach ausgezeichnet und war in Europa und in Asien mit Konzerten zu Gast. Kenntnisreich erläutert sie ihr Programm: auch die melancholisch-traurige zweisätzige Sonate 1.X.1905 des tschechischen Komponisten Leos Janácek, der hier die menschliche Sprache in Musik überträgt: eine Demonstration und den Tod eines Menschen – ein sehr modern anmutendes Stück, das die Pianistin sehr gefühlvoll umsetzt.

Es folgt direkt im Anschluss die Polonaise in fis-moll von Chopin, ein vierteiliges Klanggemälde, das Nicole Rudi souverän voll und intensiv zum Vortrag bringt. Großartig! Es gibt sehr viel Beifall!

Während der Coronazeit haben MusikerInnen nicht nur nicht auftreten können, sondern auch vieles an Zusammenspiel hat sich aufgelöst, Quartette, Trios, die Mitspielende verloren haben. Umso mehr freut man sich, dass sich das Quintett, das nach der kleinen Pause auftritt, gerade in der Pandemiezeit gefunden hat: „Eins und fünf „! Eine besondere Premiere also, für das Quintett mit diesem Auftritt im Salon und überhaupt: ein Quintett im salonfestival in einem Wohnzimmer!

Mit Stephanie Kemna (Violine), Pauline Herold (Violine), Nicola Maisenbacher (Viola) und Dan Brandom (Violoncello) beweist Nicole Rudi ein exzellentes Zusammenspiel: Das berühmte Klavierquintett in Es-Dur von Robert Schumann beginnt mit einem lebendigen Allegro brillante – vom Quintett ebenso brillant gespielt. Ein kraftvolles Spiel auch im dritten Satz, schnell, eingespielt, absolut gekonnt, das in einem Feuerwerk im vierten Satz endet: es wird gezupft und gestrichen, ein überwältigendes Finale! Es gibt lang anhaltenden Applaus für die fünf MusikerInnen und als Dank an die begeisterten, gerührten Gäste und Gastgeber eine kleine hübsche Zugabe von Edward Elgar: Salut d’Amour. Eine Hommage an die Musik!

Nach langem Applaus verteilen die Gastgeber kleine Geschenke an die fünf MusikerInnen, deren fröhlich lächelnde Gesichter zeigen, was ein Live-Auftritt und die Begeisterung der Konzertbesucher für sie bedeuten. Herzerwärmend!

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