tanz zu Gast“, erste Runde! Ich mache mich auf den Weg, bin gespannt, was mich erwartet. In einem Privathaus erlebe ich den ersten Tanzsalon mit. Tänzer haben speziell für ihre Gastgeber und deren räumliche (Wohn-)Situation eine Choreografie erarbeitet. Was bedeutet das?

Als ich ankomme, ist das Haus gefüllt. 50 Gäste in einem über zweigeschossigen Reihenhaus, die Räume sehr offen. Die Gäste stehen, sie werden „mitgehen“ und die Tänzer im Raum begleiten, es gibt keine Bestuhlung. Eine sehr angenehme Stimmung nimmt mich auf, nimmt auch mich schon „mit“.

Es geht los. Das Duo beginnt mit einer heftigen „Auseinandersetzung“. Der Mann und die Frau „verhandeln, stecken die Grenzen ab, definieren ihr Zusammenleben“, er will, das sie bleibt, nicht auflehnt, ihm vertraut. Später wird erkennbar, sie kommt aus einer „anderen Welt“, er möchte sie integrieren. Zweifelsfrei ein Paar, das um seine Positionen ringt, um das Miteinander in der gemeinsamen Welt, im Außen, welches über das Innenleben ihrer Paarsituation, ihrer Liebeswelt hinausgeht. Wird ihre Liebe das aushalten? Wer wird siegen?

Es ist ein Kampf zweier Liebender, zweier starker Charaktere. Man ist ganz nah an ihnen dran, lebt ihre Situation mit. Man begleitet sie. Auch auf ein Fest, bei dem man als Zuschauer sogar eingeladen wird, mit ihnen zu tanzen. Es ist der harmonischste Moment an diesem Abend und es ist keinesfalls peinlich, wie man hier schnell denken könnte, sondern fließend, stimmig und selbstverständlich. Dieses Überblenden von einer Aufführung zum Mitmachen ist es, was schnell vor Augen führt, was den „Salon“ unterscheidet von einer normalen „Darbietung“. Man ist nicht nur ein Zuschauer, man ist ein Gast, man nimmt teil, man „gestaltet“ mit. Eine grandiose Erfahrung und ein perfekter Abend, den die zugewandten Gastgeber mit Käse Brot und Wein für ihre Gäste ausklingen lassen. Ein Weg, der sich in jeder Hinsicht gelohnt hat, ein Abend, der in vielerlei Hinsicht eine Bereicherung war.