Der Konzertauftakt für 2019 im „salonfestival“ in Hannover ist ein besonderer Abend für Liebhaber der Klaviermusik: auf dem Programm stehen die Namen Beethoven, Ravel und Liszt mit anspruchsvollen Stücken.
Die georgische Pianistin Lika Bibileishvili hat sich früh schon ins Klavier verliebt, spielte bereits mit zwölf Jahren das erste Klavierkonzert von Rachmaninow und hat bis zu ihrem mit Auszeichnung bestandenen Studienabschluss 2015 viele Meisterkurse besucht und internationale Wettbewerbe gewonnen. Beim Label FARAO ist ihre erste CD mit Werken von Prokofjew, Bartok, Ravel und Sibelius erschienen, brillant eingespielt mit unverwechselbarem pianistischem Selbstbewusstsein.
Dieser Klavierabend in einem voll besetzten Wohnzimmer beginnt mit einer herzlichen wie charmanten Begrüßung durch das Gastgeberpaar, der Steinway Flügel steht bereit, daneben und überall viele Klappstühle. In der Küche wartet ein üppiges Büffet.
Lika Bibileishvili will mit ihrem Spiel die Herzen ihrer Zuhörer berühren, wie sie sagt, und das gelingt ihr bereits mit den ersten Tönen: Beethovens Sonate No. 28 op. 101 in A-Dur eröffnet diesen Hausmusik-Abend, den die Pianistin sanft und zugleich energisch angeht. Mit ihrer klar gesetzten Akzentuierung und dem akribischen Herausarbeiten der Motive überzeugt sie rasch ihr Publikum. Es folgt ein extrem schwieriges Stück, Maurice Ravels vielleicht bedeutendstes Werk, ein Klaviertryptichon: „Gaspard de la Nuit“. Den ersten Teil, „Ondine“ überschrieben, spielt Lika Bibileishvili wunderschön, zart-träumerisch. Man hört das perlend sprudelnde Wasser, im Kopf entstehen sofort Bilder dieser Wassernixe. Auch „Le Gibet“ atmet viel Atmosphäre, in Moll, langsam, ruhig und bewusst interpretiert die Pianistin dieses unheimliche Thema, dessen mahnender Ton „b“ als stetiger Glockenschlag an die Endlichkeit des Lebens mahnt. Lika Bibileishvili gelingt ein virtuoses, klares Spiel in diesem irgendwie zerfallenden Stück. Auch im dritten Teil „Scarbo“, das dunkel und sehr schnell daherkommt und man den listigen Kobold durch die Reihen toben hört- wunderbar. Konzentriert beendet Lika den Abend mit Franz Liszt Sonate in h-moll – ein technisch sehr anspuchsvolles Werk mit komplizierten Fingersätzen, dessen drei Teile direkt ineinander spielen. Ein Stück, das viel Kraft, ungeheure Konzentration und Fingerfertigkeit erfordert – und Lika Bibileishvili großartig meistert. Nach langem intensiven Applaus kommt die Zugabe aus Georgien, die kraftvolle Ronto-Toccata des georgischen Komponisten Revaz Lagidze. Ein unvergesslicher Abend!
Und der Gastgeber zitiert noch einmal treffend Julian Barnes:“ Kunst ist das Flüstern der Geschichte, das durch den Lärm der Zeit zu hören ist.“

©Ulrike Groffy