Der Advent und das Weihnachtsfest sind eine Zeit der Rituale. Sie geben Halt in einer kompliziert gewordenen Welt, stehen für Verlässlichkeit und gehen oft einher mit einen Erlebnis in Gemeinschaft. Musik gehört unbedingt dazu – was gibt es also Schöneres als am Vorabend des 4. Advent wiederum einen Musik-Salon mit Jessica Gall zu erleben. Einen Abend mit adventlichen Liedern, die man kennt, aber so noch nicht gehört hat: Jessica Gall (Vocal, Saxophon, Glockenspiel), Robert Matt (Klavier, Vocal) und Johannes Feige (Gitarre, Vocal) präsentieren Songs von den letzten beiden Alben „Licht | Winterlieder“ und „Picture Perfect“. Sehr charmant moderiert von der Sängerin, deren sanfte Stimme ziemlich viel mehr kann, wie die vielen Gäste bereits beim ersten Lied erkennen („Süßer die Glocken nie klingen“). Ihre Stimme ist vielseitig und wandelbar, von Hoch bis Tief moduliert sie ohne Mühe, klingt mal leise, mal fordernd, in jedem Fall jazzig und soulig. Natürlich kommt auch der Titelsong ihres vorletzten Albums zu Gehör: „Picture Perfect“, ein berührender, intensiver Song über das Bild, das man sich von sich selbst macht. Begleitet, getragen und bisweilen überstimmt wird Jessica Gall von Robert Matt am Flügel, unnachahmlich, lustvoll in die Tasten greifend, improvisierend, kraftvoll. Und mit ungeheuer viel Spielfreude, die man ihm immer ansieht, nimmt er alle mit und unterstützt sonor mit seinem Begleitgesang. Das Stück „Weihnachtsfrau“ ist eine Eigenkomposition, witzig vorgetragen von Jessica Gall. Alte Weihnachtslieder wie „Es kommt ein Schiff geladen“ oder „Maria durch ein Dornwald ging“ rhythmisch ungewohnt neu präsentiert zu bekommen, mit Glockenspiel oder auch Sopransaxophon, das Jessica Gall mal eben so souverän spielt, begeistert die Zuhörer. Und Johannes Feige hat gleich zwei Gitarren mitgebracht: sein Spiel ist unbedingt virtuos, mal in der Begleitung, mal im Vordergrund mit tollen mitreißenden Riffs, aber auch schönen Improvisationen. Die drei Musiker sind perfekt aufeinander eingestimmt und lassen einander Raum für Gestaltung. Die Gäste sind begeistert, und berührt von der modern bearbeiteten altbekannten Weise „Stille Nacht, heilige Nacht“. Alle fühlen sich wohl im adventlich geschmückten Haus des Gastgeberpaares, und im Garten draußen schaukeln leise die Sterne in einem Baum.

Einzig der Winter fehlt zu diesem letzten Salon in Hannover in 2019.

 

©Ulrike Groffy

0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.