„Lesen ist denken mit fremden Gehirn“ hat Arthur Schopenhauer einmal gesagt, und wenn es  auf ein Buch zutrifft, dann ganz sicher auf das neue Buch von Udo Di Fabio, der sich sehr kluge Gedanken zur Entwicklung unseres westlichen Gesellschaftssystems macht. Sein neues Buch „Schwankender Westen“ ist Anstoß zur Diskussion und zum Nachdenken, Selberdenken. Den „Westen“ definiert Di Fabio als „Faszination eines Lebensstils, in dessen Mittelpunkt der einzelne Mensch steht.“ Wir genießen sozial funktionierende Systeme, kennen  den Fortschrittsglauben und haben entsprechende Verhaltensstrukturen längst akzeptiert. Der Westen steht als Synonym für Freiheit und Menschenwürde, Meinungsfreiheit und Marktwirtschaft. Di Fabio analysiert diese Idee des Westens kritisch und stellt  fest, dass der Westen ins Wanken gekommen ist. Die Gründe dafür sieht der Autor in der Weltwirtschaftskrise von 2008, den Terroranschlägen in der christlich-islamischen Welt und den Kriegsschauplätzen rund um Europa, aber auch in der Wanderbewegung von Süd nach Nord, die wir dieser Tage erleben. Di Fabio konstatiert ein neues verschobenes politisches Gefüge, wozu die rasante Entwicklung in der digitalen Welt und die weltweite Vernetzung beitragen. Die plurale Gesellschaft droht sich zu zerlegen und Parallelgesellschaften zu bilden – sei es aus Protest oder einfach, um eigene Werte zu etablieren. Nicht zu überhören ist Di Fabios Warnung: Wenn Institutionen wie der demokratische Rechtsstaat und die soziale Marktwirtschaft nicht gepflegt und intakt gehalten werden, droht eine Dauerkrise. Di Fabios Mahnungen sind besonnen und Ergebnis exzellenter Überlegungen aus dem Rechtsverständnis heraus: Um in gegenseitiger Achtung rechtssicher zu leben,  braucht es einen neuen Weg, der sich auf Werte besinnt und sich zugleich öffnet – ein überzeugender Denkanstoß!