Ein besonderer Auftakt für den Advent ist dieser Salon in einem Privathaus am 1. Dezember:
Jessica Gall und Band stellen ihre brandneue CD vor: „Licht – Winterlieder“. Eine sehr charmante und unterhaltsame Begrüßung durch den Gastgeber bringt die Gäste in Vorweihnachtsstimmung. Und während im weihnachtlich geschmückten Garten Sterne glänzen, stimmt Jessica das erste Lied an: „Süßer die Glocken nie klingen“, mit einem Glockenspiel, begleitet von Robert Matt am Flügel: eine ungewöhnliche Interpretation, jazzig – frisch. Schöne alte Weisen im neuen Gewand möchte Jessica Gall ihrem Publikum singen, mit ihrer reichen Stimme, die hoch wie tief modulieren kann, auch sanft hauchen oder kraftvoll betonen. Es geht um Gefühle, Lieder mit Seele, die viele der Gäste mitsingen könnten, ja wäre da nicht der besondere, andere Rhythmus: „Es ist ein Ros’ entsprungen“ ist klangvoll interpretiert: an der Gitarre der virtuose Johannes Feige, der besonders durch seine Soloeinlagen beeindruckt, mit groovenden Basstönen unterstützt von Andreas Henze und natürlich Robert Matt am Flügel, wird das Thema dieses alten Weihnachtsliedes aus dem 16. Jahrhundert bewegt aufgenommen, variiert und kraftvoll ‚erneuert’. Aber auch Songs von vorangegangenen Alben kommen im ersten Set zu Ohren: etwa der englische Song „I close my eyes“ mit intensiven Gitarrenriffs; hier wird auch der Klangkörper schnell mal zum Schlagzeug, auch Bassist Andreas ist voll dabei. Jessica Galls Stimme ist klangvoll – rund, bewegt und bewegend. Und dann, unglaublich, ertönt das älteste Weihnachtslied mit einer Eröffnung am Flügel, ein elegischer, geistlicher Choral, das von teurer Last erzählt: „Es kommt ein Schiff geladen“ – das hier zum klirrend verjazzten, irgendwie bluesartigen Stück wird. Beeindruckend. Und natürlich darf der Blick in den Spiegel nicht fehlen –Jessica Gall hat ihn vertont: die Unzufriedenheit mit sich in einen stimmungsvollen Song gekleidet, mitreißend und intensiv: „Picture Perfect“ (letztes Album).
Auch im zweiten Set wechseln weihnachtliche Lieder und Songs – und wenn es auch nicht schneit, das Publikum denkt sich den Schnee, als „Leise rieselt der Schnee“ ertönt, eröffnet mit sehr sparsam gesetzten Akkorden durch Robert Matt am Flügel und dann vom schnellen Gitarrenspiel begleitet. Ein Lied, das sich dann zu einem kraftvollen wuchtigen Stück entfaltet, als würde der Schnee heftig fallen. Luthers Weihnachtslied „Vom Himmel hoch“
vertont als Blues mit sonorem Bass verzaubert, Jessica Gall singt und spielt locker auch mal Sopransaxophon.
Im Advent erwartet man, denkt an seine Lieben, sollte Zeit füreinander haben, es ist gedacht als Zeit der Stille vor dem heiligen Ereignis, und so endet dieses bewegende Konzert mit „Stille Nacht, heilige Nacht“, einem klassischen Weihnachtslied, das rasch eine eigene Dynamik entwickelt. Es gibt lyrisch-erzählende Passagen, von Jessica Galls Stimme wunderbar formuliert, aber auch jaulende Gitarrenklänge, ein schönes Stimmungs-Vibrato.
Und am Ende gibt es nach langem Beifall noch A Cappella: Jessica, Robert und Johannes – einfach nur so stehen sie da und singen. Es schneit immer noch nicht, aber Gäste und Musiker singen dann alle zusammen die Weise vom rieselnden Schnee – diesen schönen Eiskristallen, die den Winter erst zu einem richtigen machen. Jessica Gall und Band haben ihn an diesem Abend beeindruckend imaginiert und musikalisch illuminiert mit ihren „Licht- Winterliedern“.

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