Vor vier Jahren hatte ich sie schon einmal im Rahmen des Salonfestivals
gehört. Damals waren sie zu viert, zwei “Engländer” und zwei “Afrikaanser”
aus Südafrika. Der Drummer hatte statt einer Bass Drum eine Cahón
mitgebracht (die sicher das kleinere Packmaß hat), die er mit einer
Fußmaschine mit viel Gestänge zum Klingen brachte. Ich erinnere mich an
das Gespräch, das ich damals mit Gerdus Oosthuizen geführt habe, der
damals wie heute aussieht wie der jüngere Bruder von Jack Sparrow,
eindrucksvoll lang, eindrucksvolle Mähne, eindrucksvoll gute Laune.

Nun waren sie wieder da, die Sons of Settlers, auf die beiden Afrikaanser
geschrumpft, im sehr geschätzten Privatquartier A+B, in dem ich schon so
manche angenehme Stunde verbracht (und manch neue Erkenntnis gewonnen)
habe. Ich komme eigentlich immer recht knapp, die guten Plätze sind dann gemeinhin bereits vergeben.
Aber hey! Der breite rote Sessel, in dem ich blickgünstig das letzte Mal
gesessen habe, scheint noch frei zu sein. Tatsächlich, er war es. Dieses
Mal war der Blick wieder unverstellt, aber direkt neben der Box ist
vielleicht doch nicht der beste Hörplatz, zumal die Gruppe wohl gewöhnlich
größere Lokalitäten zu beschallen hat. Bereits während des ersten Stücks
suchte ich das Weite in den schallärmeren Hintergrund. Auf ihrer Webseite
schreiben die Sons of Settlers, daß sie nun als Duo nicht weniger Sound
machten als vorher zu viert. Das stimmt.

Sie spielen mit einer akustischen Gitarre und einer E-Gitarre fröhliche
Straßenmusik, dazu die bereits genannte Cahón mit Fußbedienung und
Schellen am anderen Fuß. Sie nennen ihre Musik “melodiösen Folk”. Ist das
wirklich Folk? Melodiös jedenfalls ist es in jedem Fall. Gab es am Vortag im „salonfestival“ noch komplexe Harmonik, schwere Gedanken und viel Moll, so steht heute das glatte Gegenteil auf dem Programm. Viel Dur, viel Rhythmus. Die Köpfe
wiegen, die Fußspitzen wippen im Takt: Wäre mehr Platz gewesen, hätten
sicherlich einige Gäste zu schwoofen angefangen (und ich wäre vermutlich
dabei gewesen). Wir waren ja ganz unter uns, keinem der Zuhörer hätte man
erklären müssen, wer die Eagles sind oder etwa Fleetwood Mac.

Nach zweimal 45 Minuten und einer gastromisch wohlbestellten Pause
vertilgte eine inspirierte Gruppe Gäste den Rest des Weins — wäre
schließlich schade um die bereits offenen Flaschen gewesen.

Herzerwärmend.

erstellt von Martin Gerdes, Gast!