Ein Klavierabend im Salon ist immer etwas Besonderes: ein Hauskonzert im besten Sinne. Offen und zugleich privat, persönlich. Ein herzlicher Empfang durch die Gastgeber, Getränke und ein liebevoll angerichtetes Buffet stehen bereit, Stühle sind aufgestellt. Und der Flügel weit offen: Konzentriert und kraftvoll eröffnet die Pianistin Viviana-Zarah Baudis mit Beethovens Sonate Nr. 26 „Les Adieux“ ihr Konzert, ein emotionales Stück mit einer langsamen Einleitung, das am Ende in ein feuriges Allegro mündet, in dem große Freude zum Ausdruck kommt, schließlich geht es um ein Wiedersehen. Viviana Baudis spielt technisch perfekt, sehr konzentriert und absolut beeindruckend, als mehrfache 1. Bundespreisträgerin bei „Jugend musiziert“ und nach zahlreichen internationalen Auftritten hat sie Meisterkurse nicht nur in Wien, sondern auch in Italien und den USA besucht. Von Lang Lang wurde sie als beste Nachwuchspianistin aus aller Welt ausgewählt und ist mit ihm bereits gemeinsam aufgetreten.

 „Entdeckungen“ hat sie ihr Programm überschrieben und meint damit vor allem die beiden kurzen, sehr modernen Stücke von Gabriel Prokofiev, einem zeitgenössischen russisch-britischen Komponisten und DJ, einem Enkel des großen Prokofiev. „Sketch“ und „Cold Window“ sind zwei Kompositionen aus dem noch nicht fertigen Piano Book Prokofievs, rhythmisch komplex und knallend, etwas ungewohnt für das klassische Ohr. Und dann kommt Johannes Brahms: Den letzten Klavierzyklus von 1892, „Fantasien“ Op. 116, spielt Viviana Baudis im zügigen Tempo, leidenschaftlich und voll. Rasche Läufe wechseln mit verhalten melancholischen Passagen in diesem Stück, das Lebensreflexionen assoziieren lässt. Baudis akzentuiert hier sehr bewusst – es gibt viel Applaus für diese gelungene Interpretation und ihr virtuoses Spiel.

Franz Schubert, der große unermüdliche Komponist der frühen Romantik, steht nach einer kurzen Pause auf dem Programm: seine „Impromptus“ Op.90, die er ein Jahr vor seinem Tod 1827 komponierte. Viviana Baudis arbeitet hier das Thema voll heraus und vermittelt den Zuhörern viel musikalisches Gefühl, besonders im zweiten Teil, das perlend, heiter, nahezu tänzerisch daherkommt. Impromptus bedeuten unmittelbares Lebensgefühl, aus dem Moment heraus erdacht, sind ausdrucksstark, was Viviana Baudis perfekt umsetzen kann.

Das letzte Stück dieses Abends ist extrem anspruchsvoll, ein Stück „bei dem manche Pianisten blutige Hände bekommen“, wie Baudis ankündigt – sie aber nicht. Behände und souverän spielt sie den ersten Satz aus Bela Bartoks „Sonata For Piano“ Sz.80, mit kraftvollem Anschlag und hohem Tempo, was Bewunderung verdient. Natürlich gibt es viel Applaus von den begeisterten Gästen und dem Gastgeberpaar – und dann noch eine kurze Zugabe von Chopin. Ein Abend voll besonderer Klangentfaltung – „Entdeckungen“ eben!

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