Kreativ und offen – Duo Candour

 

Die Reihe der Musiksalons in Hannover in 2020 eröffnet eine Premiere: Das Duo Candour steht für Innnovation und Kreativität im Jazz und spielt zum ersten Mal ein neues Programm.

Candour bedeutet Ehrlichkeit und Offenheit – und so ist auch die Musik der beiden jungen Jazzerinnen. Lisa Wulff kommt aus Hamburg, wo ihr 2019 der renommierte Hamburger Jazzpreis zuerkannt wurde, sie ist Jazzbassistin, Studiomusikerin, Komponistin und Sängerin. Clara Haberkamp sitzt am Flügel, sie kommt aus Berlin, ist auch Sängerin und Komponistin und hat für ihr außerordentliches Jazzspiel bereits viele Auszeichnungen erhalten, auf Jazzfestivals ist sie gerngesehener Gast.

Und die Presse lobt sie als „vollendete Tonpoetin“. In der Tat sind beide Musikerinnen ungewöhnlich talentiert, technisch perfekt und spielerisch einfallsreich. Das Duo spielt an diesem Abend vor allem eigene Kompositionen und auch Jazzstandards, eine äußerst interessante Mischung aus Jazz und Singer&Songwriter – wie die zahlreichen Gäste bereits am ersten Stück hören. Ein brillant klarer Anschlag am Flügel, ein präzis gespielter Bass, der durch seine Tiefen allen Stücken groovige Basslines verleiht. Das Duo lässt auch Elektronik ins Spiel: „Portrait“ heißt der zweite Song mit toller Bassrhytmik am E-Bass und einem lustvollen Spiel am E-Piano. Ein schöner zweistimmiger Song mit einer gut entwickelten Melodie. Überhaupt klingen die Stimmen der beiden wunderbar zusammen: Clara Haberkamps Stimme gibt die Höhe vor, während Lisa Wulffs Stimme samtig, weich und tiefer die Melodien setzt. Besonders im Song „The Wheel“, der vom Lebensrausch als einem Rad erzählt – ein groovendes Stück, jazzig. Innovativ und phantasievoll ist die Komposition um ein Schloss aus Regentropfen oder etwa die gespielte Romanze, inspiriert von Edgar Allan Poe. Oder auch der Song „Little Ghost“, in dem es darum geht, was Geister mit einem machen können – musikalisch umgesetzt, richtig schön! Und echter Jam kommt nach der Pause mit dem Stück „Random“ auf – das ist schnell, rhythmisch komplex komponiert und überrascht mit Bossa Nova-Anklängen. Das Stück „The Captain of my Soul“ ist eine Eigenkomposition nach einem viktorianischen Gedicht von W.E. Henley – melodiös neuartig und kraftvoll kommt sie daher, mit tollen Basslines und originellen Jazz-Impros am Flügel.

Die Gäste im Salon sind mehr als angetan, es gibt viel Applaus, und nach dem Konzert hört man allenthalben, dass dieser Abend eine besondere Musik-Begegnung war. Vielleicht ein wenig so wie das letzte Stück des Duo Candour im Konzert: „Encounter 3“ – eine Begegnung der dritten Art, mit großartigen überraschenden Tonfolgen, klanglich besonders.

Natürlich gibt es sehr, sehr viel Applaus für Clara Haberkamp und Lisa Wulff, von den Gästen wie vom begeisterten Gastgeberpaar – auch für die gewährte Zugabe. Ein Jazz-Salon der besonderen Art. Ehrlich und bewegend, dafür steht das Duo Candour.

 

©Ulrike Groffy

Der Advent und das Weihnachtsfest sind eine Zeit der Rituale. Sie geben Halt in einer kompliziert gewordenen Welt, stehen für Verlässlichkeit und gehen oft einher mit einen Erlebnis in Gemeinschaft. Musik gehört unbedingt dazu – was gibt es also Schöneres als am Vorabend des 4. Advent wiederum einen Musik-Salon mit Jessica Gall zu erleben. Einen Abend mit adventlichen Liedern, die man kennt, aber so noch nicht gehört hat: Jessica Gall (Vocal, Saxophon, Glockenspiel), Robert Matt (Klavier, Vocal) und Johannes Feige (Gitarre, Vocal) präsentieren Songs von den letzten beiden Alben „Licht | Winterlieder“ und „Picture Perfect“. Sehr charmant moderiert von der Sängerin, deren sanfte Stimme ziemlich viel mehr kann, wie die vielen Gäste bereits beim ersten Lied erkennen („Süßer die Glocken nie klingen“). Ihre Stimme ist vielseitig und wandelbar, von Hoch bis Tief moduliert sie ohne Mühe, klingt mal leise, mal fordernd, in jedem Fall jazzig und soulig. Natürlich kommt auch der Titelsong ihres vorletzten Albums zu Gehör: „Picture Perfect“, ein berührender, intensiver Song über das Bild, das man sich von sich selbst macht. Begleitet, getragen und bisweilen überstimmt wird Jessica Gall von Robert Matt am Flügel, unnachahmlich, lustvoll in die Tasten greifend, improvisierend, kraftvoll. Und mit ungeheuer viel Spielfreude, die man ihm immer ansieht, nimmt er alle mit und unterstützt sonor mit seinem Begleitgesang. Das Stück „Weihnachtsfrau“ ist eine Eigenkomposition, witzig vorgetragen von Jessica Gall. Alte Weihnachtslieder wie „Es kommt ein Schiff geladen“ oder „Maria durch ein Dornwald ging“ rhythmisch ungewohnt neu präsentiert zu bekommen, mit Glockenspiel oder auch Sopransaxophon, das Jessica Gall mal eben so souverän spielt, begeistert die Zuhörer. Und Johannes Feige hat gleich zwei Gitarren mitgebracht: sein Spiel ist unbedingt virtuos, mal in der Begleitung, mal im Vordergrund mit tollen mitreißenden Riffs, aber auch schönen Improvisationen. Die drei Musiker sind perfekt aufeinander eingestimmt und lassen einander Raum für Gestaltung. Die Gäste sind begeistert, und berührt von der modern bearbeiteten altbekannten Weise „Stille Nacht, heilige Nacht“. Alle fühlen sich wohl im adventlich geschmückten Haus des Gastgeberpaares, und im Garten draußen schaukeln leise die Sterne in einem Baum.

Einzig der Winter fehlt zu diesem letzten Salon in Hannover in 2019.

 

©Ulrike Groffy

Der Bang&Olufsen Store am Landtag in Hannover öffnet bereits im sechsten Jahr seine Türen für einen Salon in der Reihe „musik zu Gast“. Mit Technik wie Kabel, Monitore und Scheinwerfer unterstützt die exposive medien gruppe dieses Konzert, der Sound kommt aus Lautsprechern von B&O. Stühle und kleine Leckereien erwarten die vielen Gäste, die den neu gestalteten Store bewundern. Der Gastgeber – Storemanager Rüdiger Horn und sein Team – begrüßt launig seine Gäste, die gespannt auf die bekannte Sängerin und Band „Tokunbo“ warten. Und sie eröffnet direkt mit ihrem Song „Cast away“, zieht die Zuhörer mit ihrer samtig vollen Stimme in den Bann. Tokunbo ist eine deutsch-nigerianische Soul-, Jazz- und Popsängerin, die als ehemalige Frontsängerin von Tok Tok Tok bereits weltweit sehr erfolgreich war. Nun ist sie solo mit Band unterwegs und bezaubert ihre Zuhörer mit ihren lyrischen Songs. Ihre englischen Lieder komponiert sie selbst, die Inspiration dazu kommt auch durch kleine Begebenheiten, die sie im Alltag erlebt. Einen Cover-Song hat sie mitgebracht, den sie wunderbar vorträgt: „Wake up alone“ von Amy Winehouse. Tokunbos erstes Soloalbum erschien 2014, im Jahr 2018 dann ihr zweites Album „The Swan“, dass diesem Konzert den Titel gibt. Charmant moderiert die Künstlerin ihr Konzert: mit „White Noise“ ist das Rauschen gemeint, durch das man immer mal wieder aus dem hektischen und dem politisch schwierigen Alltag entfliehen möchte. Der Song „Rebecca“ ist einer Freundin gewidmet (die nicht so heißt), die viele schlimme Sachen gemacht hat. Stimmlich begleitet wird Tokunbo von Anne de Wolff, die vielseitig und äußerst virtuos auch noch Geige spielt – mit langem Streichen eine besondere Stimmung schafft – und auch die Posaune bläst sowie ein Akkordeon zum Einsatz bringt und nebenbei die kleine Percussion mit Rasseln beherrscht. Bewundernswert. Am Bass und der Bassgitarre schafft Christian Flohr die richtig groovigen tiefen Akzente, neben Lars Ehrhardt, der für sein virtuos-fetziges Gitarrenspiel viel Applaus bekommt. Tokunbo begleitet sich meist selbst an der Gitarre, ihre Stimme variiert soulig zu den vorgetragenen, eher ruhigen Songs, und klingt immer voll und erdig. Musik und Stimme harmonieren, bilden nahezu einen Klangteppich, auf dem man entschweben kann. Tokunbo und zwei ihrer Bandmitglieder und auch ihr Techniker Ingo Schmidt kommen aus Hannover: Auf ihre Frage, was man in Hannover gern isst, hat Tokunbo einen Song über „Grünkohl“ geschrieben, nämlich tatsächlich „Apple Pie“. Und am Schluss kommt der Titelsong, als zweite Zugabe, endlich. „The Swan“. Ein Musiksalon mit einer schönen Mischung aus Folk, Pop und Jazz. Es gibt viel Applaus von den begeisterten Gästen, die sehr angerührt sind von Tokunbos Musik, die viel Gefühl rüberbringt. Wenn Musik verbindet, dann hat sie es an diesem Abend auf jeden Fall.