Wir haben es getan – salonfestival in Zeiten von Corona: 

 

Ein Salonkonzert in Zeiten von Corona – geht das überhaupt? Diese Frage beschäftigte uns nicht nur im März 2020 , als wir mit August August endlich unsere Wunschmusiker für unser im August geplantes Salonkonzert gefunden hatten. Die weiteren Entwicklungen im kulturellen und privaten Bereich sind hinlänglich bekannt und nicht nur einmal haben wir uns als Gastgeber und die Programmleitung gefragt: Wird unser Salonkonzert stattfinden?

 

Nun hatten wir in mehrfacher Weise Glück. Da es nach kurzer Zeit erst halb so viele Anmeldungen gab, wie möglich gewesen wären, wurde erstmal die Anmeldeliste geschlossen. Auch ergaben sich im Juli einige Lockerungen im Hinblick auf die Corona-Auflagen. Zudem waren uns die Gäste (nahezu) allesamt bekannt. Zwei Wochen vor dem Konzert galt es dann eine Entscheidung zu treffen. Wir wollten ‚unser‘ Konzert, die Gäste wollten das Konzert, die Programmleitung wollte ein nicht nur virtuelles Konzert und das wollten natürlich auch die Musiker, die sogar vom Duo zum Trio avancierten.

 

So entwickelten wir das Konzept für ein Garten-Konzert: Die Musiker auf die – überdachte – Terrasse (Wird die Akustik dies zulassen?), die Gäste allesamt sitzend und mit Abstand auf die – nicht überdachte – Rasenfläche davor (Wird das Wetter halten?), die Getränke (beschriftete Gläser) und Speisen (keine Selbstbedienung) voneinander getrennt (Wird jeder die Desinfektionsvorgaben beachten?) und natürlich Maskenpflicht drinnen, Händedesinfektion und Abstand.

 

Und – das Konzept ging auf: Die Akustik war klasse (bis hin zu den umliegenden begeisterten Nachbarn im Viertel), das Wetter hat ‚mitgespielt‘, die Gäste zeigten sich geübt im Umgang mit allen Vorgaben und belohnten den Mut der Musiker, der Gastgeber und der Programmleitung mit viel Applaus.

 

Die Musiker waren glücklich ihr Können ‚offline‘ zu zeigen und belohnten das Publikum mit reichlich Zugaben. Das Publikum war begeistert – auch von der ‚eisigen‘ Pausenüberraschung und die Resonanz für die Gastgeber war überwältigend : ‚zauberhaftes Konzert in besonderer Atmosphäre‘, ‚unglaublich gelungener unterhaltsamer musikalischer und hygienischer Abend in ganz besonderer Zeit mit eiskalter Überraschung‘, ‚unglaublich schöner Abend‘, ‚angetan vom Ambiente‘, ‚haben [wir] den Abend sehr genossen – endlich wieder Kultur in dem schönen Ambiente‘, ‚ein wunderschöner Abend, den wir lange erinnern werden‘. Auch wir als Gastgeber waren ganz verzaubert und glücklich uns für die Durchführung des Konzertes entschieden und noch rechtzeitig vor dem Konzert Julian und sein Eisfahrrad kennengelernt zu haben. Sein superleckeres Eis hat – ebenfalls coronakonform – ‚bombig‘ eingeschlagen.

 

Aber es waren insbesondere natürlich die Musiker Kate, Dave u. Greg von August August, die den Abend zu einem ‚zauberhaften‘ gemacht haben – die lebendige Musik, die kreativen Texte, die nicht minder kreativen Moderationen von Kate – ein tolles Konzert. Unser Dank für diesen schönen, musikalischen und geselligen Abend in Zeiten von Corona gilt deshalb insbesondere den Musikern und natürlich auch unseren Gästen für ihren Mut zu kommen und ein bisschen stolz sind wir auch, ‚dass wir es getan haben‘ – unser Salonkonzert in Zeiten von Corona.

 

Antje & Wolfgang Hoffmann

 

Kreativ und offen – Duo Candour

 

Die Reihe der Musiksalons in Hannover in 2020 eröffnet eine Premiere: Das Duo Candour steht für Innnovation und Kreativität im Jazz und spielt zum ersten Mal ein neues Programm.

Candour bedeutet Ehrlichkeit und Offenheit – und so ist auch die Musik der beiden jungen Jazzerinnen. Lisa Wulff kommt aus Hamburg, wo ihr 2019 der renommierte Hamburger Jazzpreis zuerkannt wurde, sie ist Jazzbassistin, Studiomusikerin, Komponistin und Sängerin. Clara Haberkamp sitzt am Flügel, sie kommt aus Berlin, ist auch Sängerin und Komponistin und hat für ihr außerordentliches Jazzspiel bereits viele Auszeichnungen erhalten, auf Jazzfestivals ist sie gerngesehener Gast.

Und die Presse lobt sie als „vollendete Tonpoetin“. In der Tat sind beide Musikerinnen ungewöhnlich talentiert, technisch perfekt und spielerisch einfallsreich. Das Duo spielt an diesem Abend vor allem eigene Kompositionen und auch Jazzstandards, eine äußerst interessante Mischung aus Jazz und Singer&Songwriter – wie die zahlreichen Gäste bereits am ersten Stück hören. Ein brillant klarer Anschlag am Flügel, ein präzis gespielter Bass, der durch seine Tiefen allen Stücken groovige Basslines verleiht. Das Duo lässt auch Elektronik ins Spiel: „Portrait“ heißt der zweite Song mit toller Bassrhytmik am E-Bass und einem lustvollen Spiel am E-Piano. Ein schöner zweistimmiger Song mit einer gut entwickelten Melodie. Überhaupt klingen die Stimmen der beiden wunderbar zusammen: Clara Haberkamps Stimme gibt die Höhe vor, während Lisa Wulffs Stimme samtig, weich und tiefer die Melodien setzt. Besonders im Song „The Wheel“, der vom Lebensrausch als einem Rad erzählt – ein groovendes Stück, jazzig. Innovativ und phantasievoll ist die Komposition um ein Schloss aus Regentropfen oder etwa die gespielte Romanze, inspiriert von Edgar Allan Poe. Oder auch der Song „Little Ghost“, in dem es darum geht, was Geister mit einem machen können – musikalisch umgesetzt, richtig schön! Und echter Jam kommt nach der Pause mit dem Stück „Random“ auf – das ist schnell, rhythmisch komplex komponiert und überrascht mit Bossa Nova-Anklängen. Das Stück „The Captain of my Soul“ ist eine Eigenkomposition nach einem viktorianischen Gedicht von W.E. Henley – melodiös neuartig und kraftvoll kommt sie daher, mit tollen Basslines und originellen Jazz-Impros am Flügel.

Die Gäste im Salon sind mehr als angetan, es gibt viel Applaus, und nach dem Konzert hört man allenthalben, dass dieser Abend eine besondere Musik-Begegnung war. Vielleicht ein wenig so wie das letzte Stück des Duo Candour im Konzert: „Encounter 3“ – eine Begegnung der dritten Art, mit großartigen überraschenden Tonfolgen, klanglich besonders.

Natürlich gibt es sehr, sehr viel Applaus für Clara Haberkamp und Lisa Wulff, von den Gästen wie vom begeisterten Gastgeberpaar – auch für die gewährte Zugabe. Ein Jazz-Salon der besonderen Art. Ehrlich und bewegend, dafür steht das Duo Candour.

 

©Ulrike Groffy

Der Advent und das Weihnachtsfest sind eine Zeit der Rituale. Sie geben Halt in einer kompliziert gewordenen Welt, stehen für Verlässlichkeit und gehen oft einher mit einen Erlebnis in Gemeinschaft. Musik gehört unbedingt dazu – was gibt es also Schöneres als am Vorabend des 4. Advent wiederum einen Musik-Salon mit Jessica Gall zu erleben. Einen Abend mit adventlichen Liedern, die man kennt, aber so noch nicht gehört hat: Jessica Gall (Vocal, Saxophon, Glockenspiel), Robert Matt (Klavier, Vocal) und Johannes Feige (Gitarre, Vocal) präsentieren Songs von den letzten beiden Alben „Licht | Winterlieder“ und „Picture Perfect“. Sehr charmant moderiert von der Sängerin, deren sanfte Stimme ziemlich viel mehr kann, wie die vielen Gäste bereits beim ersten Lied erkennen („Süßer die Glocken nie klingen“). Ihre Stimme ist vielseitig und wandelbar, von Hoch bis Tief moduliert sie ohne Mühe, klingt mal leise, mal fordernd, in jedem Fall jazzig und soulig. Natürlich kommt auch der Titelsong ihres vorletzten Albums zu Gehör: „Picture Perfect“, ein berührender, intensiver Song über das Bild, das man sich von sich selbst macht. Begleitet, getragen und bisweilen überstimmt wird Jessica Gall von Robert Matt am Flügel, unnachahmlich, lustvoll in die Tasten greifend, improvisierend, kraftvoll. Und mit ungeheuer viel Spielfreude, die man ihm immer ansieht, nimmt er alle mit und unterstützt sonor mit seinem Begleitgesang. Das Stück „Weihnachtsfrau“ ist eine Eigenkomposition, witzig vorgetragen von Jessica Gall. Alte Weihnachtslieder wie „Es kommt ein Schiff geladen“ oder „Maria durch ein Dornwald ging“ rhythmisch ungewohnt neu präsentiert zu bekommen, mit Glockenspiel oder auch Sopransaxophon, das Jessica Gall mal eben so souverän spielt, begeistert die Zuhörer. Und Johannes Feige hat gleich zwei Gitarren mitgebracht: sein Spiel ist unbedingt virtuos, mal in der Begleitung, mal im Vordergrund mit tollen mitreißenden Riffs, aber auch schönen Improvisationen. Die drei Musiker sind perfekt aufeinander eingestimmt und lassen einander Raum für Gestaltung. Die Gäste sind begeistert, und berührt von der modern bearbeiteten altbekannten Weise „Stille Nacht, heilige Nacht“. Alle fühlen sich wohl im adventlich geschmückten Haus des Gastgeberpaares, und im Garten draußen schaukeln leise die Sterne in einem Baum.

Einzig der Winter fehlt zu diesem letzten Salon in Hannover in 2019.

 

©Ulrike Groffy