Kreativ und offen – Duo Candour

 

Die Reihe der Musiksalons in Hannover in 2020 eröffnet eine Premiere: Das Duo Candour steht für Innnovation und Kreativität im Jazz und spielt zum ersten Mal ein neues Programm.

Candour bedeutet Ehrlichkeit und Offenheit – und so ist auch die Musik der beiden jungen Jazzerinnen. Lisa Wulff kommt aus Hamburg, wo ihr 2019 der renommierte Hamburger Jazzpreis zuerkannt wurde, sie ist Jazzbassistin, Studiomusikerin, Komponistin und Sängerin. Clara Haberkamp sitzt am Flügel, sie kommt aus Berlin, ist auch Sängerin und Komponistin und hat für ihr außerordentliches Jazzspiel bereits viele Auszeichnungen erhalten, auf Jazzfestivals ist sie gerngesehener Gast.

Und die Presse lobt sie als „vollendete Tonpoetin“. In der Tat sind beide Musikerinnen ungewöhnlich talentiert, technisch perfekt und spielerisch einfallsreich. Das Duo spielt an diesem Abend vor allem eigene Kompositionen und auch Jazzstandards, eine äußerst interessante Mischung aus Jazz und Singer&Songwriter – wie die zahlreichen Gäste bereits am ersten Stück hören. Ein brillant klarer Anschlag am Flügel, ein präzis gespielter Bass, der durch seine Tiefen allen Stücken groovige Basslines verleiht. Das Duo lässt auch Elektronik ins Spiel: „Portrait“ heißt der zweite Song mit toller Bassrhytmik am E-Bass und einem lustvollen Spiel am E-Piano. Ein schöner zweistimmiger Song mit einer gut entwickelten Melodie. Überhaupt klingen die Stimmen der beiden wunderbar zusammen: Clara Haberkamps Stimme gibt die Höhe vor, während Lisa Wulffs Stimme samtig, weich und tiefer die Melodien setzt. Besonders im Song „The Wheel“, der vom Lebensrausch als einem Rad erzählt – ein groovendes Stück, jazzig. Innovativ und phantasievoll ist die Komposition um ein Schloss aus Regentropfen oder etwa die gespielte Romanze, inspiriert von Edgar Allan Poe. Oder auch der Song „Little Ghost“, in dem es darum geht, was Geister mit einem machen können – musikalisch umgesetzt, richtig schön! Und echter Jam kommt nach der Pause mit dem Stück „Random“ auf – das ist schnell, rhythmisch komplex komponiert und überrascht mit Bossa Nova-Anklängen. Das Stück „The Captain of my Soul“ ist eine Eigenkomposition nach einem viktorianischen Gedicht von W.E. Henley – melodiös neuartig und kraftvoll kommt sie daher, mit tollen Basslines und originellen Jazz-Impros am Flügel.

Die Gäste im Salon sind mehr als angetan, es gibt viel Applaus, und nach dem Konzert hört man allenthalben, dass dieser Abend eine besondere Musik-Begegnung war. Vielleicht ein wenig so wie das letzte Stück des Duo Candour im Konzert: „Encounter 3“ – eine Begegnung der dritten Art, mit großartigen überraschenden Tonfolgen, klanglich besonders.

Natürlich gibt es sehr, sehr viel Applaus für Clara Haberkamp und Lisa Wulff, von den Gästen wie vom begeisterten Gastgeberpaar – auch für die gewährte Zugabe. Ein Jazz-Salon der besonderen Art. Ehrlich und bewegend, dafür steht das Duo Candour.

 

©Ulrike Groffy

Der Advent und das Weihnachtsfest sind eine Zeit der Rituale. Sie geben Halt in einer kompliziert gewordenen Welt, stehen für Verlässlichkeit und gehen oft einher mit einen Erlebnis in Gemeinschaft. Musik gehört unbedingt dazu – was gibt es also Schöneres als am Vorabend des 4. Advent wiederum einen Musik-Salon mit Jessica Gall zu erleben. Einen Abend mit adventlichen Liedern, die man kennt, aber so noch nicht gehört hat: Jessica Gall (Vocal, Saxophon, Glockenspiel), Robert Matt (Klavier, Vocal) und Johannes Feige (Gitarre, Vocal) präsentieren Songs von den letzten beiden Alben „Licht | Winterlieder“ und „Picture Perfect“. Sehr charmant moderiert von der Sängerin, deren sanfte Stimme ziemlich viel mehr kann, wie die vielen Gäste bereits beim ersten Lied erkennen („Süßer die Glocken nie klingen“). Ihre Stimme ist vielseitig und wandelbar, von Hoch bis Tief moduliert sie ohne Mühe, klingt mal leise, mal fordernd, in jedem Fall jazzig und soulig. Natürlich kommt auch der Titelsong ihres vorletzten Albums zu Gehör: „Picture Perfect“, ein berührender, intensiver Song über das Bild, das man sich von sich selbst macht. Begleitet, getragen und bisweilen überstimmt wird Jessica Gall von Robert Matt am Flügel, unnachahmlich, lustvoll in die Tasten greifend, improvisierend, kraftvoll. Und mit ungeheuer viel Spielfreude, die man ihm immer ansieht, nimmt er alle mit und unterstützt sonor mit seinem Begleitgesang. Das Stück „Weihnachtsfrau“ ist eine Eigenkomposition, witzig vorgetragen von Jessica Gall. Alte Weihnachtslieder wie „Es kommt ein Schiff geladen“ oder „Maria durch ein Dornwald ging“ rhythmisch ungewohnt neu präsentiert zu bekommen, mit Glockenspiel oder auch Sopransaxophon, das Jessica Gall mal eben so souverän spielt, begeistert die Zuhörer. Und Johannes Feige hat gleich zwei Gitarren mitgebracht: sein Spiel ist unbedingt virtuos, mal in der Begleitung, mal im Vordergrund mit tollen mitreißenden Riffs, aber auch schönen Improvisationen. Die drei Musiker sind perfekt aufeinander eingestimmt und lassen einander Raum für Gestaltung. Die Gäste sind begeistert, und berührt von der modern bearbeiteten altbekannten Weise „Stille Nacht, heilige Nacht“. Alle fühlen sich wohl im adventlich geschmückten Haus des Gastgeberpaares, und im Garten draußen schaukeln leise die Sterne in einem Baum.

Einzig der Winter fehlt zu diesem letzten Salon in Hannover in 2019.

 

©Ulrike Groffy

Der Bang&Olufsen Store am Landtag in Hannover öffnet bereits im sechsten Jahr seine Türen für einen Salon in der Reihe „musik zu Gast“. Mit Technik wie Kabel, Monitore und Scheinwerfer unterstützt die exposive medien gruppe dieses Konzert, der Sound kommt aus Lautsprechern von B&O. Stühle und kleine Leckereien erwarten die vielen Gäste, die den neu gestalteten Store bewundern. Der Gastgeber – Storemanager Rüdiger Horn und sein Team – begrüßt launig seine Gäste, die gespannt auf die bekannte Sängerin und Band „Tokunbo“ warten. Und sie eröffnet direkt mit ihrem Song „Cast away“, zieht die Zuhörer mit ihrer samtig vollen Stimme in den Bann. Tokunbo ist eine deutsch-nigerianische Soul-, Jazz- und Popsängerin, die als ehemalige Frontsängerin von Tok Tok Tok bereits weltweit sehr erfolgreich war. Nun ist sie solo mit Band unterwegs und bezaubert ihre Zuhörer mit ihren lyrischen Songs. Ihre englischen Lieder komponiert sie selbst, die Inspiration dazu kommt auch durch kleine Begebenheiten, die sie im Alltag erlebt. Einen Cover-Song hat sie mitgebracht, den sie wunderbar vorträgt: „Wake up alone“ von Amy Winehouse. Tokunbos erstes Soloalbum erschien 2014, im Jahr 2018 dann ihr zweites Album „The Swan“, dass diesem Konzert den Titel gibt. Charmant moderiert die Künstlerin ihr Konzert: mit „White Noise“ ist das Rauschen gemeint, durch das man immer mal wieder aus dem hektischen und dem politisch schwierigen Alltag entfliehen möchte. Der Song „Rebecca“ ist einer Freundin gewidmet (die nicht so heißt), die viele schlimme Sachen gemacht hat. Stimmlich begleitet wird Tokunbo von Anne de Wolff, die vielseitig und äußerst virtuos auch noch Geige spielt – mit langem Streichen eine besondere Stimmung schafft – und auch die Posaune bläst sowie ein Akkordeon zum Einsatz bringt und nebenbei die kleine Percussion mit Rasseln beherrscht. Bewundernswert. Am Bass und der Bassgitarre schafft Christian Flohr die richtig groovigen tiefen Akzente, neben Lars Ehrhardt, der für sein virtuos-fetziges Gitarrenspiel viel Applaus bekommt. Tokunbo begleitet sich meist selbst an der Gitarre, ihre Stimme variiert soulig zu den vorgetragenen, eher ruhigen Songs, und klingt immer voll und erdig. Musik und Stimme harmonieren, bilden nahezu einen Klangteppich, auf dem man entschweben kann. Tokunbo und zwei ihrer Bandmitglieder und auch ihr Techniker Ingo Schmidt kommen aus Hannover: Auf ihre Frage, was man in Hannover gern isst, hat Tokunbo einen Song über „Grünkohl“ geschrieben, nämlich tatsächlich „Apple Pie“. Und am Schluss kommt der Titelsong, als zweite Zugabe, endlich. „The Swan“. Ein Musiksalon mit einer schönen Mischung aus Folk, Pop und Jazz. Es gibt viel Applaus von den begeisterten Gästen, die sehr angerührt sind von Tokunbos Musik, die viel Gefühl rüberbringt. Wenn Musik verbindet, dann hat sie es an diesem Abend auf jeden Fall.

Ein Mittagskonzert in Hannover: Der Flügel ist offen, ein Blüthner-Flügel aus der Mitte des 19. Jahrhunderts verspricht einen besonderen Klang, denn er ist tiefer gestimmt. Er klingt weicher, voller und hat einen anderen Anschlag. Was die beiden Pianistinnen klangvoll demonstrieren: Carlota Amado und Tonia Čuić haben sich ein anspruchsvolles Programm erarbeitet, was sie dem Publikum darbieten. Die Musikerinnen haben sich an der Musikhochschule Karlsruhe kennengelernt, beide haben bereits zahlreiche Auftritte in wechselnden Besetzungen im In- und Ausland absolviert und auch Preise eingeheimst. Sie verstehen sich blind an den Tasten, greifen in – und übereinander, wie es die Fingersätze bei diesen teils komplizierten Stücken verlangen. Die Fantasie in f-moll op.103 D 940 ist wohl die bedeutendste Komposition für mehrere Hände von Franz Schubert, die er kurz vor seinem Tod 1828 fertig gestellt hat. Virtuos spielen sich die Pianistinnen durch die vier Sätze, interpretieren einfühlsam dieses spannungsreiche Stück. Es folgen Fünf Spanische Tänze op.12 des deutschen Komponisten Moritz Moszkowski, der seinen ersten Musikunterricht in Breslau und Dresden erhielt. Eine populäre Komposition, sehr komplex und anspruchsvoll zu spielen. Die Tänze stammen aus dem Jahr 1876, seinerzeit war das vierhändige Spiel in den bürgerlichen Häusern sehr beliebt. Die Gäste im Salon hören begeistert zu und die Füße wippen im Takt. In der Pause gibt es kleine Leckereien und Getränke, Gespräche über das Gehörte und viel Interesse an diesem besonderen Flügel. 

Carlota Amado und Tonia Čuić haben dann noch ein weiteres bekanntes Werk aus der Romantik ausgewählt: Acht Stücke aus den Ungarischen Tänzen von Johannes Brahms, 1858 – 69 entstanden. Brahms war Hamburger und von den Zigeunertänzen und ungarischer Musik überhaupt fasziniert: temperamentvoll meistern die beiden Pianistinnen besonders das „Allegro“ und „Vivace“, komponiert in moll und Dur. Sie spielen mit viel Leidenschaft und halten ein zum Teil hohes erfordertes Tempo souverän. Und ihre Hände kommen sich ohne Probleme oft in die Quere!

Es gibt viel und langen Applaus, auch vom Gastgeberpaar, das sich genau diese Pianistinnen ins Haus gewünscht hat. Nach zwei Zugaben gibt es noch ein Spiel: spontan und von beiden noch nie gespielt: „Let it be“ von den Beatles. Warum? Weil genau dieses Stück an einem Blüthner-Flügel eingespielt wurde. Wunderbar.

Ein Klavierabend im Salon ist immer etwas Besonderes: ein Hauskonzert im besten Sinne. Offen und zugleich privat, persönlich. Ein herzlicher Empfang durch die Gastgeber, Getränke und ein liebevoll angerichtetes Buffet stehen bereit, Stühle sind aufgestellt. Und der Flügel weit offen: Konzentriert und kraftvoll eröffnet die Pianistin Viviana-Zarah Baudis mit Beethovens Sonate Nr. 26 „Les Adieux“ ihr Konzert, ein emotionales Stück mit einer langsamen Einleitung, das am Ende in ein feuriges Allegro mündet, in dem große Freude zum Ausdruck kommt, schließlich geht es um ein Wiedersehen. Viviana Baudis spielt technisch perfekt, sehr konzentriert und absolut beeindruckend, als mehrfache 1. Bundespreisträgerin bei „Jugend musiziert“ und nach zahlreichen internationalen Auftritten hat sie Meisterkurse nicht nur in Wien, sondern auch in Italien und den USA besucht. Von Lang Lang wurde sie als beste Nachwuchspianistin aus aller Welt ausgewählt und ist mit ihm bereits gemeinsam aufgetreten.

 „Entdeckungen“ hat sie ihr Programm überschrieben und meint damit vor allem die beiden kurzen, sehr modernen Stücke von Gabriel Prokofiev, einem zeitgenössischen russisch-britischen Komponisten und DJ, einem Enkel des großen Prokofiev. „Sketch“ und „Cold Window“ sind zwei Kompositionen aus dem noch nicht fertigen Piano Book Prokofievs, rhythmisch komplex und knallend, etwas ungewohnt für das klassische Ohr. Und dann kommt Johannes Brahms: Den letzten Klavierzyklus von 1892, „Fantasien“ Op. 116, spielt Viviana Baudis im zügigen Tempo, leidenschaftlich und voll. Rasche Läufe wechseln mit verhalten melancholischen Passagen in diesem Stück, das Lebensreflexionen assoziieren lässt. Baudis akzentuiert hier sehr bewusst – es gibt viel Applaus für diese gelungene Interpretation und ihr virtuoses Spiel.

Franz Schubert, der große unermüdliche Komponist der frühen Romantik, steht nach einer kurzen Pause auf dem Programm: seine „Impromptus“ Op.90, die er ein Jahr vor seinem Tod 1827 komponierte. Viviana Baudis arbeitet hier das Thema voll heraus und vermittelt den Zuhörern viel musikalisches Gefühl, besonders im zweiten Teil, das perlend, heiter, nahezu tänzerisch daherkommt. Impromptus bedeuten unmittelbares Lebensgefühl, aus dem Moment heraus erdacht, sind ausdrucksstark, was Viviana Baudis perfekt umsetzen kann.

Das letzte Stück dieses Abends ist extrem anspruchsvoll, ein Stück „bei dem manche Pianisten blutige Hände bekommen“, wie Baudis ankündigt – sie aber nicht. Behände und souverän spielt sie den ersten Satz aus Bela Bartoks „Sonata For Piano“ Sz.80, mit kraftvollem Anschlag und hohem Tempo, was Bewunderung verdient. Natürlich gibt es viel Applaus von den begeisterten Gästen und dem Gastgeberpaar – und dann noch eine kurze Zugabe von Chopin. Ein Abend voll besonderer Klangentfaltung – „Entdeckungen“ eben!

Ein gemütliches Wohnzimmer in Hannover ist geöffnet: Stühle und Hocker stehen bunt gewürfelt bereit, auch ein Sofa lädt zum Sitzen ein. Draußen regnet es seit Stunden, drinnen erwartet die Gäste ein spanischer Abend.

Das Essener Gitarrenduo – Bernd Steinmann und Stefan Loos – hat die Saiten ihrer klassischen Gitarren gestimmt. Bereits seit 30 Jahren spielen die beiden zusammen und begeistern mit ihrem überaus virtuosen Gitarrenspiel ihre Zuhörer. Zahlreiche Konzertauftritte im In- und Ausland haben die Gitarristen bereits absolviert, aber ein Wohnzimmerkonzert ist auch für sie immer etwas Besonderes. Die ersten beiden Stücke stammen von ihrer neuen CD, die im Dezember erscheinen wird. Auch Melodien aus Bizets Oper „Carmen“ kommen in eigener Bearbeitung zu Gehör. Es wird gezupft, geklopft und vor allem ‚gegriffen’ – das Publikum merkt rasch, hier sind zwei Vollblutmusiker am Werk, mit viel Lust am Spiel ( „El Hombre“). Es sind vor allem Tänze zu hören ( „Rumba Oriental“, „ Zigeunertanz“, „Rumba furioso“), und die Füsse der Gäste wippen rasch im Takt. Bei „Rumba chico“ hört man den Einfluss der Mauren auf die spanische Musik besonders deutlich, ein Stück zum Wegträumen. Einige der Gäste spielen selbst Gitarre, bewundert werden die schnellen Finger, die Exaktheit des Spiels und das stimmige Abwechseln von Melodie und Begleitung. Und natürlich wird viel gelacht, denn Bernd Steinmann und Stefan Loos moderieren mit viel Witz durch das Konzert – nicht ohne Verweis auf ihre mitgebrachten CDs. Stefan Loos, der übrigens auch Malerei studiert hat, erzählt liebevoll von seiner kleinen Enkeltochter und stellt seine gefühlvolle Komposition vor, der Enkelin gewidmet: „Mathilda“. Das letzte Stück „Rumba Tambora“ ist schwungvoll und mitreißend und bildet einen grandiosen Abschluss eines rundum schönen Konzertes.

Natürlich gibt es viel Applaus, von den strahlenden Gastgebern noch eine Flasche Wein für die Musiker, die noch eine Zugabe spielen. Es regnet immer noch, aber der spanische Abend hat viel Sonne gebracht.

Als ich von meiner Tante und meinem Onkel gefragt wurde, ob ich zu ihnen kommen möchte, wenn sie das dritte Mal das „salonfestival“ bei ihnen veranstalten, konnte ich mir nichts darunter vorstellen, da es mein erstes Konzert überhaupt war. Doch jetzt weiß ich, es ist wirklich wunderschön und was ganz Besonderes…

Die Vorbereitungen liefen auf Hochtouren als (endlich!) Milou & Flint kamen. Ich war sehr neugierig, als sie anfingen, alles aufzubauen und die Instrumente dem Raum anzupassen. In der Zwischenzeit kam auch das (wirklich sehr leckere) Finger-Food. Somit war alles vorbereitet und die Gäste konnten kommen. Alle Sitzplätze waren besetzt und die Zuschauer gespannt. Milou & Flint fingen an zu spielen und man merkte schnell, das Publikum war begeistert!! Es wurde nie langweilig, denn es wurden immer neue Geschichten ausgepackt und die Zuschauer mit in die Show involviert. Es wurden zwei Sets gespielt und in der Pause war ich sehr positiv überrascht, dass Milou und Flint sich mit den Zuschauern unterhielten (und so wie es aussah auch sehr amüsierten) und dabei so bodenständig und sympathisch waren.

Als das Konzert zu Ende war, gab es noch eine Box, in der die CDs lagen, die das Duo rausgebracht hatte. Ich bin sofort zu meiner Tante und meinte: „So eine möchte ich unbedingt haben!“ (am nächsten Tag wurde sie gleich von vorn bis hinten durchgehört!)

Mit einer der schönsten Momente war es auch, sich mit so vielen netten Leute zu unterhalten, die man teilweise gar nicht kannte, sondern vielleicht nur vom Namen. Würstchen und Nudelsalat haben den Abend langsam ausklingen lassen und die ersten Gäste haben sich dann auch auf den Heimweg gemacht. Ich bin todmüde ins Bett gefallen und habe den Abend nochmal Revue passieren lassen und bin zu dem Entschluss gekommen, ich möchte so etwas unbedingt nochmal erleben.

Leonie

Deutschlands Pionier der Naturheilkunde, Professor Dr. Gustav Dobos, heute führend in der Erforschung und Evaluierung Mind-Body-medizinischer und naturheilkundlicher Behandlungsansätze, gemeinsam mit 40 höchst interessierten und motivierten Zuhörern zu Gast im Haus einer Yoga-Lehrerin – was für ein Dream-Team beim Salonfestival!

Als Leiter der Klinik für Naturheilkunde und Integrative Medizin an den Kliniken Essen-Mitte und als Inhaber des ersten deutschen Lehrstuhls für Naturheilkunde an der Universität Duisburg-Essen hat Professor Dobos sowohl in der Theorie als auch in der Praxis einen einmaligen und wertvollen Erfahrungsschatz an Wissen über die Kombination von schulmedizinischen und naturheilkundlichen Therapie-Möglichkeiten gesammelt.

Dabei haben sich Yoga und Meditation als höchst wirksame Behandlungsansätze herausgestellt. So beweisen Meta-Studien die Wirksamkeit von Yoga etwa bei Krebs (insbesondere bei Brustkrebs) und Rückenschmerzen, zwei der größten Volkskrankheiten. Besonders bei der Behandlung der Nebenwirkungen der klassischen Brustkrebs-Therapie (Ängste und Depressionen) ist Yoga sehr erfolgreich. Professor Dobos betont, dass sämtliche Aussagen seines Vortrags belegbar sind.

Die Entstehung der Opioid-Krise in den USA hat gezeigt, mit welcher Bedenkenlosigkeit und Unverantwortlichkeit Schmerzmittel flächendeckend eingesetzt wurden. Ursprünglich von einem einzigen Anbieter mit einem ausgeklügelten Marketing-Konzept auf den Markt gebracht, wurden Nebenwirkungen und die Gefahr schnellster Abhängigkeit konsequent unter den Teppich gekehrt. Vielen Menschen mit chronischen Schmerzen kann jedoch mit dem Erlernen der Achtsamkeit geholfen werden, wie es in den Kliniken Essen-Mitte geschieht. Dabei wird das Konzept der „non-judging awareness“ von Jon Kabat-Zinn gelehrt, in dem die Schulung der Achtsamkeit mit dem Kräftigen eines Muskels verglichen wird, was zu einer Stress-Reduktion im Körper führt.

Ein anderes Beispiel: 900.000 Katheter-Untersuchungen in deutschen Kliniken – das sind 3,5 mal so viele wie der westeuropäische Durchschnitt – bringen wohl keinen nachweisbaren Vorteil, denn die deutschen Männer haben von allen Männern in Westeuropa die niedrigste Lebenserwartung. Vorteile für die Lebensdauer bringt hier jedoch ein gesunder und bewusster Lebensstil. Das beweist, dass sogar genetische Prädispositionen positiv beeinflusst werden können, und zwar zu 80-90%. Wer mehr wissen möchte, kann dies im neuesten Buch von Professor Dobos „Das gestresste Herz“ nachlesen.

„Meditieren ist, als würde man sich einen Fallschirm weben, bevor einen die Stürme des Lebens aus dem Flugzeug werfen“

„Mind-Body-Medizin ist eine Therapie für eine dickere Haut“

Begeisterte Patienten beschreiben so ihre Erfahrungen mit den alternativen Methoden, wobei es jedem selber überlassen bleibt, aus dem breiten Spektrum des Angebots das herauszusuchen, was ihm am besten tut. Denn auch dies zeigen zahlreiche Studien: Sich wohl zu fühlen und schon das Bewusstsein darüber, seinem Körper etwas Gutes zu tun, ist von nachweisbarem Nutzen. Das liegt wohl daran, dass durch die jeweiligen Übungen das Streßzentrum des Gehirns herunterreguliert wird; die graue Gehirn-Substanz (substantia nigra) verdichtet sich und schützt Hirn und Körper vor den schädlichen biochemischen Prozessen.

Meditation – die Hippie-Bewegung ist zum Mainstream geworden! Eine Studie unter Harvard-Studenten beweist, dass regelmäßige (das heisst im besten Falle tägliche) Meditation zur Regulation von Emotionen führt. Es leben diejenigen am längsten, die gesund und ausgeglichen mit ihren Emotionen umgehen. Das Erleben großer Gefühlsausbrüche stresst nämlich das Gehirn, und je trainierter dieses durch Entspannungsübungen ist, dessen weniger Schaden nimmt es.

Abschließend begleitete uns Professor Dobos durch eine gemeinsamen Meditation; so erlebten wir am eigenen Körper die entspannende und beruhigende Wirkung des Zu-Sich-Kommens und konnten danach in eine spannende Fragerunde und den Austausch eigener Erfahrungen starten.

von Stephanie Oberbeckmann (Festivalteam Essen)

Das Trio boisé aus Hamburg war bei uns zu Besuch, zwei Klarinetten und ein Fagott. Eigentlich wollten wir das Konzert ja im Garten stattfinden lassen, besser: Die Musici vom Balkon aus, die Zuhörer im Garten. Wer aber hätte erwarten können, daß sich in dieser Klimawandelzeit der Winter bis in den späten Mai ausdehnt? Also wieder Wohnzimmer, dieses Mal mit den Musikern in der Mitte. Das kam bei den Gästen gut an. 

Wenn ich Klarinetten höre, denke ich immer an Lummerland und erwarte, daß irgendwann einmal die gute alte Emma pfeifend zur Tür hereindampft. Die ersten Stücke von Julius Fucik jedenfalls klangen in meinen Ohren sehr danach. Sie haben von Fucik noch nie gehört? Sein berühmtestes Stück, den Marsch “Einzug der Gladiatoren” kennt wirklich jeder – es sei denn, er wäre in seinem Leben noch nie im Zirkus gewesen. 

Ein musikalisch so einfach gestricktes Gemüt wie meins kann man mit Klassik immer beglücken: Zwei Menuette von Haydn blubberten fröhlich daher, danach zwei Trios von François Devienne. 

Es gibt für zwei Klarinetten und Fagott sehr wenig Originalliteratur. Unsere Musiker haben sich daher bei den Bassethörnern bedient, die speziell Mozart sehr geschätzt habe. Ich höre die heutige Besetzung lieber. 

Nach der Pause Präludium und Fuge des englischen Komponisten Richard Walthew. Wer weiß? Vielleicht hat er das Werk seinem Sohn, einem Klarinettisten, auf den Leib geschrieben? Mir war es etwas zu getragen. 

Kein ernsthaftes Klassikkonzert darf ohne Musik des 20. Jahrhunderts auskommen, und ich muß das dann aushalten: Drei Trialoge (?) eines noch lebenden deutschen Komponisten Deutschmann (!) bewiesen, daß Klarinetten und Fagott auch mal ganz anders klingen können. 

Zum Glück für mich kam dann noch ein langer Mozart hinterdrein, und als Zugabe ein Haydn. 

Holzbläser höre ich einfach gern. Und den Zuhörern hat es offensichtlich auch gefallen. Reichlich Beifall, viele angeregte Gespräche.