Ieva Dudaite: Tiersen trifft Chopin – ein Klavier-Rezital.

Wie kann man Frederic Chopin und Yann Tiersen in einem Programm, auf einer CD zusammenbringen? Chopin, einer der ganz Großen, mit einem noch lebenden Komponisten von erfolgreicher (Film) Musik in einem Atemzug? Tatsächlich kann Ieva Dudaite das sehr gut begründen, findet Gemeinsamkeiten, erklärt die natürlich großen Unterschiede zwischen den Komponisten und findet eben auch gute Argumente für diese Verbindung, die vor ihr noch niemand hergestellt hat. Ein sehr starkes Argument ist die große Popularität von Tiersens Musik gerade unter jungen Leuten mit Millionen von clicks auf spotify, youtube usw. und Ievas Anliegen, auf diese Weise auch ein jüngeres Publikum für klassische Musik zu interessieren. Tiersen, um junge Menschen in einen Konzertsaal zu locken…

Uns hätte sie natürlich nicht locken müssen, wir wären ihr an diesem wunderbaren Sommerabend überallhin in der Welt der Musik gefolgt. Ieva beginnt den Abend mit Chopins Nocturne Es- Dur, Op. 9 Nr. 2 – ein Walzer und auf Chopins Walzer folgt la Valse d´Amelie von Tiersen. Was passt besser zu einem Sommerabend als ein weiteres Nocturne? Chopins Nocturne cis- moll B. 49 Nr.20. Ieva erzählt begeistert über Tiersens Klaviersoloalbum Eusa, auf dem er seine Musik mit den Klängen der Natur zusammenbringt, und sie präsentiert drei Stücke von diesem Album untermalt mit den Geräuschen von Wellen und Wäldern. Dann entführt sie uns nach dem eigentlichen Programm in ihr Heimatland Litauen mit dem ersten Satz einer für sie komponierten Sonate eines jungen litauischen Komponisten: Jurgis Kubilius (*1998). Herrliche Melodien, die ganz hervorragend zu Chopin und Tiersen passen. Ivea ist weit gereist für den heutigen Abend: Von Vilnius nach Klaipeda, 20 Stunden mit der Fähre nach Kiel, von Kiel nach Hannover – mit ihrer 10 Wochen alten Tochter und ihrem Ehemann. Was für eine Reise und was für ein Geschenk an uns! Danach spielt sie für uns eine eigene zweiteilige Komposition. Und dann geht die Reise noch weiter nach Argentinien. Astor Piazolla wäre in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden und so beschenkt sie uns als Zugabe mit ihrer Version von Libertango. Ein Arrangement für vier Hände, sie hat die erste Stimme eingespielt und improvisiert dazu für uns die zweite Stimme. Wunderschön. Ieva konnte nicht ahnen, dass diese Melodie natürlich den ganzen Sonntag im Ohr bleibt. Und mit Take Five als zweiter Zugabe zeigt sie, dass sie auch Jazz kann.
Nach einem langen Applaus plaudert Ieva charmant mit den Gästen, signiert ihre CD und ein herrlicher musikalischer Abend klingt auf der Terrasse aus und entlässt die glücklichen Gäste in die Nacht.

Ein Klavier-und Kammermusikabend in einem Wohnzimmer in Hannover: der Steinway weit offen, die Gäste sitzen verteilt bei geöffneten Fenstern, einige auch draußen auf der Terrasse. Die Pianistin Nicole Rudi bestreitet den ersten Teil des Programms und eröffnet mit Mozarts Sonate in ES-Dur: ungewöhnlich ein langsamer Satz zu Beginn, ein schönes Adagio, wunderbar vorgetragen. Eine kontrastive Sonate, die Mozart auf seinem Hammerflügel komponierte; sie lebt vom laut und leise, wie Nicole Rudi eingangs erläutert und dann auch souverän mit festem Anschlag umsetzt. Absolut virtuos. Nicole Rudi stammt aus Wolfsburg, hat in Hannover und Wien studiert, wurde bereits mehrfach ausgezeichnet und war in Europa und in Asien mit Konzerten zu Gast. Kenntnisreich erläutert sie ihr Programm: auch die melancholisch-traurige zweisätzige Sonate 1.X.1905 des tschechischen Komponisten Leos Janácek, der hier die menschliche Sprache in Musik überträgt: eine Demonstration und den Tod eines Menschen – ein sehr modern anmutendes Stück, das die Pianistin sehr gefühlvoll umsetzt.

Es folgt direkt im Anschluss die Polonaise in fis-moll von Chopin, ein vierteiliges Klanggemälde, das Nicole Rudi souverän voll und intensiv zum Vortrag bringt. Großartig! Es gibt sehr viel Beifall!

Während der Coronazeit haben MusikerInnen nicht nur nicht auftreten können, sondern auch vieles an Zusammenspiel hat sich aufgelöst, Quartette, Trios, die Mitspielende verloren haben. Umso mehr freut man sich, dass sich das Quintett, das nach der kleinen Pause auftritt, gerade in der Pandemiezeit gefunden hat: „Eins und fünf „! Eine besondere Premiere also, für das Quintett mit diesem Auftritt im Salon und überhaupt: ein Quintett im salonfestival in einem Wohnzimmer!

Mit Stephanie Kemna (Violine), Pauline Herold (Violine), Nicola Maisenbacher (Viola) und Dan Brandom (Violoncello) beweist Nicole Rudi ein exzellentes Zusammenspiel: Das berühmte Klavierquintett in Es-Dur von Robert Schumann beginnt mit einem lebendigen Allegro brillante – vom Quintett ebenso brillant gespielt. Ein kraftvolles Spiel auch im dritten Satz, schnell, eingespielt, absolut gekonnt, das in einem Feuerwerk im vierten Satz endet: es wird gezupft und gestrichen, ein überwältigendes Finale! Es gibt lang anhaltenden Applaus für die fünf MusikerInnen und als Dank an die begeisterten, gerührten Gäste und Gastgeber eine kleine hübsche Zugabe von Edward Elgar: Salut d’Amour. Eine Hommage an die Musik!

Nach langem Applaus verteilen die Gastgeber kleine Geschenke an die fünf MusikerInnen, deren fröhlich lächelnde Gesichter zeigen, was ein Live-Auftritt und die Begeisterung der Konzertbesucher für sie bedeuten. Herzerwärmend!

Das Avin Trio in Hannover…endlich wieder Salon!

 

 

Das Warten hat ein Ende…der erste Salon seit Monaten in einem Wohnzimmer in Hannover!

Die Türen und Fenster weit offen, Stühle stehen paarweise mit Abstand bereit, und die ankommenden Gäste strahlen. Auch die Gastgeber sind glücklich, wieder Gäste und Musiker zu einem Salon bei sich empfangen zu können.

Besondere, eher selten aufgeführte Stücke hat sich das Avin Trio für diesen Klassikabend ausgesucht, die mit Bravour und großem Können vorgetragen werden. Gegründet wurde das Trio von Valerie Schweighofer (Violine), Carlo Lay (Violoncello) und Josefa Schmidt in Hannover. Alle drei sind Stipendiaten der Deutschen Stiftung Musikleben und haben sich im Studium an der Musikhochschule kennengelernt.

Klassisches und Rares ist der Salon betitelt und bereits der Auftakt von Mendelssohn Bartholdys Klaviertrio Nr. 2, Op. 66 in c-moll ist ein Ohrenschmaus, ein furios vorgetragenes Allegro energico, gefolgt von einem einfühlsam und schön akzentuiert vorgetragenen Andante. Dann kommen drei Nocturnes des schweizerisch-amerikanischen Komponisten Ernest Bloch: wunderbare Nachtstücke, die starke Bilder hervorrufen, eine sehr gefühlvolle Musik, lyrisch angehaucht, charaktervoll – und selten aufgeführt. Großartig interpretiert von Josefa Schmidt am Flügel sowie den beiden MusikerInnen an den Streichinstrumenten: hervorragend Valerie Schweighofer an der Violine und ebenso grandios Carlo Lay am Violoncello. Vor der Pause kommt noch Haydns Klaviertrio in Es-Dur zu Gehör: vorgetragen in einem schönen Tempo, sehr fein abgestimmt im Trio im Andantino und schwungvoll rasant nahezu im Finale (presto). Besonders Josefa Schmidt kann sich am Flügel beweisen – toll.

Lieben Sie Brahms? Natürlich – nach einer kleinen Pause hören die begeisterten Gäste das Klaviertrio Nr.1 in H-Dur – kein leichtes Stück Musikliteratur, welches das Avin Trio wunderbar aufführt. Absolut beeindruckend! Ein perfekt gelungenes Zusammenspiel, in dem das Trio zeigen kann, dass jede(r) für sich genommen schon großartig ist. Nicht nur das intensive Finale wird lange beklatscht, das ganze Konzert war ein großer Hörgenuss. Und nachdem die kleine Zugabe, das Wiegenlied von Brahms, leise verklingt, ist man noch nicht müde. Es gibt kleine liebevoll vorbereitete Leckereien auf der Terrasse – und viel Lob: Für das Avin Trio und die Gastgeber.

Hausmusik im schönsten Sinn!

 

 

©Ulrike Groffy

Wir haben es getan – salonfestival in Zeiten von Corona: 

 

Ein Salonkonzert in Zeiten von Corona – geht das überhaupt? Diese Frage beschäftigte uns nicht nur im März 2020 , als wir mit August August endlich unsere Wunschmusiker für unser im August geplantes Salonkonzert gefunden hatten. Die weiteren Entwicklungen im kulturellen und privaten Bereich sind hinlänglich bekannt und nicht nur einmal haben wir uns als Gastgeber und die Programmleitung gefragt: Wird unser Salonkonzert stattfinden?

 

Nun hatten wir in mehrfacher Weise Glück. Da es nach kurzer Zeit erst halb so viele Anmeldungen gab, wie möglich gewesen wären, wurde erstmal die Anmeldeliste geschlossen. Auch ergaben sich im Juli einige Lockerungen im Hinblick auf die Corona-Auflagen. Zudem waren uns die Gäste (nahezu) allesamt bekannt. Zwei Wochen vor dem Konzert galt es dann eine Entscheidung zu treffen. Wir wollten ‚unser‘ Konzert, die Gäste wollten das Konzert, die Programmleitung wollte ein nicht nur virtuelles Konzert und das wollten natürlich auch die Musiker, die sogar vom Duo zum Trio avancierten.

 

So entwickelten wir das Konzept für ein Garten-Konzert: Die Musiker auf die – überdachte – Terrasse (Wird die Akustik dies zulassen?), die Gäste allesamt sitzend und mit Abstand auf die – nicht überdachte – Rasenfläche davor (Wird das Wetter halten?), die Getränke (beschriftete Gläser) und Speisen (keine Selbstbedienung) voneinander getrennt (Wird jeder die Desinfektionsvorgaben beachten?) und natürlich Maskenpflicht drinnen, Händedesinfektion und Abstand.

 

Und – das Konzept ging auf: Die Akustik war klasse (bis hin zu den umliegenden begeisterten Nachbarn im Viertel), das Wetter hat ‚mitgespielt‘, die Gäste zeigten sich geübt im Umgang mit allen Vorgaben und belohnten den Mut der Musiker, der Gastgeber und der Programmleitung mit viel Applaus.

 

Die Musiker waren glücklich ihr Können ‚offline‘ zu zeigen und belohnten das Publikum mit reichlich Zugaben. Das Publikum war begeistert – auch von der ‚eisigen‘ Pausenüberraschung und die Resonanz für die Gastgeber war überwältigend : ‚zauberhaftes Konzert in besonderer Atmosphäre‘, ‚unglaublich gelungener unterhaltsamer musikalischer und hygienischer Abend in ganz besonderer Zeit mit eiskalter Überraschung‘, ‚unglaublich schöner Abend‘, ‚angetan vom Ambiente‘, ‚haben [wir] den Abend sehr genossen – endlich wieder Kultur in dem schönen Ambiente‘, ‚ein wunderschöner Abend, den wir lange erinnern werden‘. Auch wir als Gastgeber waren ganz verzaubert und glücklich uns für die Durchführung des Konzertes entschieden und noch rechtzeitig vor dem Konzert Julian und sein Eisfahrrad kennengelernt zu haben. Sein superleckeres Eis hat – ebenfalls coronakonform – ‚bombig‘ eingeschlagen.

 

Aber es waren insbesondere natürlich die Musiker Kate, Dave u. Greg von August August, die den Abend zu einem ‚zauberhaften‘ gemacht haben – die lebendige Musik, die kreativen Texte, die nicht minder kreativen Moderationen von Kate – ein tolles Konzert. Unser Dank für diesen schönen, musikalischen und geselligen Abend in Zeiten von Corona gilt deshalb insbesondere den Musikern und natürlich auch unseren Gästen für ihren Mut zu kommen und ein bisschen stolz sind wir auch, ‚dass wir es getan haben‘ – unser Salonkonzert in Zeiten von Corona.

 

Antje & Wolfgang Hoffmann