Diskussion im Impact Hub Munich am 8. Mai. Dazu haben die Hans Sauer Stiftung und das salonfestival Panelteilnehmer und mitdiskutierende Schülerinnen und Schüler und aller an Schulthemen Interessierte eingeladen.

Es gibt viele Anlässe, um sich darüber Gedanken zu machen, wie man sehr junge Menschen dafür gewinnt, für demokratische Werte einzutreten, die Stimme zu erheben und sich an der gesellschaftlichen Mitgestaltung interessiert zu zeigen. Erstaunt rieben sich nämlich die Jungen die Augen, als die Alten mehrheitlich über ihre Zukunft abgestimmt haben wie jüngst beim britischen Referendum oder bei der Präsidentschaftswahl in den USA. Die Alten haben einfach nur das gemacht, was die Jungen scheinbar nicht auf dem Schirm hatten: Sie sind zur Wahl gegangen und haben den jungen Nichtwählern das beschert, was diese so gar nicht wollten – den Brexit und Donald Trump.

Demokraten, die als Minimum-Einsatz wenigstens ihr Stimmrecht wahrnehmen, fallen offensichtlich nicht vom Himmel. Demokratie will gelernt sein und das am besten da, wo junge Menschen gemeinsam lernen: in der Schule. Aber hat die Schule selbst überhaupt eine demokratische Kultur? Kann und will sie Kinder und Jugendliche zur Mitgestaltung und Teilhabe motivieren? Auf dem Podium diskutierten: Hannah Imhoff (Stadtschulsprecherin ssv München), Carl Mirwald (Leiter der MOS München), Prof. Ursula Münch (Direktorin der Akademie für politische Bildung Tutzing), Michael Schwägerl (Vorsitzender Bayerischer Philologenverband), Xivan Yang (Vertreterin von DEMO) und Dorothea Doerr (Gewinnerin des Wettbewerbs „Let’s play Schule“).

Es gäbe leider einen Haufen Zwänge wie Schulordnungen, das Curriculum und Abschlussprüfungen, beklagt Carl Mirwald. Damit ist eigentlich keine ernsthafte Demokratie an Schulen möglich oder lediglich eine Scheindemokratie. Trotzdem, im bescheidenen Rahmen müssten und sollten Schulen ihre Schüler ernstnehmen und beteiligen, denn sie geben einen direktes Feedback. Prof. Ursula Münch regt Politiksimulationen an, bei denen die Schülerinnen und Schüler in die Rollen von Parlamentarier oder Minister schlüpfen. Aktionen, die vor allen Dingen mehr Spaß machen als auswendig zu lernen, wie viele Mitglieder das Stadtparlament hat. Für Hannah Immhoff kann politische Bildung in Schulen noch viel einfacher umgesetzt werden, vorausgesetzt man hat das Glück, eine engagierte Lehrkraft zu haben: Im Sozialkunde-Unterricht sucht sich eine Klasse ein politisches Thema, das sie bewegt, etwa dass zwei Klassenkameraden von Abschiebung bedroht sind. Dann formuliert man gemeinsam eine Petition, reicht sie ein und besucht die Verhandlung im Ausschuss. Und erfährt dabei auch, dass in der Politik eben nicht alle Wünsche erfüllt werden können. Aber der Wunsch nach Mitwirkung und Teilhabe ist groß unter der Schülerschaft. Die Sache ist nur, viele Schüler trauen sich nicht, Mitbestimmung an Schulen einzufordern, weil sie immer wieder die Erfahrung machen, dass sie in den Augen der Lehrkräfte die falschen Forderungen stellen. Dazu zählen Fragen wie: „Sollte man Noten abschaffen?“, „Dürften Schüler vielleicht 10 % des Schuletats verwalten?“, „Könnten sie bitte auch über den Lehrplan mitbestimmen?“ Wann sollten Schüler und Schülerinnen diese Formen der Mitbestimmung lernen, wenn nicht genau in ihrer Schulzeit? „Schüler macht das mutlos“, sagt Hannah Imhoff und sie hofft sehr, dass es in der Zukunft mehr und mehr Schulformen gibt, die ein solches Engagement von Schülerseite zu schätzen wissen. Hannah Imhoffs Schulzeit endet in den nächsten Wochen, aber bei ihr darf man getrost davon ausgehen, dass sie demokratisch gerüstet ins Leben startet. Überhaupt, bemerkt Michael Schwägerl, selbst wenn Schulen sich um eine demokratische Haltung bemühen und demokratisches Handeln ihrer Schüler fördern würden: Demokraten backen können auch die Schulen nicht.