Es gibt diese magischen Abende, an denen alles stimmt: Gäste, Künstler, Gastgeber, Ambiente, ja sogar das Wetter. 

Der 8. Juni 2018 ist so ein Abend, und die Magie beginnt lange zuvor, mit dem Vorgespräch bei Gastgeber Klaus Hempel am 14. Dezember 2017. Schnell werden die Präferenzen des Gastgebers deutlich: Lesung, nun ja, aber dann doch bitte sehr klassisch. Musik, sehr gerne, und bitte Jazz. Die Verbindung von beidem findet sich bei Caroll Vanwelden, jener phantastischen Musikerin, die in den letzten Jahren drei Alben herausgebracht hat, auf denen sie Sonette William Shakespeares in Töne gegossen hat. Leichtfüßig und rhythmisch, immer im Einklang mit der Stimmung des jeweiligen Sonetts. Und die an genau diesem Tag abends in Köln gastiert. 

So dauert es mit einem erneuten Treffen mit Klaus Hempel keine acht Stunden. Spontan beschließen wir, das Konzert in Köln zu besuchen, und nach wenigen Minuten steht fest: das passt. Bereits am folgenden Tag geht die Anfrage an Caroll Vanwelden. Nach Abstimmung mit ihren Musikern haben wir binnen weniger Stunden einen Termin für den Salon. 

8. Juni. Die Versandhalle der Hempel ElektroMaschinenbau ist immer noch wiederzuerkennen und ist doch auch ganz Konzertsaal. Der Flügel, der an diesem Abend eine besondere Rolle spielen wird, steht auf einer eigens errichteten Bühne. Der Tontechniker hat sich seit dem Mittag die schwierige Akustik einer Industriehalle untertan gemacht. 

Den Rest hatte Brigitte Triesch, Marketingleiterin des Unternehmens, gezaubert: Bestuhlung, Dekoration, Catering, Service – alles war bis ins Kleinste durchdacht, bis hin zu extra für diesen Abend angefertigten Heften mit den Sonetten und deren Übersetzung ins Deutsche. 

Klaus Hempel hält eine furiose Begrüßungsrede, die an diesem Abend potentielle Gastgeber ins Grübeln bringt: Das soll ich dann also auch leisten? Nein, keineswegs. Ein kurzes „Hallo und gute Unterhaltung“ reicht in der Regel völlig aus. Nur eben an diesem Abend nicht. Die kleine Ansprache war so pointiert, dass wir sie unten gerne im Wortlaut wiedergeben.

Die Musiker betreten die Bühne: Caroll Vanwelden (Vocals und Piano), Mini Schulz (Kontrabass), Thomas Siffling (Trompete und Flügelhorn) und Jens Düppe (Schlagzeug und Percussions) begeistern ab dem ersten Takt und bieten ihren Zuhörern einen Abend voller Verliebtheit, Trennung, Eifersucht, Trauer und Zuversicht. Caroll Vanwelden berichtet von der Entstehung der einzelnen Titel, wie sie die Stücke für das erste Album in kürzester Zeit komponiert hat, die Melodien von den Texten gleichsam diktiert wurden. Ausgewählt wurden die Sonette nicht nach ihrer Bekanntheit, sondern durch die Wirkung, die sie auf Caroll Vanwelden hatten. Die vier Musiker zeigen ihre große Spielfreude und auch den Spaß, den sie an der Location und dem Format des Salons haben. Und in Sachen Virtuosität stehen die vier Ausnahmemusiker ihrem Textdichter nicht nach. 

Zwei Sets und eine Zugabe lang werden die Gäste verzaubert. Und anschließend? Da wird die Salonkultur weiter gelebt: Das Tor der Halle ist zum Hof offen, bis ein Uhr nachts stehen die Musiker mit den Gästen und dem Team von Klaus Hempel draußen oder in der Halle, mit Fingerfood, einem Glas Wein, vielleicht einer Zigarette in der Hand. Es wird diskutiert, gelacht, sich miteinander bekannt gemacht. Eine laue Sommernacht nach strömendem Regen bis mittags. Keiner will den Zauber dieses Abends hinter sich lassen. Und so klingt er auch heute noch nach. 

 

Einführung von Klaus M. Hempel:

Meine Damen und Herren, liebe Gäste,

schön, dass Sie hier sind – Sie hätten ja auch woanders sein können. Zum Beispiel in Düsseldorf auf der Kö, wo gerade Büchermeile ist, in Krefeld bei einem Stadtjazz-Festival, an Gelegenheiten für kulturelle Betätigung hat es keinen Mangel. Die Mutigeren unter Ihnen hätte es in die Elbphilharmonie verschlagen können, nach Verona oder Bayreuth, oder hardcore mit 40.000 anderen Menschen in die Berliner Waldbühne, um einen jugendlichen Jammerer darüber wehklagen zu hören, dass er keine Maschine ist.

Aber Sie sind hier. Und weil Sie intelligente Menschen sind, glaube ich, dass Sie einen Grund dafür haben. Vielleicht haben Sie ja wie ich das Gefühl, dass solche Veranstaltungen eines gemein haben: das Element der Vermassung, der Ent-Individualisierung, der Passivierung. Durch fremdbestimmte Organisation wird eine Distanz zur Kunst aufgebaut und letztlich landen viele dieser Massen-“Kunstveranstaltungen” im Kitsch. Ein Tenor ist sicherlich Kunst, drei Tenöre vielleicht ganz hohe Kunst, 7 oder 29 Tenöre sicherlich Kitsch für die Masse. Und wir alle erleiden in diesen Veranstaltungen ein allgemein gesellschaftliches Phänomen: Es gibt eine Institution, die es für Sie macht.

Vielleicht sind Sie also nun hier, weil das Salonfestival Sie neugierig gemacht hat. Die Intention, Kultur und Kunst in unseren Alltag zu holen, in unser Wohnzimmer oder wie am heutigen Abend in unsere Arbeitsumgebung und in unseren Arbeitsalltag. Nicht zuletzt deshalb habe ich ständig versucht, mein Organisationsteam davon abzuhalten, die Veranstaltung zu über-organisieren oder zu over-catern. Das Element der Improvisation und des Alltäglichen, die wirkliche Arbeitsatmosphäre sollten nicht verloren gehen. Nun, das überwältigende Feedback aller weiblichen Besucher, wie schön es doch geworden ist, hat mich eines Besseren belehrt und ich danke meinem Team für den wunderbar vorbereiteten Abend.

Ich möchte Ihnen die Akteure getreu dem Motto ‘Alter vor Schönheit’ vorstellen. Hinter mir steht ein Stutzflügel, der es aus unserem Wohnzimmer bis hierher geschafft hat. Baujahr 1910 Klaviermanufaktur Mann & Co. in Bielefeld. Dieser Flügel ist 108 Jahre alt, ein knorriger Ostwestfale, der trotz seines hohen Alters tapfer durchhält. Dennoch, die Älteren unter Ihnen, so alt wie ich oder gar noch älter, wissen, dass es ganz ohne Wehwehchen nicht geht. Und so sind wir auch sehr dankbar, dass der Klavierstimmer gerade nochmal zu einer Notoperation hier war.

Meine Damen und Herren, glauben Sie mir, wenn ich einen Kawai-Flügel hätte haben wollen, ich hätte ihn bekommen. Kawai ist gerade 5 km von hier entfernt und die leihen die Dinger aus. Aber mir erschien für das Salonfestival genau und gerade dieser Stutzflügel richtig, denn …  – was ist ein Stutzflügel?

Ein Flügel, der in Länge und Breite ein wenig reduziert ist, so dass er in den Salon oder das großbürgerliche Wohnzimmer des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts passt. Dieser Flügel ist ein Botschafter aus einer bürgerlichen Welt vor wahnsinnigen Revolutionen und aberwitzigen Jahrhundertkriegen, aus einer Zeit, in der mangels elektronischer Speicherkapazität Musik noch von Hand gemacht wurde.

In diesem bürgerlichen Salon gab es eine Nähe zu den Künstlern, eine Nähe zum kreativen Prozess, eine Nähe und eine Kommunikation zwischen den Menschen, die wir auf neudeutsch so schön “die hart arbeitenden Menschen aus der Mitte unserer Gesellschaft” bezeichnen. Also Sie und ich. 

Wenn Sie eine Idee vom bürgerlichen Salon und seiner Bedeutung für Kunst und Kultur bekommen wollen, so anempfehle ich Ihnen den wunderbaren Film von Woody Allen  “Midnight in Paris”, der auf höchst anschauliche Weise zeigt, wie im Hause der Gertrud Stein in Paris die Künstler, die das 20. Jahrhundert nachhaltig prägen sollten, Man Ray, Picasso, Josephine Baker, Dali und viele andere, sich zusammen gefunden und erprobt haben. Auch für die Entwicklung der Musik und insbesondere des Jazz im 20. Jahrhundert war dieser ‑ wie viele andere – Salon von höchster Bedeutung.

Erleben wir doch in der Musik die intensivste Teilhabe am kreativen Prozess, denn Livemusik ist in genau in dem Moment erlebbar, in dem sie geschaffen wird, und sie verklingt im Augenblick. Und besonders Jazz, durch das Element der Improvisation, lässt uns Kreativität ganz nah erleben.

Und darum sind wir hier in der Werkstatt. Hier reparieren wir Maschinen, keine Neufertigung. Eine Reparatur ist in jedem Einzelfalle anders, erfordert in jedem Fall neue Kreativität. Auch hier arbeiten Menschen schöpferisch.

Meine Damen und Herren, laufen Sie rum, nutzen Sie die Pausen. Sehen Sie, was wir an Werkstücken ausgestellt haben, fassen Sie es an (schmutzige Finger auf eigene Gefahr!). Fragen Sie meine Kollegen, die zu Ihrer Betreuung hier sind oder lassen Sie sich von ihnen rundführen. Und jetzt lassen Sie sich bitte zunächst von Caroll Vanwelden und ihrer Band verzaubern.

Dicht gedrängt sitzen und stehen die Menschen bei Bang & Olufsen im Stilwerk Düsseldorf, die vordere Reihe vielleicht einen Meter vom Geschehen entfernt. Viele sind zum wiederholten Male in einem Konzert von Three Fall & Melane, den anderen wird schnell klar, warum dies so ist: Selbst wenn man die Musik unberücksichtigt ließe (was aber unmöglich ist), blieben immer noch eine außergewöhnliche Besetzung und vier bestens gelaunte Musiker übrig, die „nie einen Echo gewonnen“ haben.

Three Fall, das sind Lutz Streun (Tenor Saxofon, Bassklarinette), Til Schneider (Posaune) und Sebastian Winne (Schlagzeug, Perkussion), ergänzt um Sängerin Melane Nkounkolo, die zu den bemerkenswertesten Formationen des jungen Jazz in Deutschland gehören – was man aber auch schon in Japan, China, Korea, Ägypten, Russland, Katar und dem restlichen Europa bemerkt hat. Ihre Musik ist klar im Jazz zuhause, wobei die Nachbarn Rock, Hip-Hop, Reggae oder Funk gerne bei den Kompositionen von Til Schneider und Lutz Schneider vorbeischauen. Man merkt den Musikern die Lust am Besonderen an: die Rhythmen mit Ecken und Kanten, die Instrumentierung ohne Bass, Gitarre und Keyboard, die Spielfreude lässig und perfekt zugleich. Das Publikum ist vom ersten Moment an dabei. Als nach einem Instrumentalteil die deutsch-kongolesische Melane auf die Bühne tritt, ergänzt eine warme, kraftvolle Stimme die unangepassten Bläser. Sie singt in Englisch sowie ihrer zweiten Muttersprache Lingala und schreibt die Texte für die Band. Mühelos bringt sie die Gäste zum Mitsingen, was bei der Coverversion des Popklassikers „All That She Wants“ für einen großen Backgroundchor sorgt.

Dass alles so trocken und sauber durch den Raum klingt, ist dann auch der akustik-optimierten Räumlichkeit zu verdanken. Der Hinweis von Lutz Streun, der ganze Sound käme aus der kleinen Box im Regal hinter ihm, erfreut die Gastgeber von Bang & Olufsen sichtlich, und man ist glatt gewillt, es zu glauben …

Prof. Dr. Eckart Altenmüller leitet das in Europa einzigartige Institut für Musikphysiologie und Musiker-Medizin an der Musikhochschule Hannover. Für seinen Salon – Vortrag im Foyer des Knabenchorheims hat er drei Flöten mitgebracht – und ein zweites Gehirn, das er während seiner anschaulichen Rede immer mal wieder auseinandernimmt, um den faszinierten Gästen zu erläutern, wo man hört und was da alles so im Kopf passiert: „Wie Musik im Kopf entsteht“!

Ein Terzett des Knabenchores begrüßt mit einem Stück von Mozart – und schon ist man mittendrin im Thema: gute Stimmen junger Menschen faszinieren und begeistern. Das sieht Prof. Altenmüller im Biologisch-Evolutionären begründet, denn Musik war vor der Sprache da und entstand zunächst aus stimmlichen Geräuschen als akustisches Signal, vor über 40.000 Jahren. Mit der Stimme kann man Emotionen ausdrücken, daraus entstanden zunehmend komplexere Melodien, wie Prof. Altenmüller gekonnt auf einer uralten Knochenflöte von der Schwäbischen Alb (40.000 Jahre) demonstriert – erstaunlich ist die diatonische Skala, denn das sind die Intervalle, die wir auch heute im mitteleuropäischen Raum gewöhnt sind.

 

Musik steht für ein gemeinschaftliches Erlebnis seit jeher, erläutert Altenmüller und streift durch die Instrumentengeschichte – seine Querflöte aus dem 18. Jahrhundert sei „ein langer Holzstab mit ein paar Löchern drin“ sagt er und spielt gekonnt einige Töne an. Die Kompositionen erfordern allerdings ein immer neues Klangideal, sodass ab 1789 auch immer neue, andere klangvollere Instrumente gebaut werden, z. B. die Querflöte aus Metall (und Gold) mit komplizierteren Klappen. Und das Gehirn? Man hört nicht nur mit dem Ohr und allem, was sich darin befindet (etwa 3600 Haarzellen), sondern vor allem mit dem Gehirn, dass permanent neue Informationen dazu schaltet, sodass am Ende ca. 600.000 Nervenimpulse das ganze Hören ausmachen und der eigentliche Ton in der Großrinde zustande kommt. Dazu kommen vielfältige Emotionen, die das Hören beeinflussen, Musikerfahrungen, gespeicherte Melodien und Laute, die durchaus auch ein ‚Gänsehautgefühl’ erzeugen können. Es folgt eine Etüde des dänischen Komponisten Joachim Andersen, an der  Altenmüller das „auditorisches Streamen“ demonstriert, also Zweistimmigkeit ‚vorgetäuscht’ wird. „Ein ganz schrecklich schweres Stück, das er ganz schrecklich gern spiele“ – und die Gäste lauschen begeistert. Also nicht nur Musik hören, sondern auch das Musizieren selbst sorgt für ein gutes Gefühl!

 

Am Ende seines ungewöhnlich anschaulichen Vortrages plädiert Professor Altenmüller nochmals für die frühkindliche Musikerziehung: Musik sei das universelle Informationssystem, das emotionale Kommunikation ermögliche und, was den Gesang angehe, in der Verbindung von Musik und Sprache eigentlich ihre höchste Ausprägung erfahre.

Musik ist ein Privileg, macht Lust, auch aufs Lernen, und regt die Spiegelneuronen an – natürlich auch bei den Gästen dieses Salons, die anschließend noch lange bei liebevoll gerichteten Häppchen und leckeren Getränken beisammenstanden und über das Gehörte sprachen – da war etwas im Kopf passiert! Und wer wollte, konnte auf Einladung des Chormanagers Wolfram Kössler die Übungsräume des Knabenchors besichtigen – den Ort, wo berührende Musik entsteht! Ein rundherum inspirierender Abend voll guter Gefühle in der Südstadt Hannovers!

 

Gloria Campaner gilt derzeit als außerordentlich bemerkenswerte italienische Nachwuchspianistin weltweit. Als Solistin gibt sie mit Orchester oder auch in kammermusikalischer Besetzung in Italien, Frankreich, England, Japan und auch der Schweiz Konzerte. Sie ist offizielle Steinway Künstlerin, spielt regelmäßig international in Steinway Häusern, war in Los Angeles, ist in der Carnegie Hall aufgetreten und hat eine CD mit Werken von Schumann und Rachmaninoff eingespielt. Für „das salonfestival“ ist sie nach Hannover gekommen. Das Format kenne sie nicht, sie spiele sonst nur für Freunde oder die Familie im Wohnzimmer, sagt sie und ist total überrascht: Ein Konzertflügel steht bereit, viele Gäste sitzen auf ihren Klappstühlen und schauen erwartungsvoll auf diese junge Pianistin aus Venedig, als sie die ersten Töne erklingen lässt. Ottorino Respighis Notturno steht auf dem Programm, und berührend sanft ist der Auftakt. Doch rasch hört man, wie energisch Gloria Campaner ist, wie viel Kraft und Leidenschaft in ihrem Spiel steckt. Sie setzt ihre eigenen Akzente der Interpretation, genau, entschieden und überzeugend. Die Mondscheinsonate von Ludwig van Beethoven hat ein gutes Tempo und lässt bisweilen den kraftvollen Anschlag ahnen, sehr einfühlsam geht sie mit dem Thema um. Die Zuhörer sind bereits ab dem ersten Stück gefesselt, rühren sich nicht und lauschen gebannt. Manche schauen sehr interessiert auf Gloria Campaners Hände…

Claude Débussys komplexes Stück ‚L’Isle jouyeuse’ lässt mehr als aufhören: es stellt rhythmisch höchste Ansprüche, ist komplex, was Gloria Campaner wie selbstverständlich meistert: schwungvoll und oft mit einem Lächeln im Gesicht. Man merkt, wie konzentriert sie ist, ganz in der Musik, während ihre Hände die musikalischen Geschichten dieses Salonabends erzählen: Arvo Pärts Stück ‚Für Alina’ beginnt nachdenklich, sinnlich, wie Tropfen aus Glas hört es sich an. Einfach schön! Ebenso wie Alexander Skrjabins ‚Etude N.2 n. 1’, mitreißend, voller Gefühl von Gloria Campaner ins Publikum hineingespielt wird. Vollends zum Rausch der Töne wird dieser phantastische Klavierabend mit dem letzten Werk auf dem Programm:  Sergei Prokofievs ‚Toccata Op.11’ – tänzerisch laufen die Finger, hämmern kraftvoll, linke und rechte Hand wunderbar ineinandergehend, das Thema immer wieder hervorhebend.

Es gibt viel Applaus, für Gloria Campaner und für die faszinierten Gastgeber sowieso. Sie freuen sich außerordentlich, diese großartige Pianistin für einen Abend in ihrem Haus zu haben und bedanken sich begeistert beim „salonfestival“ für dieses ganz besondere musikalische Erlebnis. Für sie sei dieser furiose Abend ein Geschenk, sagt der Gastgeber voller Enthsiasmus. Natürlich kommt auch eine kleine Zugabe, die ‚Träumerei’ aus Schumanns ‚Kinderszenen’, ein schöner Abschluss für diesen winterlichen Abend mit viel Schnee draußen im Garten. Das Gastgeberpaar bittet zu bleiben, zum Gespräch, zum Essen und vor allem – zum Nachklang dieses wunderbaren Klavierabends! Was bleibt: Gloria möge wiederkommen!

 

Drei Hocker, drei Stimmen, drei Instrumente und ungewöhnlich berührende Songs: das sind ‚The Shells’. Am 1. Dezembertag öffnet sich die Tür eines schönen Hauses außerhalb von Hannover: die Bühne ist ein gemütliches Wohnzimmer. Und natürlich ist es rappelvoll, denn was gibt es Schöneres, als den Dezember mit einem Konzert zu beginnen? Schon der Eröffnungssong „Sweet Dreams“ begeistert das Publikum. Verstärker und diverse Instrumente kommen zum Einsatz: Gitarren, eine Rumbarassel, ein Glockenspiel und eine Ukulele, und natürlich die drei Stimmen dieser Frauencombo, die mal aus einer Laune bei einem Küchenplausch entstanden ist. Milla Kay ist Sängerin, Songschreiberin und vielseitig unterwegs. Ihre launig-witzige Moderation lässt rasch gute Stimmung aufkommen, es wird viel gelacht an diesem Abend. Aber am meisten gefällt ihre vielseitige Stimme, die oft von Birgid Jansen begleitet wird, die mit ihrer souligen Stimme dem Ganzen die richtige Würze gibt. Eigentlich ist sie leidenschaftliche E-Bass- Gitarristin, und das merkt man auch. Die dritte der Muscheltruppe ist Sandra Hempel, die in vielen Formationen als Jazz-Gitarristin unterwegs ist und an diesem Abend zeigt, was sie draufhat, nämlich schöne, kraftvolle Gitarrenriffs. Pop, Jazz Soul wechseln sich ab, es gibt viele eigene Songs (Birgid: ‚Something’/Milla ‚Leaving’) zu hören: es sind stimmungsvolle Träumereien und viel mehr. Natürlich begeistern auch die neu arrangierten Klassiker wie ‚Blackbird’ oder ‚To make you feel my love’. Auch ein Song vom Singer und Songwriter Martin Gallop (er war als Musiker zu Gast in einem Salon in Hannover) ist dabei: ‚More than you should know’. Die Musik der Shells ist sanft, mal laut, mal wehmütig und immer ganz nah. Die Köpfe im Publikum wippen und es gibt oft lauten Beifall.
Und am Ende, nach, naja, nach einigen Zugaben, hört man einen echten Hamburger Songs, eigenwillig und schön arrangiert: „In Hamburg sagt man Tschüß“. Das tut man zum Glück in Niedersachen nicht, hier heißt es „Auf Wiedersehen“ – und das wünschen sich alle Gäste auf jeden Fall. Denn die Musik der Shells gibt es bislang ausschließlich live zu erleben, wie das engagierte Gastgeberpaar am Ende betont! Beide freuen sich sehr, diese sympathischen Musikerinnen bei sich daheim zu haben und überreichen eine der schönsten Gaben aus Hannover: Kekse aus Hannovers berühmter Bäckerei!

 

Drei Musiker, stark, präsent, jeder für sich und alle zusammen: großartig! “Perfect Picture” heißt das 4. Album von Jessica Gall und Band und erzählt in seinen Songs Geschichten aus dem Leben, vom Hadern mit sich selbst, von der Liebe, von Bedürfnissen und auch davon, mal alles ein wenig anders zu machen. Oder von Momenten am Morgen („Misty Mornings“), die wir alle nicht mögen. Schnell wird deutlich: Jessica Gall ist nicht mehr nur die „sanfte“ Stimme, sie ist offener und intensiver mit ihren Songs, auch mit ihrem Gesang, geworden.
Charmant und witzig moderiert die Berliner Sängerin dieses besondere Wohnzimmerkonzert, dessen Gäste bereits beim ersten Song erahnen, welch große vielfältige Stimme da erklingt. Gemeinsam mit ihrem Mann Robert Matt am Flügel und Johannes Feige an der Gitarre erobern alle drei im Sturm das Publikum: alle drei virtuos, leidenschaftlich, voll dabei. Lustvolle ausdrucksstarke Einlagen an den Instrumenten: Roberts Spiel am Flügel ist beeindruckend, man spürt seinen Einfluss, gemeinsam mit Jessica komponiert und arrangiert er die Songs; Johannes Gitarrenspiel ist überwältigend, mal im Vordergrund mit schnellen Riffs, dann als leiser Taktgeber, auch als Backgroundsänger immer wunderbar dabei. Jessicas Stimme ist laut, mal leise, mal jazzig, mal soulig, mal hoch und mal tief – je nach Stimmung („Crazy, Impossible“). Lustvolle Jazzeinlagen toben durch das voll besetzte Wohnzimmer. Und es gibt viel Applaus! Ein mitreißendes Konzert, denn jeder gibt hier mal den Ton an. Nach dem zweiten Set und einer gemütlichen Pause mit viel gutem Essen werden Zugaben erklatscht: und tatsächlich stehen die drei strahlend vor den Gästen und singen, ganz unplugged, à cappella: was für ein Ständchen! Als Dreingabe gibt es noch einen Song von Reinhard Mey, selten schön arrangiert und vorgetragen, als einen ‚Gruß aus Berlin’: „Über den Wolken …muss die Freiheit wohl grenzenlos sein…“. Ein stimmungsvoller Abgang, bei dem alle mitgehen. Die Musik hat alle ‚angefasst’ – nicht nur das sichtlich begeisterte und berührte Gastgeberpaar, das sich genau diese Musik und diese wundervollen Musiker für ihren Salon ausgesucht hat.
©Ulrike Groffy

Ungewöhnliche Spielorte, die zur Bühne werden, auch das ist die Idee des Salonfestivals! Am vergangenen Samstagnachmittag konnten viele Gäste genau das erleben: die neu eingerichtete Werkstatt Stichnoth in Hannover wurde zu einem Musiksalon. Inmitten der Arbeitstische, wo Schmuck entworfen und bearbeitet wird, luden Gastgeber Jörg Stichnoth und Ulrich Gehrke zur Musik von Julia Toaspern und Begleitung ein. Und bereits die erste Tune, eine schottische Weise, ließ alle Gäste aufhorchen. Julia Toasperns glockenklare Stimme und ihr fingerfertiges Geigenspiel begeisterte sofort! Ihre Songs nehmen die Zuhörer mit auf Reisen, die die Musikerin gern unternimmt – und selbst auch dorthin, wo sie noch nie war.

Einen Hauch vom schottischen Norden der Highlands, ein frischer kühler Wind, aber auch die Atmosphäre von schottischem Bars mit schnellem Geigenspiel wehte durch den Raum.

Julia Toaspern ist ausgebildete Sängerin, stammt aus Potsdam und lebt in Berlin, aber auch bisweilen in Schottland, wo sie zwischen Schafen und rauher Natur Inspiration für ihre Songs bekommt. Davon erzählt sie berührend und witzig und leitet stimmungsvoll ihre eigenen Lieder ein. Begleitet wird sie von zwei jungen Gitarristen: Anton Brandt an der Bassgitarre und Clemens Müller an der Gitarre, die gekonnt und scheinbar leichthin fingerfertig Ihre Gitarren beherrschen. Ein sehr schönes Zusammenspiel aller Instrumente, Julia Toaspern wechselt zwischen Geige und Gitarre, ihr Solo ist beeindruckend. Irish Folk, Jazz und lyrische Weisen: all das ist Julia Toaspern, mit einer funkelnden klaren Stimme. Ein akustisch anmutendes Konzert, lediglich von einer feinen kleinen Technik der exposive medien gruppe unterstützt. Am Ende gibt es langen Applaus und für jeden Musiker eine Kuckucksuhr aus dem Harz – made by Stichnoth. Und wer von den Gästen wollte, konnte eine Führung durch die Werkstatträume miterleben – beschwingt von den groovenden Rhythmen Julia Toasperns: „One step at a time“.

Eine schöne Boutique in der List: die Gastgeberin Helga Bretschneider öffnet bereits zum vierten Mal ihre Türen für ein Salonfestival-Konzert in der Reihe „musik zu Gast“: Weiße Stühle stehen bereit, liebevolle zubereitete Snacks und gekühlter Wein warten auf die Gäste. Schnell wird es voll. Soul, Pop, Swing steht auf dem Programm, die Hannoveraner Band ’Cream Flow’ packt das Publikum bereits beim ersten Song. Agnes Hapsari, bekannt aus dem Musical ‚Kröpcke’, spielt das E-Piano begleitet mit ihrer fantastischen Stimme: soulig, groovig, kraftvoll und sensibel. Pit Schwaar sitzt auf einem Hocker und spielt rasant und lustvoll die Gitarre und amüsiert zwischendurch mit seiner lockeren Moderation.

Bekannte, eigens umarrangierte Popsongs, wechseln mit selbstkomponierten, gefühligen Songs und Stücken. Gegen Ende des Konzertes gibt es auch noch einen Beatles-Song: Bei „Hey Jude“ stehen alle Gäste auf und singen mit.

Lennart Schmidt am Schlagzeug sorgt während des Konzerts für den Rhythmus: überzeugend und gekonnt! Sein exzellentes Solo bekommt Extra-Applaus, genauso wie auch das von Pit Schwaar und Agnes Hapsari.

„Hooked on you“ – das ist ‚Cream Flow’. Total begeisterte Gäste und eine strahlende Gastgeberin geben lange Applaus!

Ein gemütliches Wohnzimmer, viele Stühle und Hocker, bunt gewürfelt, stehen bereit. Und: die Haustür steht offen. Wieder ein ganz persönlicher Salon mit einem tollen Musiker, den es aus Kanada über Oldenburg nach Berlin gezogen hat: Martin Gallop ist Singer und Songwriter, und er bringt ungewöhnliche Instrumente mit. Ein kleines Klavier für die Kniee, einen Gartenschlauch, der kunstvoll gebogen direkt an einen Grammophontrichter angeschlossen ist und natürlich seine Gitarre nebst vieler Utensilien – jede Menge Kabel kringeln sich zu seinen Füßen. Launig und mit hintergründigem Humor begrüßt er die gespannten Gäste, die zahlreich gekommen sind: Die beste Therapie für ihn sei es, vor einem Publikum zu sitzen, das ihm zuhört! Martin Gallop erzählt von sich, aus seinem Leben als Musiker, wie er seine Songs schreibt. Von verpassten Zügen ist da in einem Song die Rede, oder von der Liebe, von vergossenen Tränen. Augenzwinkernd, mit einer schönen Sprechstimme, die mühelos auch seine folkigen Songs wunderbar vorträgt, begeistert Martin Gallop sein Publikum. Und das singt prompt mit, es ist gar nicht schwer: Lalala…Der Gartenschlauch verfremdet die Stimme ins “Trompetige”, wunderbare, gezogene, tragende Töne entstehen da.

Auch von Weihnachtsliedern ist die Rede, aber am Ende gibt es noch ein Schlaflied für alle und die Gastgeberin sagt nur: „Entzückend“. Entzückt sind alle von diesem ungewöhnlichen Musiker, der auch ein Romantiker ist. Vor allem aber: ein wunderbarer Solokünstler!

Die Songs von Jodymoon könnten der Soundtrack zu „America by Car“ des Fotografen Lee Friedlander sein. Man durchmisst das Land nicht mit dem Auto, sondern musikalisch, aber man kann Weite und Einsamkeit durch die Melodien spüren, an deren Steuer Digna Janssen (Gesang, Piano) und Johan Smeets (Gitarre, Dobro, Perkussion, Gesang) sitzen, begleitet von Cellistin Marie-José Didderen. Der Showroom von Farrow & Ball wird zum Lagerfeuer, das die Gäste anlockt und sie mit den Stimmen von Janssen und Smeets wärmt, harmonisch und sehnsuchtsvoll.

Jedes Stück ist eine Geschichte. Ob es die Erinnerung an minus 25 °C in Kanada („40 Days“) ist, an Freunde und Familie („Paris“), den zu früh verstorbenen Vater („Who Are You Now“) oder zwei Jungs, die von zuhause abhauen („Money In Our Pockets“), jede wird mit Worten und Tönen zu gleichen Teilen zu erzählt. So dicht, es passt perfekt in den Raum, in dem die Zuschauer zusammen mit den Musiker auf einer Bühne sitzen und schon nach kurzer Zeit zu einem Backgroundchor werden. Melancholische Melodien wechseln sich mit Uptempo-Nummern ab, dazwischen Soli von Cello und Dobro –Jodymoon verstehen sich auch auf die Dramaturgie eines ganzen Abends, unterstützt von herzlichen Gastgebern und einem Publikum, dass sich ganz auf die Musik einlässt.