Latin, Jazz, Rock und Pop stehen auf dem Programm – und eine außergewöhnliche Band: Jin Jim. Im Jahr 2013 als Band zusammengefunden, spielen sie seither auf nationaler und internationaler Ebene (auch auf Einladung des Goetheinstituts) und begeistern ihr Publikum. Das Quartett gewann 2014 den „Future Sounds“-Wettbewerb der Leverkusener Jazztage und veröffentlichte 2015 ihr erstes Album „Die Ankunft“. Jin Jim belebt die deutsche Jazzszene mit ihrem ungewöhnlich wie mitreißenden Schwung, lange Soundlinien bauen Spannung auf, schnell treibende rhythmische Wechsel reißen den Zuhörer herum: bereits bei den ersten Tönen der Querflöte, virtuos gespielt von Daniel Manrique-Smith, horchen alle auf: ein ungewöhnlich wie vielseitiges Instrument im Jazz. Manrique-Smith pustet, bläst, taktet, haucht und bewegt in schnellem Tempo die Finger, egal ob lateinamerikanischer Tanz oder lyrisch-ruhige Phasen in den vielseitigen Melodien, die überwiegend von ihrem neuen Album „Weiße Schatten“ stammen. Man hört förmlich Lateinamerika, bemerkt klassische Elemente, bisweilen popt es auch. Aber auch „Die Ankunft des Kaisers“ von ihrer ersten CD wird gespielt: ein umwerfendes Stück (mit rhythmischen Gesang), lang, schnell, mit solistischen Einlagen, einem langen Bogen an musikalischen Einflüssen: es gibt begeisterten Applaus, auch mitten im Stück. Ben Tai Trawinski zupft den Bass in irrer Geschwindigkeit, kann aber auch sanft, wie in der ihm von komponierten ‚Träumerei’ zum Ende des Konzertes deutlich wird. Nico Stallmann beherrscht sein Schlagzeug wie kaum ein anderer: lustvoll, intensiv und bewundernswert schnell und vielseitig (beide Hände und Füße immer in Bewegung!) rührt er die Becken, schlägt und streicht, während Johann May an der E-Gitarre für treibende Rockbeats im Stil des Artrocks sorgt, die nun wirklich auch die letzten Gäste in Schwung versetzen. Jin Jim spielt dieses Konzert im Rahmen ihrer CD-Release-Tour im „salonfestival“- im schönen Showroom von Farbgestalt, wo launchige Sessel und diverse Stühle für das richtige Jamgefühl sorgen. Ein sichtlich begeisterter Gastgeber und die Gäste applaudieren lange: eine großartige Band wirft einen langen Schatten, zum Glück ist er weiß!

Egal ob Rock, Pop, Jazz oder HipHop: bei der Hannoverschen Band (gegründet 2015) Emerson Prime kommen viele Elemente aus den unterschiedlichsten Musikrichtungen zusammen, und das ist gut so. Denn diese fünf leidenschaftlichen Musiker kommen aus verschiedensten Stilrichtungen, allen gemeinsam ist die Lust am Musizieren und Liveauftritten. Sie spielen zum ersten Mal im „salonfestival“, und das an einem ungewöhnlichen Ort: ein Autosalon, schön hergerichtet mit Bänken und Stehtischen und atmosphärischer Beleuchtung – viele Gäste gehen schon nach dem ersten Song voll mit. Erika Emerson ist die Frontfrau der Band, sie textet und komponiert und zieht mit ihrer ausdrucksstarken souligen Stimme alle sofort in den Bann: sie singt, tanzt und interagiert mit ihren Prime-Kollegen. „Wonderseed“ heißt ihre erste CD, die zweite ist in Arbeit, so kommen auch unveröffentlichte Songs zu Gehör. „Heyo“ ist natürlich der absolute Hit, alle Gäste wippen mit ebenso wie „Walking down“. Tobias Lammers an den Drums gibt den starken Rhythmus, während Markus Ottenberg an der Gitarre tolle Riffs (und Soli!) spielt, z.B. im Song „One more night“. Erika kann Rock, aber auch sanfte Lyrics („Written im my Eyes“), ihre Texte drehen sich um alles, was einem so im Leben so passieren kann, besonders in der Liebe. Simon Lorenz (ein Metal-Fan) gibt mit seinem Basslines den vollen Sound und Joschka Merhof (der aus der Klassik kommt) am Keybord sorgt für besonders harmonische Klänge und unterstützt gelegentlich als backing vocal. Erika Emerson wuchs bilingual auf, alle Songs sind auf Englisch. Es gibt kaum Cover, dafür viel Eigenes, Besonderes. Nach zwei prallvollen mitreißenden Sets gibt es begeisterten Applaus – auch für die Technik, die wieder einmal von der exposive medien gruppe bereitgestellt wurde. Emerson Prime will die Festivals stürmen – nach diesem Abend steht fest, dass sie auch „das salonfestival“ gestürmt haben. Eine absolut geerdete Band mit viel britischer Popmanier, die viel Lust auf mehr macht! Die begeisterte Gastgeberin verteilt am Ende weiße Rosen!

 

Viele Gäste in einem großzügigen Wohnzimmer erwarten diesen besonderen Klavierabend:
Auf dem Programm stehen Sonaten von Scarlatti, Bachs ‚Französische Ouvertüre’ in h-moll sowie im zweiten Teil Schuberts Sonate in B-Dur D.960. Pianistin Serra Tavsanli hat in Istanbul, Hannover und Leipzig studiert, wo sie auch ihr Konzertexamen mit Auszeichnung abschloss. Zahlreiche Auftritte hat sie bereits erlebt, auf Festspielen gespielt und solistisch ihr Publikum begeistert. Zu diesem Hauskonzert hat sie den Hannoveraner Jazzsaxophonisten Lars Störmer fürs Vorlesen mitgebracht: er eröffnet den Abend mit einem Zitat aus den „Selbstbetrachtungen“ Marc Aurels. Weich und schön, behutsam und doch stark spielt Serra Tavsanli die erste Sonate von Scarlatti und überzeugt rasch ihr Publikum.
Perfekt sitzen die schnellen Läufe, komplizierte Fingersätze – mit behänder Leichtigkeit spielt die Pianistin diese Sonaten, die eigentlich für das Cembalo komponiert waren. Und das kann man hören, sogar auf einem Steinway. Großartig entwickelt sie die Motive von Scarlattis Sonaten, die sehr modern klingen, irgendwie ihrer Zeit voraus.
Serra Tavsanli spielt gern und immer wieder den ganz großen Komponisten: Bach – seine „Französische Ouvertüre“ ist in einer besonderen Tonart gesetzt: h-moll. Ein komplexes Stück, dass in einem guten Tempo vorgetragen, nein, erzählt wird. Im ersten Teil dunkel, gedehnt, im zweiten Teil voll und intensiv, einer Fuge gleich. Übrigens eine beliebte musikalische Form im Barock. Hierzu ist der vorgetragene Text der französischen Autorin Delphine de Vigan gut gewählt, es geht um das Vorspielen, das Verändern, das Erzählen.
Schuberts B-Dur Sonate D.0960 stammt aus dem Jahr 1828 und ist eine der letzten Sonanten dieses großartigen Komponisten, in drei Sätzen (molto moderato, andante sostenuto und allegro ma no troppo) lässt Serra Tavsanli eine ganze Welt entstehen: auch hier macht Lars Störmer mit einem kurzen Zitat des syrischen Schriftstellers Kahlil Gibran die Eröffnung, die Einstimmung. Perlend, dramatisch, energisch und mit viel Pedal gelingt der Pianistin auch in diesem anspruchsvollen Stück, das Thema sauber herauszuarbeiten. Nach einem ruhigen klaren Satz, mit großer Empathie gespielt, findet dieser besondere Klavierabend auch im rasant-furiosen dritten Satz noch nicht sein Ende: ein Händelstück in einer Bearbeitung von Wilhelm Kempff folgt und – natürlich – ein wunderbarer Bach-Choral: „Ich rufe zu dir, Herr“. Ob Scarlatti und Bach einander gekannt haben, ist unsicher. Sicher ist: alle Gäste haben an diesem Abend eine exzellente Pianistin kennengelernt. Es gibt Blumen vom begeisterten Gastgeberpaar und sehr viel Applaus.

 

Nachdem wir im vergangenen Jahr erstmals Gastgeber im Rahmen des salonfestivals waren und einen tollen musikalischen, kulinarischen und geselligen Abend mit den Musikern Christian Elin und Jakob Rattinger erleben durften, hatten wir uns nach kurzem Durchatmen entschlossen, zu ‚Wiederholungstätern‘ zu werden. Aber es sollte keine echte Wiederholung, sondern beim zweiten Mal alles anders sein. Also erstmal andere Musikrichtung: Ein Klangteppich aus Jazz, HipHop und Elektro – das Roman Schuler extended Trio aus Hamburg. Das ganze war ein ‚Mitreissender Sound im Wohnzimmer‘ und ist unter gleichnamigem Blog empathisch geschildert, weshalb wir auf eigene Worte verzichten – der anhaltende Beifall sprach Bände. Da das ‚LoveItHealthy‘-Catering samt der Chefin als ‚Mundschenk‘ leider nicht mehr angeboten wird, entschieden wir uns für ein anderes Konzept: Peruanisches Fingerfood aus Eva’s Kitchen und Getränke-Selfservice aus dem Gastro-Kühlschrank fanden großen Anklang bei den Gästen und führten zu reichlich geselligem Austausch. Außerdem hatten wir die Bestuhlung zugunsten von Stehtischen und -plätzen diesmal eingeschränkt, sodass die Gäste nicht nur die lyrische Kraft des Pianos mit den Ohren genießen, sondern auch die Lebendigkeit des Groove-Sounds in eigene Bewegung umsetzen konnten. Die Musiker Alex Klauck (Schlagzeug), Konrad Herbolzheimer (E-Bass) und Roman Schuler (Tasten, Tasten, Tasten) mögen ob der Nähe zum Publikum etwas überrascht gewesen sein, ließen sich aber bereitwillig zu ihren Instrumenten befragen und waren auch in der Pause und nach dem Konzert Teil des geselligen Beisammenseins – auch dafür gilt unser Dank an sie, dieser verkörpert in einem Sixpack ‚Hannöversch‘ statt edlem Wein wie im letzten Jahr. Beim zweiten Mal war also alles anders. Wirklich alles? Nein! Denn aus einem (unbeugsamen) Winkel der Terrasse machte sich nach dem Konzert wie im letzten Jahr der Duft von gegrillten Salsiccia Mantovana (aus römischer Produktion) breit, die sofort reißenden Absatz bei Gästen und Musikern fanden. Beim zweiten Mal war also nur fast alles anders – aber ebenso schön. Unser Dank gilt Musikern und Gästen gleichermaßen und natürlich Ulrike Groffy und dem salonfestival für die Organisation. Und im nächsten Jahr ist dann ja vielleicht wieder fast alles anders… .

erstellt von Wolfgang Hoffmann, Gastgeber

 

Ein beinah leer geräumtes Wohnzimmer, einige Stühle stehen bereit, verstreut sind Stehtische aufgestellt. Vier Buchstaben, drei Musiker und ein Sound: das ist das ‚Roman Schuler Extended Trio’. Das Trio hat aufgebaut, neben der Bassgitarre und einem funkelndes Schlagzeug sieht man drei Manuale, etliche Pedale und natürlich noch mehr Kabel. Ein Moog ist auch dabei, wunderschön anzusehen wegen seiner seitlichen Holzverkleidung: ein Retrostück, das an die 60er Jahre denken lässt. Mit dem Stück „Life ist a wave“ startet dieser gut besuchte Musiksalon: Keybord, Schlagzeug und Basslines grooven rasch das Publikum.
Roman Schuler ist ein Sounderfinder, ein Soundmeister, der Elemente des Jazz, HipHop und der Elektronik neu zu einem ganz eigenen Stil mixt, ein begnadeter Pianist, der u.a. bereits den „futuresounds Jazzpreis 2012“ gewonnen hat. Roman Schuler stammt aus Karlsruhe und lebt heute in Hamburg. Er spielt im eigenen Trio mit Konrad Herbolzheimer am E-Bass zusammen, und am Schlagzeug sitzt Alex Klauck (mit Kopfhörern) und sorgt für ungewöhnlich rasante Rhythmen. Ein Wunder, wie er es schafft, sein Spiel diesem Wohnzimmer anzupassen, denn eigentlich ginge da natürlich noch viel mehr Sound!
Roman Schuler moderiert charmant diesen Musikabend, er verarbeite Eindrücke und Gefühle in seiner Musik, so auch in einem neuen Stück (eine neue CD gibt es Anfang 2019!), das eine Hommage an eine große Stadt ist: New York, Polizeisirenen, Großstadtgeräusche werden musikalisch nachempfunden – man geht durch Manhattan. Besonders lyrisch „Be good“ und „Wisehite“, und noch mehr feeling gibt es bei dem Stück „Searching for Home“ – gekonnt wechselt Roman Schuler zwischen den Manualen und tippt auch mal auf dem Laptop herum – unglaubliche Konzentration erfordert dieses Spiel mit schnellen Rhythmen und wechselnden Melodien und Motiven. Alles Gefühl! Alex Klauck ist ganz im Schlagzeugen versunken, großartig! Sein Solo bekommt viel Applaus, und ebenso Konrad Herbolzheimer, der den so gekonnt lässig E-Bass spielt, als wäre das alles so einfach. Das Trio harmoniert.
„You’re doing right“ kann man da diesen leidenschaftlichen Musiker mit ihrem eigenen Stück nur zurufen – nach begeistertem Applaus, einer Zugabe und zwei langen Sets geht dieser Musikabend noch nicht zu Ende: Die Gastgeber laden noch zur italienischen Grillwurst, und Wein sei auch noch da. Das Trio bekommt von den Gastgebern ein Sixpack Hannoversches Bier mit auf den Weg. Ein soundvoller Abend mit vielen Leckereien!

 

Still in the Woods – das ist Indie-Jazz. Und doch viel mehr! Bass, Drums, Keybord und eine sagenhafte Stimme mit viel Groove und intensiven Texten: das sind Anna Hauss, Robert Wienröder, Raphael Seidel und Jakob Hegener. Vier junge leidenschaftliche Musiker, die sich 2014 in Berlin, Leipzig und Dresden gefunden haben und seither als Band auftreten. Und perfekt harmonieren! In Hannover stellen sie ihr Album ’Rootless’ im Techniklager der exposive medien gruppe vor: auf einer technisch perfekten Bühne – seitlich stehen die Mischpulte, die natürlich vom exposive Team bedient werden – inmitten der hohen Regale mit Cases und Boxen, wozu Anna den rhythmischen Song ‚Little Boxes’ präsentiert, als wäre er eigens für diesen Abend geschrieben. Ihre Stimme ist vielfältig, wandelbar, mal fordernd, mal geschmeidig. Zum Song ‚Bubbles’ kommt ein Megaphon zum Einsatz, als analoger Stimmenverstärker quasi, ein eindrucksvoll-witzige Stimmveränderung.
Über der Band hängen kristallene Lüster und große Glühbirnen, die dem Auftritt eine besondere Atmosphäre geben und das Techniklager in einen ungewöhnlichen Salon verwandeln. Still in the Woods lässt sich musikalisch in keine Schublade pressen, alle vier Musiker sind einfach in der Musik an diesem Abend, im Flow, den alle Gäste sichtlich genießen. Manche sitzen und wippen mit dem Fuß, andere stehen an den verstreut aufgestellten Tischen und bewegen sich leise zu den zarten Balladen, wie zum Song ‚In my own arms’. ‚Rootless’ sind diese vier Musiker nicht, sondern wirklich tief in der Musik verwurzelt: Jazz, Samba, Soul, Hip-Hop und Funk und treibende Beats vermischen sich zu einem ganz eigenen Sound, unverwechselbar, lustvoll geradezu. Die eingestreuten, wie zufällig platzierten Soli an den Drums (Jakob), am perlend gespielten Keybord (Robert) und an dem treibenden sonoren Bass (Raphael) kommen locker daher und werden mit viel Applaus belohnt. Natürlich muss es Zugaben geben, und die gibt es auch. Nach noch mehr Applaus.
Mit einem leckeren Büffet und vielen Gesprächen in kleinen Runden geht dieser eindrucksvolle Musik-Salon erst spät zu Ende.

 

Vor vier Jahren hatte ich sie schon einmal im Rahmen des Salonfestivals
gehört. Damals waren sie zu viert, zwei “Engländer” und zwei “Afrikaanser”
aus Südafrika. Der Drummer hatte statt einer Bass Drum eine Cahón
mitgebracht (die sicher das kleinere Packmaß hat), die er mit einer
Fußmaschine mit viel Gestänge zum Klingen brachte. Ich erinnere mich an
das Gespräch, das ich damals mit Gerdus Oosthuizen geführt habe, der
damals wie heute aussieht wie der jüngere Bruder von Jack Sparrow,
eindrucksvoll lang, eindrucksvolle Mähne, eindrucksvoll gute Laune.

Nun waren sie wieder da, die Sons of Settlers, auf die beiden Afrikaanser
geschrumpft, im sehr geschätzten Privatquartier A+B, in dem ich schon so
manche angenehme Stunde verbracht (und manch neue Erkenntnis gewonnen)
habe. Ich komme eigentlich immer recht knapp, die guten Plätze sind dann gemeinhin bereits vergeben.
Aber hey! Der breite rote Sessel, in dem ich blickgünstig das letzte Mal
gesessen habe, scheint noch frei zu sein. Tatsächlich, er war es. Dieses
Mal war der Blick wieder unverstellt, aber direkt neben der Box ist
vielleicht doch nicht der beste Hörplatz, zumal die Gruppe wohl gewöhnlich
größere Lokalitäten zu beschallen hat. Bereits während des ersten Stücks
suchte ich das Weite in den schallärmeren Hintergrund. Auf ihrer Webseite
schreiben die Sons of Settlers, daß sie nun als Duo nicht weniger Sound
machten als vorher zu viert. Das stimmt.

Sie spielen mit einer akustischen Gitarre und einer E-Gitarre fröhliche
Straßenmusik, dazu die bereits genannte Cahón mit Fußbedienung und
Schellen am anderen Fuß. Sie nennen ihre Musik “melodiösen Folk”. Ist das
wirklich Folk? Melodiös jedenfalls ist es in jedem Fall. Gab es am Vortag im „salonfestival“ noch komplexe Harmonik, schwere Gedanken und viel Moll, so steht heute das glatte Gegenteil auf dem Programm. Viel Dur, viel Rhythmus. Die Köpfe
wiegen, die Fußspitzen wippen im Takt: Wäre mehr Platz gewesen, hätten
sicherlich einige Gäste zu schwoofen angefangen (und ich wäre vermutlich
dabei gewesen). Wir waren ja ganz unter uns, keinem der Zuhörer hätte man
erklären müssen, wer die Eagles sind oder etwa Fleetwood Mac.

Nach zweimal 45 Minuten und einer gastromisch wohlbestellten Pause
vertilgte eine inspirierte Gruppe Gäste den Rest des Weins — wäre
schließlich schade um die bereits offenen Flaschen gewesen.

Herzerwärmend.

erstellt von Martin Gerdes, Gast!

 

Lieder von gestern und heute: „Vintage“ hat die Berliner Sängerin Iris Romen (mit holländischen Wurzeln) ihr Programm überschrieben und ist gemeinsam mit dem Gitarristen Alexey Wagner nach Hannover gekommen. Der Spielort ist ungewöhnlich wie hübsch improvisiert hergerichtet: eine Bühne gibt es nicht, es genügt eine Steckdose für den Rhodes und das Keybord. Alles direkt vor einem gemütlichen Sofa, auf dem entspannt die Gäste lauschen. Nahezu unplugged ist diese Konzert, leise und charmant weht der Geist von ehemals durch die Lieder. Iris Romen sagt gleich zu Beginn geradeheraus, sie sei ein wenig altmodisch und schätze es sehr, Gefühle, Eindrücke und Lebensalltag in Lieder umzusetzen, zumeist in eigene, es gibt wenig Cover an diesem Abend. Mitunter genügt eine Impression, so kam es zum Lied mit dem ‚Elevator Boy’, in dem das Liftklingeln wunderbar nachgeahmt wird. Iris singt vom ‚Mut haben’, wie man sich fühlt bisweilen, und auch sehr schön vom ‚ein Zuhause haben’ und von der kommenden Jahreszeit. Und natürlich gibt es auch ein Liebeslied: „You stole my heart“. Ihre Stimme ist hoch, ein heller sehr klarer Sopran mit Möglichkeiten in der Tiefe, mitunter auch mit einem leichten Timbre. Ihr liegen fast alle Rhythmen: vom Walzer über Bossa Nova bis hin zum Westernsong und auch mal einem ‚Schieber’. Stets wunderbar begleitet von Alexey auf der Gitarre, der die Riffs beherrscht, mehr als das, eine sehr empathische Begleitung ist. Beim Blues allerdings dreht er so richtig auf! Ein schöner Kontrast auch zum Spiel am Keybord und besonders zum Bass, zu dem Iris mühelos überwechselt und den sie glänzend beherrscht. Ganz toll: „Born to be wild“ für Stimme und Bass! Auch ein alter Song – zu dem viele Gäste begeistert mitwippen. Besonders schön wird es, wenn Jazzanklänge zu Gehör kommen, dann wird Iris’ Stimme sanft und voll.
Iris Romen wird bald im Studio neue Lieder aufnehmen, sie sei ein langsamer Mensch, der in der Musik alles sozusagen wegarbeite, meint sie in ihrer charmanten Moderation, die durch den Abend führt. Nur unterbrochen von einer Pause, für die die Boutiquebesitzerin ein üppiges Büffet vorbereitet hat. Und natürlich vom langen Applaus!

 

 

Ein Spätsommerabend, eine gemütliche Wohnung direkt am und hoch über dem Kanal bieten den Auftakt für die zweite Spielzeit des “salonfestivals” in Hannover in diesem Jahr. Klassik steht auf dem Programm: “Suite&Sonate” haben der Cellist Oliver Mascarenhas und der Pianist Hai´ou Zhang ihr anspruchsvolles Abendprogramm überschrieben. Konzentriert eröffnet Oliver Mascarenhas mit Johann Sebastian Bach, mit dem Präludium aus der Suite Nr.4 für Cello solo in Es-Dur. Kraftvoll streicht er den Bogen auf seinem Cello von Gaffino Castagneri aus dem 18. Jhdt. Kadenzen, aufgelöste Dreiklänge, Thriller – ein Höhepunkt der Cellomusik. Wie modern Bach anmutet, wird bei diesem Stück sehr deutlich.

Ein gezupfter Auftakt markiert die Sonate Cello solo des ungarischen Komponisten Györgi Ligeti – ein schwieriges Stück, das Oliver Mascarenhas souverän meistert. Der sonore Klang des Cellos unterstreicht den elegischen Unterton; Doppeltönigkeit und viele Sprünge (Mascarenhas fegt durch die Läufe) zeigen die vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten dieses wunderbaren Streichinstruments.

Besonders beeindrucken die wunderbar gespielten Glissandi bei diesem Stück. Erst Beethoven habe das Cello ins rechte Licht gerückt, erläutert der Cellist, was die beiden Musiker dann auch mit Ludwig van  Beethovens Sonate in A-Dur für Cello und Klavier schwungvoll im perfekten Zusammenspiel zeigen . Die erzählenden Passagen des Cellos werden wunderbar vom Spiel Zhangs aufgenommen und entwickelt. Der zweite Satz ist ungewöhnlicherweise schnell, leichthin rasant – tänzerisch gleiten Zhangs Finger über die Tasten. Hausmusik pur – Gäste und Gastgeberin sind begeistert, es gibt viel Applaus (sogar zwischen den Sätzen!).

Damit das leibliche Wohl nicht zu kurz kommt, ist eine Pause indispensabel. Auch wenn der Herbst mit kühlem Hauch schon zu ahnen ist: Der Blick über die Stadt auf der einen und über den Kanal auf der anderen Seite ist hinreißend. Gelegentlich hört man das Tuckern eines Binnenschiffes.

Die zweite Konzerthälfte eröffnet Hai´ou Zhang mit einer französischen Komposition: “En avril à Paris” von Charles Trenet in einer Bearbeitung des bulgarischen Komponisten und Pianisten Alexis Weissenberg, dessen tragische Lebensgeschichte Hai´ou Zhang kurz skizziert. Gern würde man mehr von diesem Komponisten hören. Er hat viele Jahre in Paris gelebt und gearbeitet. Es folgen drei Fantasiestücke für Cello und Klavier von Robert Schumann,
die wie Lieder klingen, was auch an der Phrasierung liegt. “Rasch mit Feuer” ist der dritte Satz überschrieben – kein Problem für die perfekte Technik der beiden Musiker, deren musikalische Empathie absolut überzeugt. Die “Pflichtzugabe” (so Mascarenhas) stehe nicht auf dem Programmzettel: die beiden letzten Variationen von Tschaikowsky über ein Rokokko-Thema.

Geheimnisvoll hatten die Musiker noch eine Überraschung versprochen, und diese erscheint nun in Form der zierlichen Koreanerin Eunseon Jang von der NDR-Radiophilharmonie, die ihren ungeheuren Kontrabaß ins Zimmer schleppt. Das nunmehrige Trio spielt dann zum Abschluß Fantasien über Themen von Rossini des weniger bekannten italienischen Komponisten Bottesini. Der war ein musikalisches Multitalent, aber in erster Linie Kontrabassist. Logisch, daß einem solchen Komponisten ein möglichst farbiger Part für den Kontrabass am Herzen liegt. Salonfestival: Immer wieder anders, immer wieder inspirierend.

erstellt zusammen mit Martin Gerdes, Gast!

 

 

„Americana Ma Non Troppo“ haben sie ihr Konzert überschrieben, diese vier jungen Saxophonisten und Saxophonistinnen, die aus dem Düsseldorfer Raum kommen. Gefunden haben sie sich bereits 2007 an der Krefelder Musikschule und wurden bereits 2008 Preisträger des Bundeswettbewerbes „Jugend musiziert“. Viele Gäste sind gekommen, um dieses Gartenkonzert an einem zunächst regnerischen Sonntagmittag in Hannover zu erleben. Also wird rasch in den Wohnräumen Platz gemacht, bestuhlt und schon kann es losgehen: nach dem modernen Stück von Philipp Glass „Mishima“ – auf dem Treppenabsatz gespielt – folgt der 2. Satz aus dem „Amerikanischen Quartett“ von Antonin Dvorák – da stehen die Musiker bereits im Wohnzimmer. Ein Wandelkonzert also, und auch die Gäste geraten in Bewegung: nicht nur durch das stimmige, virtuose Spiel der Saxophonisten, deren Spieltechniken begeistern. Die Sonne kommt durch, und nach einer Pause geht es in den Garten, wo gekühlter Wein und Wraps bereitstehen: Stühle und Tische sowieso. Das Programm wird amerikanischer, Gershwin kommt hoch vom Balkon zu hören, Piazollas Tango gibt es als ‚Zwischeneinlage’ von der Loggia aus. Bei Leonard Bernsteins Stücken aus der „West Side Story“ wippen alle mit und bei „Ulla in Africa“, einem temperamentvollen, tänzerischen Stück mit schnellem Spiel und viel Puste von Heiner Wiberny steht das Quartett bereist im Garten, ist längst schon angekommen bei den Gästen, welche Atmosphäre und Musik sichtlich genießen. Silas Kurth ist so etwas wie der Bandleader dieser Saxophon-Enthusiasten, die ein unglaublich reiches Repertoire eingespielt haben. Sopran-, Alt-, Tenor- und Baritonsaxophon – keines steht im Mittelpunkt, alle harmonieren und spielen ineinander, nebeneinander und miteinander. Dabei hören sich die Musiker draußen im Freien nicht gut: eine zusätzliche Herausforderung bei einem Gartenkonzert. Nach dem letzten Stück „Klezmer Traditional“ von Mike Curtis gibt es noch eine launige Zugabe: „Probier’s mal mit Gemütlichkeit“ aus dem Junglebuch – eine Aufforderung, der die Gäste längst nachgekommen sind. Musiker und Gäste fühlen sich pudelwohl: nicht zuletzt der begeisterten Gastgeber wegen, die genau dieses Quartett in ihrem schönen Garten zu Gast haben wollten. „Summertime“ pur also – natürlich auch vom Saxophonquartett!