Ieva Dudaite: Tiersen trifft Chopin – ein Klavier-Rezital.

Wie kann man Frederic Chopin und Yann Tiersen in einem Programm, auf einer CD zusammenbringen? Chopin, einer der ganz Großen, mit einem noch lebenden Komponisten von erfolgreicher (Film) Musik in einem Atemzug? Tatsächlich kann Ieva Dudaite das sehr gut begründen, findet Gemeinsamkeiten, erklärt die natürlich großen Unterschiede zwischen den Komponisten und findet eben auch gute Argumente für diese Verbindung, die vor ihr noch niemand hergestellt hat. Ein sehr starkes Argument ist die große Popularität von Tiersens Musik gerade unter jungen Leuten mit Millionen von clicks auf spotify, youtube usw. und Ievas Anliegen, auf diese Weise auch ein jüngeres Publikum für klassische Musik zu interessieren. Tiersen, um junge Menschen in einen Konzertsaal zu locken…

Uns hätte sie natürlich nicht locken müssen, wir wären ihr an diesem wunderbaren Sommerabend überallhin in der Welt der Musik gefolgt. Ieva beginnt den Abend mit Chopins Nocturne Es- Dur, Op. 9 Nr. 2 – ein Walzer und auf Chopins Walzer folgt la Valse d´Amelie von Tiersen. Was passt besser zu einem Sommerabend als ein weiteres Nocturne? Chopins Nocturne cis- moll B. 49 Nr.20. Ieva erzählt begeistert über Tiersens Klaviersoloalbum Eusa, auf dem er seine Musik mit den Klängen der Natur zusammenbringt, und sie präsentiert drei Stücke von diesem Album untermalt mit den Geräuschen von Wellen und Wäldern. Dann entführt sie uns nach dem eigentlichen Programm in ihr Heimatland Litauen mit dem ersten Satz einer für sie komponierten Sonate eines jungen litauischen Komponisten: Jurgis Kubilius (*1998). Herrliche Melodien, die ganz hervorragend zu Chopin und Tiersen passen. Ivea ist weit gereist für den heutigen Abend: Von Vilnius nach Klaipeda, 20 Stunden mit der Fähre nach Kiel, von Kiel nach Hannover – mit ihrer 10 Wochen alten Tochter und ihrem Ehemann. Was für eine Reise und was für ein Geschenk an uns! Danach spielt sie für uns eine eigene zweiteilige Komposition. Und dann geht die Reise noch weiter nach Argentinien. Astor Piazolla wäre in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden und so beschenkt sie uns als Zugabe mit ihrer Version von Libertango. Ein Arrangement für vier Hände, sie hat die erste Stimme eingespielt und improvisiert dazu für uns die zweite Stimme. Wunderschön. Ieva konnte nicht ahnen, dass diese Melodie natürlich den ganzen Sonntag im Ohr bleibt. Und mit Take Five als zweiter Zugabe zeigt sie, dass sie auch Jazz kann.
Nach einem langen Applaus plaudert Ieva charmant mit den Gästen, signiert ihre CD und ein herrlicher musikalischer Abend klingt auf der Terrasse aus und entlässt die glücklichen Gäste in die Nacht.

Ein Klavier-und Kammermusikabend in einem Wohnzimmer in Hannover: der Steinway weit offen, die Gäste sitzen verteilt bei geöffneten Fenstern, einige auch draußen auf der Terrasse. Die Pianistin Nicole Rudi bestreitet den ersten Teil des Programms und eröffnet mit Mozarts Sonate in ES-Dur: ungewöhnlich ein langsamer Satz zu Beginn, ein schönes Adagio, wunderbar vorgetragen. Eine kontrastive Sonate, die Mozart auf seinem Hammerflügel komponierte; sie lebt vom laut und leise, wie Nicole Rudi eingangs erläutert und dann auch souverän mit festem Anschlag umsetzt. Absolut virtuos. Nicole Rudi stammt aus Wolfsburg, hat in Hannover und Wien studiert, wurde bereits mehrfach ausgezeichnet und war in Europa und in Asien mit Konzerten zu Gast. Kenntnisreich erläutert sie ihr Programm: auch die melancholisch-traurige zweisätzige Sonate 1.X.1905 des tschechischen Komponisten Leos Janácek, der hier die menschliche Sprache in Musik überträgt: eine Demonstration und den Tod eines Menschen – ein sehr modern anmutendes Stück, das die Pianistin sehr gefühlvoll umsetzt.

Es folgt direkt im Anschluss die Polonaise in fis-moll von Chopin, ein vierteiliges Klanggemälde, das Nicole Rudi souverän voll und intensiv zum Vortrag bringt. Großartig! Es gibt sehr viel Beifall!

Während der Coronazeit haben MusikerInnen nicht nur nicht auftreten können, sondern auch vieles an Zusammenspiel hat sich aufgelöst, Quartette, Trios, die Mitspielende verloren haben. Umso mehr freut man sich, dass sich das Quintett, das nach der kleinen Pause auftritt, gerade in der Pandemiezeit gefunden hat: „Eins und fünf „! Eine besondere Premiere also, für das Quintett mit diesem Auftritt im Salon und überhaupt: ein Quintett im salonfestival in einem Wohnzimmer!

Mit Stephanie Kemna (Violine), Pauline Herold (Violine), Nicola Maisenbacher (Viola) und Dan Brandom (Violoncello) beweist Nicole Rudi ein exzellentes Zusammenspiel: Das berühmte Klavierquintett in Es-Dur von Robert Schumann beginnt mit einem lebendigen Allegro brillante – vom Quintett ebenso brillant gespielt. Ein kraftvolles Spiel auch im dritten Satz, schnell, eingespielt, absolut gekonnt, das in einem Feuerwerk im vierten Satz endet: es wird gezupft und gestrichen, ein überwältigendes Finale! Es gibt lang anhaltenden Applaus für die fünf MusikerInnen und als Dank an die begeisterten, gerührten Gäste und Gastgeber eine kleine hübsche Zugabe von Edward Elgar: Salut d’Amour. Eine Hommage an die Musik!

Nach langem Applaus verteilen die Gastgeber kleine Geschenke an die fünf MusikerInnen, deren fröhlich lächelnde Gesichter zeigen, was ein Live-Auftritt und die Begeisterung der Konzertbesucher für sie bedeuten. Herzerwärmend!

Das Avin Trio in Hannover…endlich wieder Salon!

 

 

Das Warten hat ein Ende…der erste Salon seit Monaten in einem Wohnzimmer in Hannover!

Die Türen und Fenster weit offen, Stühle stehen paarweise mit Abstand bereit, und die ankommenden Gäste strahlen. Auch die Gastgeber sind glücklich, wieder Gäste und Musiker zu einem Salon bei sich empfangen zu können.

Besondere, eher selten aufgeführte Stücke hat sich das Avin Trio für diesen Klassikabend ausgesucht, die mit Bravour und großem Können vorgetragen werden. Gegründet wurde das Trio von Valerie Schweighofer (Violine), Carlo Lay (Violoncello) und Josefa Schmidt in Hannover. Alle drei sind Stipendiaten der Deutschen Stiftung Musikleben und haben sich im Studium an der Musikhochschule kennengelernt.

Klassisches und Rares ist der Salon betitelt und bereits der Auftakt von Mendelssohn Bartholdys Klaviertrio Nr. 2, Op. 66 in c-moll ist ein Ohrenschmaus, ein furios vorgetragenes Allegro energico, gefolgt von einem einfühlsam und schön akzentuiert vorgetragenen Andante. Dann kommen drei Nocturnes des schweizerisch-amerikanischen Komponisten Ernest Bloch: wunderbare Nachtstücke, die starke Bilder hervorrufen, eine sehr gefühlvolle Musik, lyrisch angehaucht, charaktervoll – und selten aufgeführt. Großartig interpretiert von Josefa Schmidt am Flügel sowie den beiden MusikerInnen an den Streichinstrumenten: hervorragend Valerie Schweighofer an der Violine und ebenso grandios Carlo Lay am Violoncello. Vor der Pause kommt noch Haydns Klaviertrio in Es-Dur zu Gehör: vorgetragen in einem schönen Tempo, sehr fein abgestimmt im Trio im Andantino und schwungvoll rasant nahezu im Finale (presto). Besonders Josefa Schmidt kann sich am Flügel beweisen – toll.

Lieben Sie Brahms? Natürlich – nach einer kleinen Pause hören die begeisterten Gäste das Klaviertrio Nr.1 in H-Dur – kein leichtes Stück Musikliteratur, welches das Avin Trio wunderbar aufführt. Absolut beeindruckend! Ein perfekt gelungenes Zusammenspiel, in dem das Trio zeigen kann, dass jede(r) für sich genommen schon großartig ist. Nicht nur das intensive Finale wird lange beklatscht, das ganze Konzert war ein großer Hörgenuss. Und nachdem die kleine Zugabe, das Wiegenlied von Brahms, leise verklingt, ist man noch nicht müde. Es gibt kleine liebevoll vorbereitete Leckereien auf der Terrasse – und viel Lob: Für das Avin Trio und die Gastgeber.

Hausmusik im schönsten Sinn!

 

 

©Ulrike Groffy

Wir haben es getan – salonfestival in Zeiten von Corona: 

 

Ein Salonkonzert in Zeiten von Corona – geht das überhaupt? Diese Frage beschäftigte uns nicht nur im März 2020 , als wir mit August August endlich unsere Wunschmusiker für unser im August geplantes Salonkonzert gefunden hatten. Die weiteren Entwicklungen im kulturellen und privaten Bereich sind hinlänglich bekannt und nicht nur einmal haben wir uns als Gastgeber und die Programmleitung gefragt: Wird unser Salonkonzert stattfinden?

 

Nun hatten wir in mehrfacher Weise Glück. Da es nach kurzer Zeit erst halb so viele Anmeldungen gab, wie möglich gewesen wären, wurde erstmal die Anmeldeliste geschlossen. Auch ergaben sich im Juli einige Lockerungen im Hinblick auf die Corona-Auflagen. Zudem waren uns die Gäste (nahezu) allesamt bekannt. Zwei Wochen vor dem Konzert galt es dann eine Entscheidung zu treffen. Wir wollten ‚unser‘ Konzert, die Gäste wollten das Konzert, die Programmleitung wollte ein nicht nur virtuelles Konzert und das wollten natürlich auch die Musiker, die sogar vom Duo zum Trio avancierten.

 

So entwickelten wir das Konzept für ein Garten-Konzert: Die Musiker auf die – überdachte – Terrasse (Wird die Akustik dies zulassen?), die Gäste allesamt sitzend und mit Abstand auf die – nicht überdachte – Rasenfläche davor (Wird das Wetter halten?), die Getränke (beschriftete Gläser) und Speisen (keine Selbstbedienung) voneinander getrennt (Wird jeder die Desinfektionsvorgaben beachten?) und natürlich Maskenpflicht drinnen, Händedesinfektion und Abstand.

 

Und – das Konzept ging auf: Die Akustik war klasse (bis hin zu den umliegenden begeisterten Nachbarn im Viertel), das Wetter hat ‚mitgespielt‘, die Gäste zeigten sich geübt im Umgang mit allen Vorgaben und belohnten den Mut der Musiker, der Gastgeber und der Programmleitung mit viel Applaus.

 

Die Musiker waren glücklich ihr Können ‚offline‘ zu zeigen und belohnten das Publikum mit reichlich Zugaben. Das Publikum war begeistert – auch von der ‚eisigen‘ Pausenüberraschung und die Resonanz für die Gastgeber war überwältigend : ‚zauberhaftes Konzert in besonderer Atmosphäre‘, ‚unglaublich gelungener unterhaltsamer musikalischer und hygienischer Abend in ganz besonderer Zeit mit eiskalter Überraschung‘, ‚unglaublich schöner Abend‘, ‚angetan vom Ambiente‘, ‚haben [wir] den Abend sehr genossen – endlich wieder Kultur in dem schönen Ambiente‘, ‚ein wunderschöner Abend, den wir lange erinnern werden‘. Auch wir als Gastgeber waren ganz verzaubert und glücklich uns für die Durchführung des Konzertes entschieden und noch rechtzeitig vor dem Konzert Julian und sein Eisfahrrad kennengelernt zu haben. Sein superleckeres Eis hat – ebenfalls coronakonform – ‚bombig‘ eingeschlagen.

 

Aber es waren insbesondere natürlich die Musiker Kate, Dave u. Greg von August August, die den Abend zu einem ‚zauberhaften‘ gemacht haben – die lebendige Musik, die kreativen Texte, die nicht minder kreativen Moderationen von Kate – ein tolles Konzert. Unser Dank für diesen schönen, musikalischen und geselligen Abend in Zeiten von Corona gilt deshalb insbesondere den Musikern und natürlich auch unseren Gästen für ihren Mut zu kommen und ein bisschen stolz sind wir auch, ‚dass wir es getan haben‘ – unser Salonkonzert in Zeiten von Corona.

 

Antje & Wolfgang Hoffmann

 

Der Advent und das Weihnachtsfest sind eine Zeit der Rituale. Sie geben Halt in einer kompliziert gewordenen Welt, stehen für Verlässlichkeit und gehen oft einher mit einen Erlebnis in Gemeinschaft. Musik gehört unbedingt dazu – was gibt es also Schöneres als am Vorabend des 4. Advent wiederum einen Musik-Salon mit Jessica Gall zu erleben. Einen Abend mit adventlichen Liedern, die man kennt, aber so noch nicht gehört hat: Jessica Gall (Vocal, Saxophon, Glockenspiel), Robert Matt (Klavier, Vocal) und Johannes Feige (Gitarre, Vocal) präsentieren Songs von den letzten beiden Alben „Licht | Winterlieder“ und „Picture Perfect“. Sehr charmant moderiert von der Sängerin, deren sanfte Stimme ziemlich viel mehr kann, wie die vielen Gäste bereits beim ersten Lied erkennen („Süßer die Glocken nie klingen“). Ihre Stimme ist vielseitig und wandelbar, von Hoch bis Tief moduliert sie ohne Mühe, klingt mal leise, mal fordernd, in jedem Fall jazzig und soulig. Natürlich kommt auch der Titelsong ihres vorletzten Albums zu Gehör: „Picture Perfect“, ein berührender, intensiver Song über das Bild, das man sich von sich selbst macht. Begleitet, getragen und bisweilen überstimmt wird Jessica Gall von Robert Matt am Flügel, unnachahmlich, lustvoll in die Tasten greifend, improvisierend, kraftvoll. Und mit ungeheuer viel Spielfreude, die man ihm immer ansieht, nimmt er alle mit und unterstützt sonor mit seinem Begleitgesang. Das Stück „Weihnachtsfrau“ ist eine Eigenkomposition, witzig vorgetragen von Jessica Gall. Alte Weihnachtslieder wie „Es kommt ein Schiff geladen“ oder „Maria durch ein Dornwald ging“ rhythmisch ungewohnt neu präsentiert zu bekommen, mit Glockenspiel oder auch Sopransaxophon, das Jessica Gall mal eben so souverän spielt, begeistert die Zuhörer. Und Johannes Feige hat gleich zwei Gitarren mitgebracht: sein Spiel ist unbedingt virtuos, mal in der Begleitung, mal im Vordergrund mit tollen mitreißenden Riffs, aber auch schönen Improvisationen. Die drei Musiker sind perfekt aufeinander eingestimmt und lassen einander Raum für Gestaltung. Die Gäste sind begeistert, und berührt von der modern bearbeiteten altbekannten Weise „Stille Nacht, heilige Nacht“. Alle fühlen sich wohl im adventlich geschmückten Haus des Gastgeberpaares, und im Garten draußen schaukeln leise die Sterne in einem Baum.

Einzig der Winter fehlt zu diesem letzten Salon in Hannover in 2019.

 

©Ulrike Groffy

Der Bang&Olufsen Store am Landtag in Hannover öffnet bereits im sechsten Jahr seine Türen für einen Salon in der Reihe „musik zu Gast“. Mit Technik wie Kabel, Monitore und Scheinwerfer unterstützt die exposive medien gruppe dieses Konzert, der Sound kommt aus Lautsprechern von B&O. Stühle und kleine Leckereien erwarten die vielen Gäste, die den neu gestalteten Store bewundern. Der Gastgeber – Storemanager Rüdiger Horn und sein Team – begrüßt launig seine Gäste, die gespannt auf die bekannte Sängerin und Band „Tokunbo“ warten. Und sie eröffnet direkt mit ihrem Song „Cast away“, zieht die Zuhörer mit ihrer samtig vollen Stimme in den Bann. Tokunbo ist eine deutsch-nigerianische Soul-, Jazz- und Popsängerin, die als ehemalige Frontsängerin von Tok Tok Tok bereits weltweit sehr erfolgreich war. Nun ist sie solo mit Band unterwegs und bezaubert ihre Zuhörer mit ihren lyrischen Songs. Ihre englischen Lieder komponiert sie selbst, die Inspiration dazu kommt auch durch kleine Begebenheiten, die sie im Alltag erlebt. Einen Cover-Song hat sie mitgebracht, den sie wunderbar vorträgt: „Wake up alone“ von Amy Winehouse. Tokunbos erstes Soloalbum erschien 2014, im Jahr 2018 dann ihr zweites Album „The Swan“, dass diesem Konzert den Titel gibt. Charmant moderiert die Künstlerin ihr Konzert: mit „White Noise“ ist das Rauschen gemeint, durch das man immer mal wieder aus dem hektischen und dem politisch schwierigen Alltag entfliehen möchte. Der Song „Rebecca“ ist einer Freundin gewidmet (die nicht so heißt), die viele schlimme Sachen gemacht hat. Stimmlich begleitet wird Tokunbo von Anne de Wolff, die vielseitig und äußerst virtuos auch noch Geige spielt – mit langem Streichen eine besondere Stimmung schafft – und auch die Posaune bläst sowie ein Akkordeon zum Einsatz bringt und nebenbei die kleine Percussion mit Rasseln beherrscht. Bewundernswert. Am Bass und der Bassgitarre schafft Christian Flohr die richtig groovigen tiefen Akzente, neben Lars Ehrhardt, der für sein virtuos-fetziges Gitarrenspiel viel Applaus bekommt. Tokunbo begleitet sich meist selbst an der Gitarre, ihre Stimme variiert soulig zu den vorgetragenen, eher ruhigen Songs, und klingt immer voll und erdig. Musik und Stimme harmonieren, bilden nahezu einen Klangteppich, auf dem man entschweben kann. Tokunbo und zwei ihrer Bandmitglieder und auch ihr Techniker Ingo Schmidt kommen aus Hannover: Auf ihre Frage, was man in Hannover gern isst, hat Tokunbo einen Song über „Grünkohl“ geschrieben, nämlich tatsächlich „Apple Pie“. Und am Schluss kommt der Titelsong, als zweite Zugabe, endlich. „The Swan“. Ein Musiksalon mit einer schönen Mischung aus Folk, Pop und Jazz. Es gibt viel Applaus von den begeisterten Gästen, die sehr angerührt sind von Tokunbos Musik, die viel Gefühl rüberbringt. Wenn Musik verbindet, dann hat sie es an diesem Abend auf jeden Fall.

Ein Mittagskonzert in Hannover: Der Flügel ist offen, ein Blüthner-Flügel aus der Mitte des 19. Jahrhunderts verspricht einen besonderen Klang, denn er ist tiefer gestimmt. Er klingt weicher, voller und hat einen anderen Anschlag. Was die beiden Pianistinnen klangvoll demonstrieren: Carlota Amado und Tonia Čuić haben sich ein anspruchsvolles Programm erarbeitet, was sie dem Publikum darbieten. Die Musikerinnen haben sich an der Musikhochschule Karlsruhe kennengelernt, beide haben bereits zahlreiche Auftritte in wechselnden Besetzungen im In- und Ausland absolviert und auch Preise eingeheimst. Sie verstehen sich blind an den Tasten, greifen in – und übereinander, wie es die Fingersätze bei diesen teils komplizierten Stücken verlangen. Die Fantasie in f-moll op.103 D 940 ist wohl die bedeutendste Komposition für mehrere Hände von Franz Schubert, die er kurz vor seinem Tod 1828 fertig gestellt hat. Virtuos spielen sich die Pianistinnen durch die vier Sätze, interpretieren einfühlsam dieses spannungsreiche Stück. Es folgen Fünf Spanische Tänze op.12 des deutschen Komponisten Moritz Moszkowski, der seinen ersten Musikunterricht in Breslau und Dresden erhielt. Eine populäre Komposition, sehr komplex und anspruchsvoll zu spielen. Die Tänze stammen aus dem Jahr 1876, seinerzeit war das vierhändige Spiel in den bürgerlichen Häusern sehr beliebt. Die Gäste im Salon hören begeistert zu und die Füße wippen im Takt. In der Pause gibt es kleine Leckereien und Getränke, Gespräche über das Gehörte und viel Interesse an diesem besonderen Flügel. 

Carlota Amado und Tonia Čuić haben dann noch ein weiteres bekanntes Werk aus der Romantik ausgewählt: Acht Stücke aus den Ungarischen Tänzen von Johannes Brahms, 1858 – 69 entstanden. Brahms war Hamburger und von den Zigeunertänzen und ungarischer Musik überhaupt fasziniert: temperamentvoll meistern die beiden Pianistinnen besonders das „Allegro“ und „Vivace“, komponiert in moll und Dur. Sie spielen mit viel Leidenschaft und halten ein zum Teil hohes erfordertes Tempo souverän. Und ihre Hände kommen sich ohne Probleme oft in die Quere!

Es gibt viel und langen Applaus, auch vom Gastgeberpaar, das sich genau diese Pianistinnen ins Haus gewünscht hat. Nach zwei Zugaben gibt es noch ein Spiel: spontan und von beiden noch nie gespielt: „Let it be“ von den Beatles. Warum? Weil genau dieses Stück an einem Blüthner-Flügel eingespielt wurde. Wunderbar.

Ein Klavierabend im Salon ist immer etwas Besonderes: ein Hauskonzert im besten Sinne. Offen und zugleich privat, persönlich. Ein herzlicher Empfang durch die Gastgeber, Getränke und ein liebevoll angerichtetes Buffet stehen bereit, Stühle sind aufgestellt. Und der Flügel weit offen: Konzentriert und kraftvoll eröffnet die Pianistin Viviana-Zarah Baudis mit Beethovens Sonate Nr. 26 „Les Adieux“ ihr Konzert, ein emotionales Stück mit einer langsamen Einleitung, das am Ende in ein feuriges Allegro mündet, in dem große Freude zum Ausdruck kommt, schließlich geht es um ein Wiedersehen. Viviana Baudis spielt technisch perfekt, sehr konzentriert und absolut beeindruckend, als mehrfache 1. Bundespreisträgerin bei „Jugend musiziert“ und nach zahlreichen internationalen Auftritten hat sie Meisterkurse nicht nur in Wien, sondern auch in Italien und den USA besucht. Von Lang Lang wurde sie als beste Nachwuchspianistin aus aller Welt ausgewählt und ist mit ihm bereits gemeinsam aufgetreten.

 „Entdeckungen“ hat sie ihr Programm überschrieben und meint damit vor allem die beiden kurzen, sehr modernen Stücke von Gabriel Prokofiev, einem zeitgenössischen russisch-britischen Komponisten und DJ, einem Enkel des großen Prokofiev. „Sketch“ und „Cold Window“ sind zwei Kompositionen aus dem noch nicht fertigen Piano Book Prokofievs, rhythmisch komplex und knallend, etwas ungewohnt für das klassische Ohr. Und dann kommt Johannes Brahms: Den letzten Klavierzyklus von 1892, „Fantasien“ Op. 116, spielt Viviana Baudis im zügigen Tempo, leidenschaftlich und voll. Rasche Läufe wechseln mit verhalten melancholischen Passagen in diesem Stück, das Lebensreflexionen assoziieren lässt. Baudis akzentuiert hier sehr bewusst – es gibt viel Applaus für diese gelungene Interpretation und ihr virtuoses Spiel.

Franz Schubert, der große unermüdliche Komponist der frühen Romantik, steht nach einer kurzen Pause auf dem Programm: seine „Impromptus“ Op.90, die er ein Jahr vor seinem Tod 1827 komponierte. Viviana Baudis arbeitet hier das Thema voll heraus und vermittelt den Zuhörern viel musikalisches Gefühl, besonders im zweiten Teil, das perlend, heiter, nahezu tänzerisch daherkommt. Impromptus bedeuten unmittelbares Lebensgefühl, aus dem Moment heraus erdacht, sind ausdrucksstark, was Viviana Baudis perfekt umsetzen kann.

Das letzte Stück dieses Abends ist extrem anspruchsvoll, ein Stück „bei dem manche Pianisten blutige Hände bekommen“, wie Baudis ankündigt – sie aber nicht. Behände und souverän spielt sie den ersten Satz aus Bela Bartoks „Sonata For Piano“ Sz.80, mit kraftvollem Anschlag und hohem Tempo, was Bewunderung verdient. Natürlich gibt es viel Applaus von den begeisterten Gästen und dem Gastgeberpaar – und dann noch eine kurze Zugabe von Chopin. Ein Abend voll besonderer Klangentfaltung – „Entdeckungen“ eben!

Ein gemütliches Wohnzimmer in Hannover ist geöffnet: Stühle und Hocker stehen bunt gewürfelt bereit, auch ein Sofa lädt zum Sitzen ein. Draußen regnet es seit Stunden, drinnen erwartet die Gäste ein spanischer Abend.

Das Essener Gitarrenduo – Bernd Steinmann und Stefan Loos – hat die Saiten ihrer klassischen Gitarren gestimmt. Bereits seit 30 Jahren spielen die beiden zusammen und begeistern mit ihrem überaus virtuosen Gitarrenspiel ihre Zuhörer. Zahlreiche Konzertauftritte im In- und Ausland haben die Gitarristen bereits absolviert, aber ein Wohnzimmerkonzert ist auch für sie immer etwas Besonderes. Die ersten beiden Stücke stammen von ihrer neuen CD, die im Dezember erscheinen wird. Auch Melodien aus Bizets Oper „Carmen“ kommen in eigener Bearbeitung zu Gehör. Es wird gezupft, geklopft und vor allem ‚gegriffen’ – das Publikum merkt rasch, hier sind zwei Vollblutmusiker am Werk, mit viel Lust am Spiel ( „El Hombre“). Es sind vor allem Tänze zu hören ( „Rumba Oriental“, „ Zigeunertanz“, „Rumba furioso“), und die Füsse der Gäste wippen rasch im Takt. Bei „Rumba chico“ hört man den Einfluss der Mauren auf die spanische Musik besonders deutlich, ein Stück zum Wegträumen. Einige der Gäste spielen selbst Gitarre, bewundert werden die schnellen Finger, die Exaktheit des Spiels und das stimmige Abwechseln von Melodie und Begleitung. Und natürlich wird viel gelacht, denn Bernd Steinmann und Stefan Loos moderieren mit viel Witz durch das Konzert – nicht ohne Verweis auf ihre mitgebrachten CDs. Stefan Loos, der übrigens auch Malerei studiert hat, erzählt liebevoll von seiner kleinen Enkeltochter und stellt seine gefühlvolle Komposition vor, der Enkelin gewidmet: „Mathilda“. Das letzte Stück „Rumba Tambora“ ist schwungvoll und mitreißend und bildet einen grandiosen Abschluss eines rundum schönen Konzertes.

Natürlich gibt es viel Applaus, von den strahlenden Gastgebern noch eine Flasche Wein für die Musiker, die noch eine Zugabe spielen. Es regnet immer noch, aber der spanische Abend hat viel Sonne gebracht.

Als ich von meiner Tante und meinem Onkel gefragt wurde, ob ich zu ihnen kommen möchte, wenn sie das dritte Mal das „salonfestival“ bei ihnen veranstalten, konnte ich mir nichts darunter vorstellen, da es mein erstes Konzert überhaupt war. Doch jetzt weiß ich, es ist wirklich wunderschön und was ganz Besonderes…

Die Vorbereitungen liefen auf Hochtouren als (endlich!) Milou & Flint kamen. Ich war sehr neugierig, als sie anfingen, alles aufzubauen und die Instrumente dem Raum anzupassen. In der Zwischenzeit kam auch das (wirklich sehr leckere) Finger-Food. Somit war alles vorbereitet und die Gäste konnten kommen. Alle Sitzplätze waren besetzt und die Zuschauer gespannt. Milou & Flint fingen an zu spielen und man merkte schnell, das Publikum war begeistert!! Es wurde nie langweilig, denn es wurden immer neue Geschichten ausgepackt und die Zuschauer mit in die Show involviert. Es wurden zwei Sets gespielt und in der Pause war ich sehr positiv überrascht, dass Milou und Flint sich mit den Zuschauern unterhielten (und so wie es aussah auch sehr amüsierten) und dabei so bodenständig und sympathisch waren.

Als das Konzert zu Ende war, gab es noch eine Box, in der die CDs lagen, die das Duo rausgebracht hatte. Ich bin sofort zu meiner Tante und meinte: „So eine möchte ich unbedingt haben!“ (am nächsten Tag wurde sie gleich von vorn bis hinten durchgehört!)

Mit einer der schönsten Momente war es auch, sich mit so vielen netten Leute zu unterhalten, die man teilweise gar nicht kannte, sondern vielleicht nur vom Namen. Würstchen und Nudelsalat haben den Abend langsam ausklingen lassen und die ersten Gäste haben sich dann auch auf den Heimweg gemacht. Ich bin todmüde ins Bett gefallen und habe den Abend nochmal Revue passieren lassen und bin zu dem Entschluss gekommen, ich möchte so etwas unbedingt nochmal erleben.

Leonie