Ein besonderer Auftakt für den Advent ist dieser Salon in einem Privathaus am 1. Dezember:
Jessica Gall und Band stellen ihre brandneue CD vor: „Licht – Winterlieder“. Eine sehr charmante und unterhaltsame Begrüßung durch den Gastgeber bringt die Gäste in Vorweihnachtsstimmung. Und während im weihnachtlich geschmückten Garten Sterne glänzen, stimmt Jessica das erste Lied an: „Süßer die Glocken nie klingen“, mit einem Glockenspiel, begleitet von Robert Matt am Flügel: eine ungewöhnliche Interpretation, jazzig – frisch. Schöne alte Weisen im neuen Gewand möchte Jessica Gall ihrem Publikum singen, mit ihrer reichen Stimme, die hoch wie tief modulieren kann, auch sanft hauchen oder kraftvoll betonen. Es geht um Gefühle, Lieder mit Seele, die viele der Gäste mitsingen könnten, ja wäre da nicht der besondere, andere Rhythmus: „Es ist ein Ros’ entsprungen“ ist klangvoll interpretiert: an der Gitarre der virtuose Johannes Feige, der besonders durch seine Soloeinlagen beeindruckt, mit groovenden Basstönen unterstützt von Andreas Henze und natürlich Robert Matt am Flügel, wird das Thema dieses alten Weihnachtsliedes aus dem 16. Jahrhundert bewegt aufgenommen, variiert und kraftvoll ‚erneuert’. Aber auch Songs von vorangegangenen Alben kommen im ersten Set zu Ohren: etwa der englische Song „I close my eyes“ mit intensiven Gitarrenriffs; hier wird auch der Klangkörper schnell mal zum Schlagzeug, auch Bassist Andreas ist voll dabei. Jessica Galls Stimme ist klangvoll – rund, bewegt und bewegend. Und dann, unglaublich, ertönt das älteste Weihnachtslied mit einer Eröffnung am Flügel, ein elegischer, geistlicher Choral, das von teurer Last erzählt: „Es kommt ein Schiff geladen“ – das hier zum klirrend verjazzten, irgendwie bluesartigen Stück wird. Beeindruckend. Und natürlich darf der Blick in den Spiegel nicht fehlen –Jessica Gall hat ihn vertont: die Unzufriedenheit mit sich in einen stimmungsvollen Song gekleidet, mitreißend und intensiv: „Picture Perfect“ (letztes Album).
Auch im zweiten Set wechseln weihnachtliche Lieder und Songs – und wenn es auch nicht schneit, das Publikum denkt sich den Schnee, als „Leise rieselt der Schnee“ ertönt, eröffnet mit sehr sparsam gesetzten Akkorden durch Robert Matt am Flügel und dann vom schnellen Gitarrenspiel begleitet. Ein Lied, das sich dann zu einem kraftvollen wuchtigen Stück entfaltet, als würde der Schnee heftig fallen. Luthers Weihnachtslied „Vom Himmel hoch“
vertont als Blues mit sonorem Bass verzaubert, Jessica Gall singt und spielt locker auch mal Sopransaxophon.
Im Advent erwartet man, denkt an seine Lieben, sollte Zeit füreinander haben, es ist gedacht als Zeit der Stille vor dem heiligen Ereignis, und so endet dieses bewegende Konzert mit „Stille Nacht, heilige Nacht“, einem klassischen Weihnachtslied, das rasch eine eigene Dynamik entwickelt. Es gibt lyrisch-erzählende Passagen, von Jessica Galls Stimme wunderbar formuliert, aber auch jaulende Gitarrenklänge, ein schönes Stimmungs-Vibrato.
Und am Ende gibt es nach langem Beifall noch A Cappella: Jessica, Robert und Johannes – einfach nur so stehen sie da und singen. Es schneit immer noch nicht, aber Gäste und Musiker singen dann alle zusammen die Weise vom rieselnden Schnee – diesen schönen Eiskristallen, die den Winter erst zu einem richtigen machen. Jessica Gall und Band haben ihn an diesem Abend beeindruckend imaginiert und musikalisch illuminiert mit ihren „Licht- Winterliedern“.

Latin, Jazz, Rock und Pop stehen auf dem Programm – und eine außergewöhnliche Band: Jin Jim. Im Jahr 2013 als Band zusammengefunden, spielen sie seither auf nationaler und internationaler Ebene (auch auf Einladung des Goetheinstituts) und begeistern ihr Publikum. Das Quartett gewann 2014 den „Future Sounds“-Wettbewerb der Leverkusener Jazztage und veröffentlichte 2015 ihr erstes Album „Die Ankunft“. Jin Jim belebt die deutsche Jazzszene mit ihrem ungewöhnlich wie mitreißenden Schwung, lange Soundlinien bauen Spannung auf, schnell treibende rhythmische Wechsel reißen den Zuhörer herum: bereits bei den ersten Tönen der Querflöte, virtuos gespielt von Daniel Manrique-Smith, horchen alle auf: ein ungewöhnlich wie vielseitiges Instrument im Jazz. Manrique-Smith pustet, bläst, taktet, haucht und bewegt in schnellem Tempo die Finger, egal ob lateinamerikanischer Tanz oder lyrisch-ruhige Phasen in den vielseitigen Melodien, die überwiegend von ihrem neuen Album „Weiße Schatten“ stammen. Man hört förmlich Lateinamerika, bemerkt klassische Elemente, bisweilen popt es auch. Aber auch „Die Ankunft des Kaisers“ von ihrer ersten CD wird gespielt: ein umwerfendes Stück (mit rhythmischen Gesang), lang, schnell, mit solistischen Einlagen, einem langen Bogen an musikalischen Einflüssen: es gibt begeisterten Applaus, auch mitten im Stück. Ben Tai Trawinski zupft den Bass in irrer Geschwindigkeit, kann aber auch sanft, wie in der ihm von komponierten ‚Träumerei’ zum Ende des Konzertes deutlich wird. Nico Stallmann beherrscht sein Schlagzeug wie kaum ein anderer: lustvoll, intensiv und bewundernswert schnell und vielseitig (beide Hände und Füße immer in Bewegung!) rührt er die Becken, schlägt und streicht, während Johann May an der E-Gitarre für treibende Rockbeats im Stil des Artrocks sorgt, die nun wirklich auch die letzten Gäste in Schwung versetzen. Jin Jim spielt dieses Konzert im Rahmen ihrer CD-Release-Tour im „salonfestival“- im schönen Showroom von Farbgestalt, wo launchige Sessel und diverse Stühle für das richtige Jamgefühl sorgen. Ein sichtlich begeisterter Gastgeber und die Gäste applaudieren lange: eine großartige Band wirft einen langen Schatten, zum Glück ist er weiß!

Egal ob Rock, Pop, Jazz oder HipHop: bei der Hannoverschen Band (gegründet 2015) Emerson Prime kommen viele Elemente aus den unterschiedlichsten Musikrichtungen zusammen, und das ist gut so. Denn diese fünf leidenschaftlichen Musiker kommen aus verschiedensten Stilrichtungen, allen gemeinsam ist die Lust am Musizieren und Liveauftritten. Sie spielen zum ersten Mal im „salonfestival“, und das an einem ungewöhnlichen Ort: ein Autosalon, schön hergerichtet mit Bänken und Stehtischen und atmosphärischer Beleuchtung – viele Gäste gehen schon nach dem ersten Song voll mit. Erika Emerson ist die Frontfrau der Band, sie textet und komponiert und zieht mit ihrer ausdrucksstarken souligen Stimme alle sofort in den Bann: sie singt, tanzt und interagiert mit ihren Prime-Kollegen. „Wonderseed“ heißt ihre erste CD, die zweite ist in Arbeit, so kommen auch unveröffentlichte Songs zu Gehör. „Heyo“ ist natürlich der absolute Hit, alle Gäste wippen mit ebenso wie „Walking down“. Tobias Lammers an den Drums gibt den starken Rhythmus, während Markus Ottenberg an der Gitarre tolle Riffs (und Soli!) spielt, z.B. im Song „One more night“. Erika kann Rock, aber auch sanfte Lyrics („Written im my Eyes“), ihre Texte drehen sich um alles, was einem so im Leben so passieren kann, besonders in der Liebe. Simon Lorenz (ein Metal-Fan) gibt mit seinem Basslines den vollen Sound und Joschka Merhof (der aus der Klassik kommt) am Keybord sorgt für besonders harmonische Klänge und unterstützt gelegentlich als backing vocal. Erika Emerson wuchs bilingual auf, alle Songs sind auf Englisch. Es gibt kaum Cover, dafür viel Eigenes, Besonderes. Nach zwei prallvollen mitreißenden Sets gibt es begeisterten Applaus – auch für die Technik, die wieder einmal von der exposive medien gruppe bereitgestellt wurde. Emerson Prime will die Festivals stürmen – nach diesem Abend steht fest, dass sie auch „das salonfestival“ gestürmt haben. Eine absolut geerdete Band mit viel britischer Popmanier, die viel Lust auf mehr macht! Die begeisterte Gastgeberin verteilt am Ende weiße Rosen!

 

Viele Gäste in einem großzügigen Wohnzimmer erwarten diesen besonderen Klavierabend:
Auf dem Programm stehen Sonaten von Scarlatti, Bachs ‚Französische Ouvertüre’ in h-moll sowie im zweiten Teil Schuberts Sonate in B-Dur D.960. Pianistin Serra Tavsanli hat in Istanbul, Hannover und Leipzig studiert, wo sie auch ihr Konzertexamen mit Auszeichnung abschloss. Zahlreiche Auftritte hat sie bereits erlebt, auf Festspielen gespielt und solistisch ihr Publikum begeistert. Zu diesem Hauskonzert hat sie den Hannoveraner Jazzsaxophonisten Lars Störmer fürs Vorlesen mitgebracht: er eröffnet den Abend mit einem Zitat aus den „Selbstbetrachtungen“ Marc Aurels. Weich und schön, behutsam und doch stark spielt Serra Tavsanli die erste Sonate von Scarlatti und überzeugt rasch ihr Publikum.
Perfekt sitzen die schnellen Läufe, komplizierte Fingersätze – mit behänder Leichtigkeit spielt die Pianistin diese Sonaten, die eigentlich für das Cembalo komponiert waren. Und das kann man hören, sogar auf einem Steinway. Großartig entwickelt sie die Motive von Scarlattis Sonaten, die sehr modern klingen, irgendwie ihrer Zeit voraus.
Serra Tavsanli spielt gern und immer wieder den ganz großen Komponisten: Bach – seine „Französische Ouvertüre“ ist in einer besonderen Tonart gesetzt: h-moll. Ein komplexes Stück, dass in einem guten Tempo vorgetragen, nein, erzählt wird. Im ersten Teil dunkel, gedehnt, im zweiten Teil voll und intensiv, einer Fuge gleich. Übrigens eine beliebte musikalische Form im Barock. Hierzu ist der vorgetragene Text der französischen Autorin Delphine de Vigan gut gewählt, es geht um das Vorspielen, das Verändern, das Erzählen.
Schuberts B-Dur Sonate D.0960 stammt aus dem Jahr 1828 und ist eine der letzten Sonanten dieses großartigen Komponisten, in drei Sätzen (molto moderato, andante sostenuto und allegro ma no troppo) lässt Serra Tavsanli eine ganze Welt entstehen: auch hier macht Lars Störmer mit einem kurzen Zitat des syrischen Schriftstellers Kahlil Gibran die Eröffnung, die Einstimmung. Perlend, dramatisch, energisch und mit viel Pedal gelingt der Pianistin auch in diesem anspruchsvollen Stück, das Thema sauber herauszuarbeiten. Nach einem ruhigen klaren Satz, mit großer Empathie gespielt, findet dieser besondere Klavierabend auch im rasant-furiosen dritten Satz noch nicht sein Ende: ein Händelstück in einer Bearbeitung von Wilhelm Kempff folgt und – natürlich – ein wunderbarer Bach-Choral: „Ich rufe zu dir, Herr“. Ob Scarlatti und Bach einander gekannt haben, ist unsicher. Sicher ist: alle Gäste haben an diesem Abend eine exzellente Pianistin kennengelernt. Es gibt Blumen vom begeisterten Gastgeberpaar und sehr viel Applaus.

 

Nachdem wir im vergangenen Jahr erstmals Gastgeber im Rahmen des salonfestivals waren und einen tollen musikalischen, kulinarischen und geselligen Abend mit den Musikern Christian Elin und Jakob Rattinger erleben durften, hatten wir uns nach kurzem Durchatmen entschlossen, zu ‚Wiederholungstätern‘ zu werden. Aber es sollte keine echte Wiederholung, sondern beim zweiten Mal alles anders sein. Also erstmal andere Musikrichtung: Ein Klangteppich aus Jazz, HipHop und Elektro – das Roman Schuler extended Trio aus Hamburg. Das ganze war ein ‚Mitreissender Sound im Wohnzimmer‘ und ist unter gleichnamigem Blog empathisch geschildert, weshalb wir auf eigene Worte verzichten – der anhaltende Beifall sprach Bände. Da das ‚LoveItHealthy‘-Catering samt der Chefin als ‚Mundschenk‘ leider nicht mehr angeboten wird, entschieden wir uns für ein anderes Konzept: Peruanisches Fingerfood aus Eva’s Kitchen und Getränke-Selfservice aus dem Gastro-Kühlschrank fanden großen Anklang bei den Gästen und führten zu reichlich geselligem Austausch. Außerdem hatten wir die Bestuhlung zugunsten von Stehtischen und -plätzen diesmal eingeschränkt, sodass die Gäste nicht nur die lyrische Kraft des Pianos mit den Ohren genießen, sondern auch die Lebendigkeit des Groove-Sounds in eigene Bewegung umsetzen konnten. Die Musiker Alex Klauck (Schlagzeug), Konrad Herbolzheimer (E-Bass) und Roman Schuler (Tasten, Tasten, Tasten) mögen ob der Nähe zum Publikum etwas überrascht gewesen sein, ließen sich aber bereitwillig zu ihren Instrumenten befragen und waren auch in der Pause und nach dem Konzert Teil des geselligen Beisammenseins – auch dafür gilt unser Dank an sie, dieser verkörpert in einem Sixpack ‚Hannöversch‘ statt edlem Wein wie im letzten Jahr. Beim zweiten Mal war also alles anders. Wirklich alles? Nein! Denn aus einem (unbeugsamen) Winkel der Terrasse machte sich nach dem Konzert wie im letzten Jahr der Duft von gegrillten Salsiccia Mantovana (aus römischer Produktion) breit, die sofort reißenden Absatz bei Gästen und Musikern fanden. Beim zweiten Mal war also nur fast alles anders – aber ebenso schön. Unser Dank gilt Musikern und Gästen gleichermaßen und natürlich Ulrike Groffy und dem salonfestival für die Organisation. Und im nächsten Jahr ist dann ja vielleicht wieder fast alles anders… .

erstellt von Wolfgang Hoffmann, Gastgeber

 

Ein beinah leer geräumtes Wohnzimmer, einige Stühle stehen bereit, verstreut sind Stehtische aufgestellt. Vier Buchstaben, drei Musiker und ein Sound: das ist das ‚Roman Schuler Extended Trio’. Das Trio hat aufgebaut, neben der Bassgitarre und einem funkelndes Schlagzeug sieht man drei Manuale, etliche Pedale und natürlich noch mehr Kabel. Ein Moog ist auch dabei, wunderschön anzusehen wegen seiner seitlichen Holzverkleidung: ein Retrostück, das an die 60er Jahre denken lässt. Mit dem Stück „Life ist a wave“ startet dieser gut besuchte Musiksalon: Keybord, Schlagzeug und Basslines grooven rasch das Publikum.
Roman Schuler ist ein Sounderfinder, ein Soundmeister, der Elemente des Jazz, HipHop und der Elektronik neu zu einem ganz eigenen Stil mixt, ein begnadeter Pianist, der u.a. bereits den „futuresounds Jazzpreis 2012“ gewonnen hat. Roman Schuler stammt aus Karlsruhe und lebt heute in Hamburg. Er spielt im eigenen Trio mit Konrad Herbolzheimer am E-Bass zusammen, und am Schlagzeug sitzt Alex Klauck (mit Kopfhörern) und sorgt für ungewöhnlich rasante Rhythmen. Ein Wunder, wie er es schafft, sein Spiel diesem Wohnzimmer anzupassen, denn eigentlich ginge da natürlich noch viel mehr Sound!
Roman Schuler moderiert charmant diesen Musikabend, er verarbeite Eindrücke und Gefühle in seiner Musik, so auch in einem neuen Stück (eine neue CD gibt es Anfang 2019!), das eine Hommage an eine große Stadt ist: New York, Polizeisirenen, Großstadtgeräusche werden musikalisch nachempfunden – man geht durch Manhattan. Besonders lyrisch „Be good“ und „Wisehite“, und noch mehr feeling gibt es bei dem Stück „Searching for Home“ – gekonnt wechselt Roman Schuler zwischen den Manualen und tippt auch mal auf dem Laptop herum – unglaubliche Konzentration erfordert dieses Spiel mit schnellen Rhythmen und wechselnden Melodien und Motiven. Alles Gefühl! Alex Klauck ist ganz im Schlagzeugen versunken, großartig! Sein Solo bekommt viel Applaus, und ebenso Konrad Herbolzheimer, der den so gekonnt lässig E-Bass spielt, als wäre das alles so einfach. Das Trio harmoniert.
„You’re doing right“ kann man da diesen leidenschaftlichen Musiker mit ihrem eigenen Stück nur zurufen – nach begeistertem Applaus, einer Zugabe und zwei langen Sets geht dieser Musikabend noch nicht zu Ende: Die Gastgeber laden noch zur italienischen Grillwurst, und Wein sei auch noch da. Das Trio bekommt von den Gastgebern ein Sixpack Hannoversches Bier mit auf den Weg. Ein soundvoller Abend mit vielen Leckereien!

 

Still in the Woods – das ist Indie-Jazz. Und doch viel mehr! Bass, Drums, Keybord und eine sagenhafte Stimme mit viel Groove und intensiven Texten: das sind Anna Hauss, Robert Wienröder, Raphael Seidel und Jakob Hegener. Vier junge leidenschaftliche Musiker, die sich 2014 in Berlin, Leipzig und Dresden gefunden haben und seither als Band auftreten. Und perfekt harmonieren! In Hannover stellen sie ihr Album ’Rootless’ im Techniklager der exposive medien gruppe vor: auf einer technisch perfekten Bühne – seitlich stehen die Mischpulte, die natürlich vom exposive Team bedient werden – inmitten der hohen Regale mit Cases und Boxen, wozu Anna den rhythmischen Song ‚Little Boxes’ präsentiert, als wäre er eigens für diesen Abend geschrieben. Ihre Stimme ist vielfältig, wandelbar, mal fordernd, mal geschmeidig. Zum Song ‚Bubbles’ kommt ein Megaphon zum Einsatz, als analoger Stimmenverstärker quasi, ein eindrucksvoll-witzige Stimmveränderung.
Über der Band hängen kristallene Lüster und große Glühbirnen, die dem Auftritt eine besondere Atmosphäre geben und das Techniklager in einen ungewöhnlichen Salon verwandeln. Still in the Woods lässt sich musikalisch in keine Schublade pressen, alle vier Musiker sind einfach in der Musik an diesem Abend, im Flow, den alle Gäste sichtlich genießen. Manche sitzen und wippen mit dem Fuß, andere stehen an den verstreut aufgestellten Tischen und bewegen sich leise zu den zarten Balladen, wie zum Song ‚In my own arms’. ‚Rootless’ sind diese vier Musiker nicht, sondern wirklich tief in der Musik verwurzelt: Jazz, Samba, Soul, Hip-Hop und Funk und treibende Beats vermischen sich zu einem ganz eigenen Sound, unverwechselbar, lustvoll geradezu. Die eingestreuten, wie zufällig platzierten Soli an den Drums (Jakob), am perlend gespielten Keybord (Robert) und an dem treibenden sonoren Bass (Raphael) kommen locker daher und werden mit viel Applaus belohnt. Natürlich muss es Zugaben geben, und die gibt es auch. Nach noch mehr Applaus.
Mit einem leckeren Büffet und vielen Gesprächen in kleinen Runden geht dieser eindrucksvolle Musik-Salon erst spät zu Ende.

 

Vor vier Jahren hatte ich sie schon einmal im Rahmen des Salonfestivals
gehört. Damals waren sie zu viert, zwei “Engländer” und zwei “Afrikaanser”
aus Südafrika. Der Drummer hatte statt einer Bass Drum eine Cahón
mitgebracht (die sicher das kleinere Packmaß hat), die er mit einer
Fußmaschine mit viel Gestänge zum Klingen brachte. Ich erinnere mich an
das Gespräch, das ich damals mit Gerdus Oosthuizen geführt habe, der
damals wie heute aussieht wie der jüngere Bruder von Jack Sparrow,
eindrucksvoll lang, eindrucksvolle Mähne, eindrucksvoll gute Laune.

Nun waren sie wieder da, die Sons of Settlers, auf die beiden Afrikaanser
geschrumpft, im sehr geschätzten Privatquartier A+B, in dem ich schon so
manche angenehme Stunde verbracht (und manch neue Erkenntnis gewonnen)
habe. Ich komme eigentlich immer recht knapp, die guten Plätze sind dann gemeinhin bereits vergeben.
Aber hey! Der breite rote Sessel, in dem ich blickgünstig das letzte Mal
gesessen habe, scheint noch frei zu sein. Tatsächlich, er war es. Dieses
Mal war der Blick wieder unverstellt, aber direkt neben der Box ist
vielleicht doch nicht der beste Hörplatz, zumal die Gruppe wohl gewöhnlich
größere Lokalitäten zu beschallen hat. Bereits während des ersten Stücks
suchte ich das Weite in den schallärmeren Hintergrund. Auf ihrer Webseite
schreiben die Sons of Settlers, daß sie nun als Duo nicht weniger Sound
machten als vorher zu viert. Das stimmt.

Sie spielen mit einer akustischen Gitarre und einer E-Gitarre fröhliche
Straßenmusik, dazu die bereits genannte Cahón mit Fußbedienung und
Schellen am anderen Fuß. Sie nennen ihre Musik “melodiösen Folk”. Ist das
wirklich Folk? Melodiös jedenfalls ist es in jedem Fall. Gab es am Vortag im „salonfestival“ noch komplexe Harmonik, schwere Gedanken und viel Moll, so steht heute das glatte Gegenteil auf dem Programm. Viel Dur, viel Rhythmus. Die Köpfe
wiegen, die Fußspitzen wippen im Takt: Wäre mehr Platz gewesen, hätten
sicherlich einige Gäste zu schwoofen angefangen (und ich wäre vermutlich
dabei gewesen). Wir waren ja ganz unter uns, keinem der Zuhörer hätte man
erklären müssen, wer die Eagles sind oder etwa Fleetwood Mac.

Nach zweimal 45 Minuten und einer gastromisch wohlbestellten Pause
vertilgte eine inspirierte Gruppe Gäste den Rest des Weins — wäre
schließlich schade um die bereits offenen Flaschen gewesen.

Herzerwärmend.

erstellt von Martin Gerdes, Gast!

 

Lieder von gestern und heute: „Vintage“ hat die Berliner Sängerin Iris Romen (mit holländischen Wurzeln) ihr Programm überschrieben und ist gemeinsam mit dem Gitarristen Alexey Wagner nach Hannover gekommen. Der Spielort ist ungewöhnlich wie hübsch improvisiert hergerichtet: eine Bühne gibt es nicht, es genügt eine Steckdose für den Rhodes und das Keybord. Alles direkt vor einem gemütlichen Sofa, auf dem entspannt die Gäste lauschen. Nahezu unplugged ist diese Konzert, leise und charmant weht der Geist von ehemals durch die Lieder. Iris Romen sagt gleich zu Beginn geradeheraus, sie sei ein wenig altmodisch und schätze es sehr, Gefühle, Eindrücke und Lebensalltag in Lieder umzusetzen, zumeist in eigene, es gibt wenig Cover an diesem Abend. Mitunter genügt eine Impression, so kam es zum Lied mit dem ‚Elevator Boy’, in dem das Liftklingeln wunderbar nachgeahmt wird. Iris singt vom ‚Mut haben’, wie man sich fühlt bisweilen, und auch sehr schön vom ‚ein Zuhause haben’ und von der kommenden Jahreszeit. Und natürlich gibt es auch ein Liebeslied: „You stole my heart“. Ihre Stimme ist hoch, ein heller sehr klarer Sopran mit Möglichkeiten in der Tiefe, mitunter auch mit einem leichten Timbre. Ihr liegen fast alle Rhythmen: vom Walzer über Bossa Nova bis hin zum Westernsong und auch mal einem ‚Schieber’. Stets wunderbar begleitet von Alexey auf der Gitarre, der die Riffs beherrscht, mehr als das, eine sehr empathische Begleitung ist. Beim Blues allerdings dreht er so richtig auf! Ein schöner Kontrast auch zum Spiel am Keybord und besonders zum Bass, zu dem Iris mühelos überwechselt und den sie glänzend beherrscht. Ganz toll: „Born to be wild“ für Stimme und Bass! Auch ein alter Song – zu dem viele Gäste begeistert mitwippen. Besonders schön wird es, wenn Jazzanklänge zu Gehör kommen, dann wird Iris’ Stimme sanft und voll.
Iris Romen wird bald im Studio neue Lieder aufnehmen, sie sei ein langsamer Mensch, der in der Musik alles sozusagen wegarbeite, meint sie in ihrer charmanten Moderation, die durch den Abend führt. Nur unterbrochen von einer Pause, für die die Boutiquebesitzerin ein üppiges Büffet vorbereitet hat. Und natürlich vom langen Applaus!