Das Trio boisé aus Hamburg war bei uns zu Besuch, zwei Klarinetten und ein Fagott. Eigentlich wollten wir das Konzert ja im Garten stattfinden lassen, besser: Die Musici vom Balkon aus, die Zuhörer im Garten. Wer aber hätte erwarten können, daß sich in dieser Klimawandelzeit der Winter bis in den späten Mai ausdehnt? Also wieder Wohnzimmer, dieses Mal mit den Musikern in der Mitte. Das kam bei den Gästen gut an. 

Wenn ich Klarinetten höre, denke ich immer an Lummerland und erwarte, daß irgendwann einmal die gute alte Emma pfeifend zur Tür hereindampft. Die ersten Stücke von Julius Fucik jedenfalls klangen in meinen Ohren sehr danach. Sie haben von Fucik noch nie gehört? Sein berühmtestes Stück, den Marsch “Einzug der Gladiatoren” kennt wirklich jeder – es sei denn, er wäre in seinem Leben noch nie im Zirkus gewesen. 

Ein musikalisch so einfach gestricktes Gemüt wie meins kann man mit Klassik immer beglücken: Zwei Menuette von Haydn blubberten fröhlich daher, danach zwei Trios von François Devienne. 

Es gibt für zwei Klarinetten und Fagott sehr wenig Originalliteratur. Unsere Musiker haben sich daher bei den Bassethörnern bedient, die speziell Mozart sehr geschätzt habe. Ich höre die heutige Besetzung lieber. 

Nach der Pause Präludium und Fuge des englischen Komponisten Richard Walthew. Wer weiß? Vielleicht hat er das Werk seinem Sohn, einem Klarinettisten, auf den Leib geschrieben? Mir war es etwas zu getragen. 

Kein ernsthaftes Klassikkonzert darf ohne Musik des 20. Jahrhunderts auskommen, und ich muß das dann aushalten: Drei Trialoge (?) eines noch lebenden deutschen Komponisten Deutschmann (!) bewiesen, daß Klarinetten und Fagott auch mal ganz anders klingen können. 

Zum Glück für mich kam dann noch ein langer Mozart hinterdrein, und als Zugabe ein Haydn. 

Holzbläser höre ich einfach gern. Und den Zuhörern hat es offensichtlich auch gefallen. Reichlich Beifall, viele angeregte Gespräche.

„Tales & Stories“ lautet der schlichte Titel dieses Musik-Salons in Hannover, erzählt von Tino Derado am Flügel und gesungen von Ken Norris. Zwei leidenschaftliche, begeisternde Musiker, die bereits seit einigen Jahren äußerst fruchtbar zusammenarbeiten. Beide lehren Musik, Ken Norris in Hamburg, und Tino Derado in Berlin und Hannover, aber am schönsten ist es, wenn sie Musik machen. Tino Derado hat den Jazz in den USA gelernt, ist dort gefragtes Mitglied der Latin-Jazz-Szene, Ken Norris mit seinem wandlungsfähigen Bariton stammt aus Ohio.

Der Konzertauftakt für 2019 im „salonfestival“ in Hannover ist ein besonderer Abend für Liebhaber der Klaviermusik: auf dem Programm stehen die Namen Beethoven, Ravel und Liszt mit anspruchsvollen Stücken.
Die georgische Pianistin Lika Bibileishvili hat sich früh schon ins Klavier verliebt, spielte bereits mit zwölf Jahren das erste Klavierkonzert von Rachmaninow und hat bis zu ihrem mit Auszeichnung bestandenen Studienabschluss 2015 viele Meisterkurse besucht und internationale Wettbewerbe gewonnen. Beim Label FARAO ist ihre erste CD mit Werken von Prokofjew, Bartok, Ravel und Sibelius erschienen, brillant eingespielt mit unverwechselbarem pianistischem Selbstbewusstsein.
Dieser Klavierabend in einem voll besetzten Wohnzimmer beginnt mit einer herzlichen wie charmanten Begrüßung durch das Gastgeberpaar, der Steinway Flügel steht bereit, daneben und überall viele Klappstühle. In der Küche wartet ein üppiges Büffet.
Lika Bibileishvili will mit ihrem Spiel die Herzen ihrer Zuhörer berühren, wie sie sagt, und das gelingt ihr bereits mit den ersten Tönen: Beethovens Sonate No. 28 op. 101 in A-Dur eröffnet diesen Hausmusik-Abend, den die Pianistin sanft und zugleich energisch angeht. Mit ihrer klar gesetzten Akzentuierung und dem akribischen Herausarbeiten der Motive überzeugt sie rasch ihr Publikum. Es folgt ein extrem schwieriges Stück, Maurice Ravels vielleicht bedeutendstes Werk, ein Klaviertryptichon: „Gaspard de la Nuit“. Den ersten Teil, „Ondine“ überschrieben, spielt Lika Bibileishvili wunderschön, zart-träumerisch. Man hört das perlend sprudelnde Wasser, im Kopf entstehen sofort Bilder dieser Wassernixe. Auch „Le Gibet“ atmet viel Atmosphäre, in Moll, langsam, ruhig und bewusst interpretiert die Pianistin dieses unheimliche Thema, dessen mahnender Ton „b“ als stetiger Glockenschlag an die Endlichkeit des Lebens mahnt. Lika Bibileishvili gelingt ein virtuoses, klares Spiel in diesem irgendwie zerfallenden Stück. Auch im dritten Teil „Scarbo“, das dunkel und sehr schnell daherkommt und man den listigen Kobold durch die Reihen toben hört- wunderbar. Konzentriert beendet Lika den Abend mit Franz Liszt Sonate in h-moll – ein technisch sehr anspuchsvolles Werk mit komplizierten Fingersätzen, dessen drei Teile direkt ineinander spielen. Ein Stück, das viel Kraft, ungeheure Konzentration und Fingerfertigkeit erfordert – und Lika Bibileishvili großartig meistert. Nach langem intensiven Applaus kommt die Zugabe aus Georgien, die kraftvolle Ronto-Toccata des georgischen Komponisten Revaz Lagidze. Ein unvergesslicher Abend!
Und der Gastgeber zitiert noch einmal treffend Julian Barnes:“ Kunst ist das Flüstern der Geschichte, das durch den Lärm der Zeit zu hören ist.“

©Ulrike Groffy

 

„das salonfestival“ ist immer für eine Überraschung gut, in jeder Hinsicht.
Es erwartet den Besucher ein besonderer Ort, ein besonderer Künstler oder ein sehr besonderes Gastgeberehepaar. Im besten Falle treten alle drei Dinge gemeinsam auf – so geschehen zum Auftaktkonzert der Festivalreihe am 19. Januar in Hannover.
Man fährt weit hinaus nach Hannover-Anderten und findet sich in einem Haus mit äußerst sensiblen und musikalischen Gastgebern wieder. Ein heller freundlicher Raum empfängt den staunenden Gast, magnetisch zieht den Blick ein gepflegter Steinway D Flügel an, eine Begegnung, die der Hoffnung auf einen erfüllten Klavierabend gründlich Raum verleiht. Wir werden nicht enttäuscht. Ein erfreulich neugieriges Publikum findet sich zahlreich ein und trägt begeistert zu der aufs feinste ausbalancierten Atmosphäre bei. Die einfühlsamen, einführenden Worte des Gastgebers lockern den blauen Moment vor dem Konzert auf, die Pianistin erscheint in Rot.
Die richtige Farbe für Beethoven, Ravel, und Liszt mit deren Musik Lika Bibileishvili in der Folge das Publikum in ihren Bann zieht. Gekonnt spannt sie den Bogen und führt ihre Zuhörer durch ein, an Extremen überreiches Gefühlschaos. Hochvirtuos beschließt sie den spannenden und reichhaltigen Abend mit Franz Liszt, h-Moll Sonate. Ein perfektes Feuerwerk.
Mehr geht nicht.

© Andreas Liebrandt

 

Ein besonderer Auftakt für den Advent ist dieser Salon in einem Privathaus am 1. Dezember:
Jessica Gall und Band stellen ihre brandneue CD vor: „Licht – Winterlieder“. Eine sehr charmante und unterhaltsame Begrüßung durch den Gastgeber bringt die Gäste in Vorweihnachtsstimmung. Und während im weihnachtlich geschmückten Garten Sterne glänzen, stimmt Jessica das erste Lied an: „Süßer die Glocken nie klingen“, mit einem Glockenspiel, begleitet von Robert Matt am Flügel: eine ungewöhnliche Interpretation, jazzig – frisch. Schöne alte Weisen im neuen Gewand möchte Jessica Gall ihrem Publikum singen, mit ihrer reichen Stimme, die hoch wie tief modulieren kann, auch sanft hauchen oder kraftvoll betonen. Es geht um Gefühle, Lieder mit Seele, die viele der Gäste mitsingen könnten, ja wäre da nicht der besondere, andere Rhythmus: „Es ist ein Ros’ entsprungen“ ist klangvoll interpretiert: an der Gitarre der virtuose Johannes Feige, der besonders durch seine Soloeinlagen beeindruckt, mit groovenden Basstönen unterstützt von Andreas Henze und natürlich Robert Matt am Flügel, wird das Thema dieses alten Weihnachtsliedes aus dem 16. Jahrhundert bewegt aufgenommen, variiert und kraftvoll ‚erneuert’. Aber auch Songs von vorangegangenen Alben kommen im ersten Set zu Ohren: etwa der englische Song „I close my eyes“ mit intensiven Gitarrenriffs; hier wird auch der Klangkörper schnell mal zum Schlagzeug, auch Bassist Andreas ist voll dabei. Jessica Galls Stimme ist klangvoll – rund, bewegt und bewegend. Und dann, unglaublich, ertönt das älteste Weihnachtslied mit einer Eröffnung am Flügel, ein elegischer, geistlicher Choral, das von teurer Last erzählt: „Es kommt ein Schiff geladen“ – das hier zum klirrend verjazzten, irgendwie bluesartigen Stück wird. Beeindruckend. Und natürlich darf der Blick in den Spiegel nicht fehlen –Jessica Gall hat ihn vertont: die Unzufriedenheit mit sich in einen stimmungsvollen Song gekleidet, mitreißend und intensiv: „Picture Perfect“ (letztes Album).
Auch im zweiten Set wechseln weihnachtliche Lieder und Songs – und wenn es auch nicht schneit, das Publikum denkt sich den Schnee, als „Leise rieselt der Schnee“ ertönt, eröffnet mit sehr sparsam gesetzten Akkorden durch Robert Matt am Flügel und dann vom schnellen Gitarrenspiel begleitet. Ein Lied, das sich dann zu einem kraftvollen wuchtigen Stück entfaltet, als würde der Schnee heftig fallen. Luthers Weihnachtslied „Vom Himmel hoch“
vertont als Blues mit sonorem Bass verzaubert, Jessica Gall singt und spielt locker auch mal Sopransaxophon.
Im Advent erwartet man, denkt an seine Lieben, sollte Zeit füreinander haben, es ist gedacht als Zeit der Stille vor dem heiligen Ereignis, und so endet dieses bewegende Konzert mit „Stille Nacht, heilige Nacht“, einem klassischen Weihnachtslied, das rasch eine eigene Dynamik entwickelt. Es gibt lyrisch-erzählende Passagen, von Jessica Galls Stimme wunderbar formuliert, aber auch jaulende Gitarrenklänge, ein schönes Stimmungs-Vibrato.
Und am Ende gibt es nach langem Beifall noch A Cappella: Jessica, Robert und Johannes – einfach nur so stehen sie da und singen. Es schneit immer noch nicht, aber Gäste und Musiker singen dann alle zusammen die Weise vom rieselnden Schnee – diesen schönen Eiskristallen, die den Winter erst zu einem richtigen machen. Jessica Gall und Band haben ihn an diesem Abend beeindruckend imaginiert und musikalisch illuminiert mit ihren „Licht- Winterliedern“.

Latin, Jazz, Rock und Pop stehen auf dem Programm – und eine außergewöhnliche Band: Jin Jim. Im Jahr 2013 als Band zusammengefunden, spielen sie seither auf nationaler und internationaler Ebene (auch auf Einladung des Goetheinstituts) und begeistern ihr Publikum. Das Quartett gewann 2014 den „Future Sounds“-Wettbewerb der Leverkusener Jazztage und veröffentlichte 2015 ihr erstes Album „Die Ankunft“. Jin Jim belebt die deutsche Jazzszene mit ihrem ungewöhnlich wie mitreißenden Schwung, lange Soundlinien bauen Spannung auf, schnell treibende rhythmische Wechsel reißen den Zuhörer herum: bereits bei den ersten Tönen der Querflöte, virtuos gespielt von Daniel Manrique-Smith, horchen alle auf: ein ungewöhnlich wie vielseitiges Instrument im Jazz. Manrique-Smith pustet, bläst, taktet, haucht und bewegt in schnellem Tempo die Finger, egal ob lateinamerikanischer Tanz oder lyrisch-ruhige Phasen in den vielseitigen Melodien, die überwiegend von ihrem neuen Album „Weiße Schatten“ stammen. Man hört förmlich Lateinamerika, bemerkt klassische Elemente, bisweilen popt es auch. Aber auch „Die Ankunft des Kaisers“ von ihrer ersten CD wird gespielt: ein umwerfendes Stück (mit rhythmischen Gesang), lang, schnell, mit solistischen Einlagen, einem langen Bogen an musikalischen Einflüssen: es gibt begeisterten Applaus, auch mitten im Stück. Ben Tai Trawinski zupft den Bass in irrer Geschwindigkeit, kann aber auch sanft, wie in der ihm von komponierten ‚Träumerei’ zum Ende des Konzertes deutlich wird. Nico Stallmann beherrscht sein Schlagzeug wie kaum ein anderer: lustvoll, intensiv und bewundernswert schnell und vielseitig (beide Hände und Füße immer in Bewegung!) rührt er die Becken, schlägt und streicht, während Johann May an der E-Gitarre für treibende Rockbeats im Stil des Artrocks sorgt, die nun wirklich auch die letzten Gäste in Schwung versetzen. Jin Jim spielt dieses Konzert im Rahmen ihrer CD-Release-Tour im „salonfestival“- im schönen Showroom von Farbgestalt, wo launchige Sessel und diverse Stühle für das richtige Jamgefühl sorgen. Ein sichtlich begeisterter Gastgeber und die Gäste applaudieren lange: eine großartige Band wirft einen langen Schatten, zum Glück ist er weiß!

Egal ob Rock, Pop, Jazz oder HipHop: bei der Hannoverschen Band (gegründet 2015) Emerson Prime kommen viele Elemente aus den unterschiedlichsten Musikrichtungen zusammen, und das ist gut so. Denn diese fünf leidenschaftlichen Musiker kommen aus verschiedensten Stilrichtungen, allen gemeinsam ist die Lust am Musizieren und Liveauftritten. Sie spielen zum ersten Mal im „salonfestival“, und das an einem ungewöhnlichen Ort: ein Autosalon, schön hergerichtet mit Bänken und Stehtischen und atmosphärischer Beleuchtung – viele Gäste gehen schon nach dem ersten Song voll mit. Erika Emerson ist die Frontfrau der Band, sie textet und komponiert und zieht mit ihrer ausdrucksstarken souligen Stimme alle sofort in den Bann: sie singt, tanzt und interagiert mit ihren Prime-Kollegen. „Wonderseed“ heißt ihre erste CD, die zweite ist in Arbeit, so kommen auch unveröffentlichte Songs zu Gehör. „Heyo“ ist natürlich der absolute Hit, alle Gäste wippen mit ebenso wie „Walking down“. Tobias Lammers an den Drums gibt den starken Rhythmus, während Markus Ottenberg an der Gitarre tolle Riffs (und Soli!) spielt, z.B. im Song „One more night“. Erika kann Rock, aber auch sanfte Lyrics („Written im my Eyes“), ihre Texte drehen sich um alles, was einem so im Leben so passieren kann, besonders in der Liebe. Simon Lorenz (ein Metal-Fan) gibt mit seinem Basslines den vollen Sound und Joschka Merhof (der aus der Klassik kommt) am Keybord sorgt für besonders harmonische Klänge und unterstützt gelegentlich als backing vocal. Erika Emerson wuchs bilingual auf, alle Songs sind auf Englisch. Es gibt kaum Cover, dafür viel Eigenes, Besonderes. Nach zwei prallvollen mitreißenden Sets gibt es begeisterten Applaus – auch für die Technik, die wieder einmal von der exposive medien gruppe bereitgestellt wurde. Emerson Prime will die Festivals stürmen – nach diesem Abend steht fest, dass sie auch „das salonfestival“ gestürmt haben. Eine absolut geerdete Band mit viel britischer Popmanier, die viel Lust auf mehr macht! Die begeisterte Gastgeberin verteilt am Ende weiße Rosen!

 

Viele Gäste in einem großzügigen Wohnzimmer erwarten diesen besonderen Klavierabend:
Auf dem Programm stehen Sonaten von Scarlatti, Bachs ‚Französische Ouvertüre’ in h-moll sowie im zweiten Teil Schuberts Sonate in B-Dur D.960. Pianistin Serra Tavsanli hat in Istanbul, Hannover und Leipzig studiert, wo sie auch ihr Konzertexamen mit Auszeichnung abschloss. Zahlreiche Auftritte hat sie bereits erlebt, auf Festspielen gespielt und solistisch ihr Publikum begeistert. Zu diesem Hauskonzert hat sie den Hannoveraner Jazzsaxophonisten Lars Störmer fürs Vorlesen mitgebracht: er eröffnet den Abend mit einem Zitat aus den „Selbstbetrachtungen“ Marc Aurels. Weich und schön, behutsam und doch stark spielt Serra Tavsanli die erste Sonate von Scarlatti und überzeugt rasch ihr Publikum.
Perfekt sitzen die schnellen Läufe, komplizierte Fingersätze – mit behänder Leichtigkeit spielt die Pianistin diese Sonaten, die eigentlich für das Cembalo komponiert waren. Und das kann man hören, sogar auf einem Steinway. Großartig entwickelt sie die Motive von Scarlattis Sonaten, die sehr modern klingen, irgendwie ihrer Zeit voraus.
Serra Tavsanli spielt gern und immer wieder den ganz großen Komponisten: Bach – seine „Französische Ouvertüre“ ist in einer besonderen Tonart gesetzt: h-moll. Ein komplexes Stück, dass in einem guten Tempo vorgetragen, nein, erzählt wird. Im ersten Teil dunkel, gedehnt, im zweiten Teil voll und intensiv, einer Fuge gleich. Übrigens eine beliebte musikalische Form im Barock. Hierzu ist der vorgetragene Text der französischen Autorin Delphine de Vigan gut gewählt, es geht um das Vorspielen, das Verändern, das Erzählen.
Schuberts B-Dur Sonate D.0960 stammt aus dem Jahr 1828 und ist eine der letzten Sonanten dieses großartigen Komponisten, in drei Sätzen (molto moderato, andante sostenuto und allegro ma no troppo) lässt Serra Tavsanli eine ganze Welt entstehen: auch hier macht Lars Störmer mit einem kurzen Zitat des syrischen Schriftstellers Kahlil Gibran die Eröffnung, die Einstimmung. Perlend, dramatisch, energisch und mit viel Pedal gelingt der Pianistin auch in diesem anspruchsvollen Stück, das Thema sauber herauszuarbeiten. Nach einem ruhigen klaren Satz, mit großer Empathie gespielt, findet dieser besondere Klavierabend auch im rasant-furiosen dritten Satz noch nicht sein Ende: ein Händelstück in einer Bearbeitung von Wilhelm Kempff folgt und – natürlich – ein wunderbarer Bach-Choral: „Ich rufe zu dir, Herr“. Ob Scarlatti und Bach einander gekannt haben, ist unsicher. Sicher ist: alle Gäste haben an diesem Abend eine exzellente Pianistin kennengelernt. Es gibt Blumen vom begeisterten Gastgeberpaar und sehr viel Applaus.

 

Nachdem wir im vergangenen Jahr erstmals Gastgeber im Rahmen des salonfestivals waren und einen tollen musikalischen, kulinarischen und geselligen Abend mit den Musikern Christian Elin und Jakob Rattinger erleben durften, hatten wir uns nach kurzem Durchatmen entschlossen, zu ‚Wiederholungstätern‘ zu werden. Aber es sollte keine echte Wiederholung, sondern beim zweiten Mal alles anders sein. Also erstmal andere Musikrichtung: Ein Klangteppich aus Jazz, HipHop und Elektro – das Roman Schuler extended Trio aus Hamburg. Das ganze war ein ‚Mitreissender Sound im Wohnzimmer‘ und ist unter gleichnamigem Blog empathisch geschildert, weshalb wir auf eigene Worte verzichten – der anhaltende Beifall sprach Bände. Da das ‚LoveItHealthy‘-Catering samt der Chefin als ‚Mundschenk‘ leider nicht mehr angeboten wird, entschieden wir uns für ein anderes Konzept: Peruanisches Fingerfood aus Eva’s Kitchen und Getränke-Selfservice aus dem Gastro-Kühlschrank fanden großen Anklang bei den Gästen und führten zu reichlich geselligem Austausch. Außerdem hatten wir die Bestuhlung zugunsten von Stehtischen und -plätzen diesmal eingeschränkt, sodass die Gäste nicht nur die lyrische Kraft des Pianos mit den Ohren genießen, sondern auch die Lebendigkeit des Groove-Sounds in eigene Bewegung umsetzen konnten. Die Musiker Alex Klauck (Schlagzeug), Konrad Herbolzheimer (E-Bass) und Roman Schuler (Tasten, Tasten, Tasten) mögen ob der Nähe zum Publikum etwas überrascht gewesen sein, ließen sich aber bereitwillig zu ihren Instrumenten befragen und waren auch in der Pause und nach dem Konzert Teil des geselligen Beisammenseins – auch dafür gilt unser Dank an sie, dieser verkörpert in einem Sixpack ‚Hannöversch‘ statt edlem Wein wie im letzten Jahr. Beim zweiten Mal war also alles anders. Wirklich alles? Nein! Denn aus einem (unbeugsamen) Winkel der Terrasse machte sich nach dem Konzert wie im letzten Jahr der Duft von gegrillten Salsiccia Mantovana (aus römischer Produktion) breit, die sofort reißenden Absatz bei Gästen und Musikern fanden. Beim zweiten Mal war also nur fast alles anders – aber ebenso schön. Unser Dank gilt Musikern und Gästen gleichermaßen und natürlich Ulrike Groffy und dem salonfestival für die Organisation. Und im nächsten Jahr ist dann ja vielleicht wieder fast alles anders… .

erstellt von Wolfgang Hoffmann, Gastgeber