21. Juni 2017 – 20:00 Uhr zu Gast im Atelier für Bekleidung Galatea Ziss // Wiesbaden-Innenstadt

Prof. Dr. Barbara Vinken

Mode als Lebenskunst

Vortrag. Gespräch. Die Mode hat seit jeher den Ruf, launenhaft-tyrannisch zu sein und diejenigen, die ihr folgen, zu versklaven. Sie ist der Lieblingsfeind einer puritanischen Zivilisationskritik. Der klassische bürgerliche Mann durfte sich nicht sinnlich und verführerisch inszenieren. Er soll vielmehr zeigen, dass man sich über Kleidung keinerlei unnötige Gedanken mache. Der Anzugträger signalisiert, dass es ihm nicht um Äußerlichkeiten gehe, sondern um Leistung, Seriosität, Zuverlässigkeit. Es geht nicht um individuellen Geschmack, sondern um Korrektheit. Deshalb sind Anzugträger so spektakulär unspektakulär, auffällig unauffällig. Und wie sieht es in der Frauenmode aus? Erfolgreiche Frauen stecken – zumindest in Deutschland – besser ebenfalls in einem unauffälligen Hosenanzug. Denn sie können es sich schlicht nicht leisten, modische Weiblichkeit öffentlich zu inszenieren, ohne sich sofort den Vorwurf der Inkompetenz zuzuziehen: entweder kompetent oder betont modisch weiblich. Dabei hat die Mode so viel zu bieten und wir können so viel in ihr finden: Die Ironie, das Verschieben, das Verrücken, das Lachen. Barbara Vinken singt ein Lob auf die Mode!

Prof. Dr. Barbara Vinken
ist Professorin für Literaturwissenschaft und ­Romanistik an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Sie lehrte unter anderem in New York, Paris und Chicago. Ihre Studien „Mode nach 
der Mode“ und „Angezogen. Das Geheimnis der Mode“ sind Standardwerke.